Autor und Aktivist Arne Semsrott hat bei seiner Lesung in der Magdeburger Stadtbibliothek zu mehr Entschlossenheit im Umgang mit der extremen Rechten aufgerufen. Mit Blick auf die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt im September und die hohen AfD-Umfragewerte sagte er, die Zivilgesellschaft dürfe sich nicht einschüchtern lassen.
Semsrott erklärte, er nehme wahr, dass viele Menschen entschlossen seien, sich zu wehren. Zivilgesellschaftliche Akteure würden gerade deshalb angegriffen, weil sie extrem rechten Kräften im Weg stünden.
Die Matinee in der Zentralbibliothek war mit rund 150 Besucherinnen und Besuchern ausverkauft. Bereits am Freitagabend hatte Semsrott in einem Kulturzentrum gelesen, das nach der zunächst abgesagten Bibliotheksveranstaltung als Ausweichort eingesprungen war. Auch dieser Termin war ausverkauft. Proteste gegen die Buchvorstellungen blieben aus.
Im Mittelpunkt stand Semsrotts neues Buch „Gegenmacht – Die Zivilgesellschaft schlägt zurück“. Darin beschreibt er nach Verlagsangaben, wie Bürgerinnen und Bürger sich demokratisch engagieren können – etwa durch strategische Klagen oder Volksentscheide.
Um die Lesung in der Stadtbibliothek war zuvor Streit entbrannt. Nachdem die Veranstaltung vor mehr als zwei Wochen abgesagt worden war, warf der gebürtige Hamburger der Stadt vor, aus Sorge vor politischem Druck durch die AfD zurückgewichen zu sein. Magdeburgs Oberbürgermeisterin Simone Borris (parteilos) wies diesen Vorwurf zurück und lud Semsrott zu einem Gespräch ein. Vor der nun nachgeholten Lesung tauschten sich beide aus, Borris nahm anschließend als Gast an der Veranstaltung teil.
Semsrott sprach vor Beginn der Lesung von einem anfänglichen Einknicken und einem späteren Einlenken. Das Gespräch mit der Oberbürgermeisterin habe er als Entschuldigung verstanden, auch wenn dieses Wort nicht gefallen sei. Dass er den Konflikt öffentlich gemacht habe, sei bewusst geschehen.
Auch aus dem Kreis der Veranstalter kamen deutliche Worte. Sarah Thäger, Leiterin des Literaturhauses Magdeburg, sagte, offene Räume müssten offen gehalten werden. Kultureinrichtungen würden sich derzeit vernetzen, um sich nicht nur Räume, sondern auch Begriffe zurückzuholen. Organisiert wurde die Lesung vom Literaturhaus gemeinsam mit der Heinrich-Böll-Stiftung und dem Verein Miteinander im Rahmen der Reihe „Und nu?!“.
Nach Angaben Semsrotts sind in den kommenden Wochen weitere Lesungen in Sachsen-Anhalt geplant, unter anderem in Stendal, Zerbst und Halberstadt.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion