Lecks an der Internationalen Raumstation ISS sind nach Einschätzung von Fachleuten kein außergewöhnliches Phänomen. Angesichts der Größe und Komplexität der Station seien kleinere Undichtigkeiten an Verbindungsstellen grundsätzlich nicht überraschend. Problematisch werde es allerdings, wenn Material an einzelnen Stellen versage, etwa Dichtungen. Dann könne sich ein Leck unkontrolliert vergrößern. Eine vorübergehende Evakuierung diene in solchen Fällen vor allem der Sicherheit.
Astronauten mussten sich zeitweise in die Kapsel zurückziehen
Am Freitag verließen die vier Mitglieder der SpaceX-Crew 12 sowie der US-Astronaut Chris Williams vorübergehend den regulären Bereich der ISS und begaben sich in das Raumschiff Dragon. Hintergrund waren Reparaturarbeiten an zwei undichten Stellen im russischen Modul Swesda.
Nach Angaben der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos konnte eine der betroffenen Stellen schnell abgedichtet werden. Für eine zweite undichte Stelle liefen zunächst weitere Vorbereitungen. Weil die Arbeiten anschließend unterbrochen wurden, durften die fünf Raumfahrer nach Freigabe durch die Nasa wieder auf die Station zurückkehren.
Roskosmos erklärte, weder die Crew noch die Systeme an Bord seien in Gefahr. Der Druck in der ISS sei stabil und bewege sich im vorgesehenen Bereich. Wann die Instandsetzung fortgesetzt werden soll, war zunächst unklar.
Verschleiß im Swesda-Modul als mögliche Ursache
Der russische Raumfahrtexperte Georgi Trischkin führt die wiederholten Luftverluste auf den zunehmenden Verschleiß des Swesda-Moduls zurück. Demnach gibt es Mikrorisse in älteren Schweißnähten sowie weitere Schäden. Als zentrales Problem nennt er jedoch den stark beanspruchten Andockbereich des Moduls.
Swesda habe bereits 66 Andockmanöver erlebt – mehr als jedes andere Modul der Station. Jeder einzelne Vorgang belaste die Konstruktion zusätzlich. Trischkin zufolge kämpft man dort seit rund sieben Jahren mit Lecks, wobei Reparaturen mal besser, mal schlechter funktioniert hätten. Beim aktuellen Vorfall soll es sich allerdings um eine neue undichte Stelle handeln und nicht um die Folge einer früheren Ausbesserung. Das erschwere die Suche nach der genauen Ursache.
Zusammenarbeit auf der ISS geht weiter
Das Raumschiff Dragon kann laut Betreiber SpaceX bis zu sieben Menschen aufnehmen. Auf der ISS leben und arbeiten seit rund 25 Jahren ohne Unterbrechung Astronautinnen und Astronauten.
An dem Weltraumprojekt sind Russland, die USA, Kanada, Japan und die Europäische Weltraumorganisation ESA beteiligt. Trotz politischer Spannungen und des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine wird die Kooperation im All fortgesetzt. Die Raumstation umkreist die Erde in etwa 400 Kilometern Höhe.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion