Wirtschaft

Warum Microsoft jetzt deutsche Kunden ködert

Word, Outlook, Copilot: Sind wir längst zu abhängig von Microsoft? In Köln will der Konzern genau diese Zweifel zerstreuen.

22.10.2026, 14:42 Uhr

Microsoft wirbt in Köln mit mehr Datensouveränität um Vertrauen

Vor dem Hintergrund der Diskussion über Europas digitale Unabhängigkeit und die starke Bindung an US-Technologieanbieter bemüht sich Microsoft um ein stärkeres Vertrauenssignal. Konzernchef Satya Nadella präsentierte in einer Kölner Messehalle vor rund 5.000 Gästen gemeinsam mit weiteren Führungskräften ein angepasstes Angebot, bei dem die Kontrolle über Daten stärker im Mittelpunkt steht. Nach seinen Worten sollen Nutzer selbst festlegen können, wohin Daten fließen und wie sich diese Vorgaben flexibel anpassen lassen.

Konkret geht es darum, dass Unternehmen Informationen vor Ort speichern oder genauer nachvollziehen können, an welchem Standort ihre Cloud-Daten liegen. Solche Möglichkeiten gab es über Microsofts Cloud-Plattform Azure zwar bereits, nun werden sie jedoch ausgebaut und variabler gestaltet. So sollen sich Daten einfacher aus der Cloud auf lokale Server zurückholen lassen und bei Bedarf sogar vollständig vom Internet trennen lassen.

Ein weiteres Beispiel ist die Funktion „Azure Confidential Clean Rooms“. Sie soll es Unternehmen ermöglichen, sensible Daten gemeinsam mit Partnern auszuwerten, ohne diese offenlegen zu müssen. Möglich wird das durch eine durchgehende Verschlüsselung, die das Risiko eines Missbrauchs verringern soll. Laut Nadella bleiben die Daten sogar während der Nutzung geschützt.

Microsoft setzt weiter stark auf KI

Programme wie Word und andere Microsoft-Anwendungen sind nicht nur im Privatbereich weit verbreitet, sondern auch in Behörden und Unternehmen fest etabliert. Gleichzeitig treibt der Konzern den Einsatz seiner KI-Lösung Copilot weiter voran. Sie soll Kunden helfen, Informationen schneller auszuwerten und Daten effizienter zu nutzen.

Microsoft AI Tour Köln
VW ist ein Großkunde von Microsoft. Quelle: Oliver Berg/dpa

Zu den großen Kunden zählt der Volkswagen-Konzern, der kürzlich 330.000 Copilot-Lizenzen für seine Beschäftigten bestellt hat. Weitere bekannte Abnehmer sind Bayer, Lufthansa und Miele.

Bei der Veranstaltung in Köln stellte Microsoft zudem konkrete Beispiele für den Nutzen von KI im Unternehmensalltag vor. So setzt TK Elevator aus Düsseldorf einen KI-Assistenten des Konzerns ein, damit Servicetechniker besser auf Wartungsarbeiten vorbereitet sind und ihre Einsätze genauer ausgewertet werden können.

Nach Angaben des Unternehmens sank dadurch die Zahl der sogenannten „Callbacks“ um 40 Prozent. Gemeint sind erneute Einsätze, wenn ein Problem beim ersten Besuch nicht vollständig gelöst werden konnte. Weltweit beschäftigt TK Elevator rund 25.000 Techniker, die etwa 1,4 Millionen Aufzüge und Rolltreppen betreuen.

Auch Boehringer Ingelheim nutzt KI-Technologie von Microsoft. Das Pharmaunternehmen arbeitet dabei mit digitalen Zwillingen von Patienten, um Krankheitsverläufe zu simulieren und die Entwicklung neuer Medikamente zu beschleunigen.

Politik sieht Abhängigkeit kritisch

Trotz der engen Verbreitung von Microsoft-Lösungen wird die starke Stellung des Konzerns in der deutschen Politik auch kritisch gesehen. Johannes Schätzl, digitalpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, sagte, Microsoft werde zwar derzeit für die Digitalisierung Deutschlands und für KI-Anwendungen gebraucht. Zugleich müsse das Ziel aber sein, diese Abhängigkeit langfristig zu überwinden.

Zwar habe er grundsätzlich Vertrauen in das Unternehmen, so Schätzl, dennoch bleibe Microsoft ein US-Konzern und unterliege damit auch dem amerikanischen Cloud Act. Deshalb seien Zusicherungen der deutschen Tochtergesellschaft, europäische Daten zu schützen und EU-Regeln einzuhalten, nur begrenzt belastbar. Letztlich sei auch die Deutschland-Sparte an den Mutterkonzern in den USA gebunden.

Darüber hinaus verwies der SPD-Politiker auf die starke Marktmacht des Unternehmens, die hohe Preise ermögliche. Mehr Wettbewerb bei Software für Bürger, Behörden und Unternehmen wäre aus seiner Sicht nicht nur technologisch, sondern auch wirtschaftlich von Vorteil.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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