Fußball

WM 2027? Müller glänzt beim Debüt – und Wamser holt Döner

Nach Kreuzbandriss trifft Marie Müller bei ihrem Traumdebüt – doch ein brisanter Fall überschattet den DFB-Jubel.

06.06.2026, 10:26 Uhr

Marie Müller genoss ihr Traumdebüt mit Treffer, Carlotta Wamser sprach nach dem Spiel lieber erst einmal über den späten Hotelimbiss: ein Döner mit allem. Auch den 2:0-Erfolg gegen Norwegen ordnete die erfrischend direkte Offensivspielerin auf ihre Weise ein. Mit Blick auf die WM 2027 sagte sie, nach Brasilien habe sie ohnehin schon immer einmal reisen wollen — eigentlich für Urlaub, nun eben für den Fußball. Durch den Sieg sicherte sich die DFB-Auswahl schon im vorletzten Qualifikationsspiel vorzeitig das Ticket für die Endrunde.

Vor 33.425 begeisterten Zuschauerinnen und Zuschauern in Köln wuchs die Vorfreude auf die Reise nach Südamerika. Gleichzeitig verschwanden bei den deutschen Spielerinnen die letzten Zweifel. Wamser sprach von großer Erleichterung: Der Druck sei abgefallen, die Qualifikation geschafft — genau das sei das Ziel gewesen. Ihren sehenswerten Treffer in der 27. Minute kommentierte sie gewohnt locker: Sie habe einfach mal aufs Tor geschossen, und am Ende sei es ziemlich gut geworden.

Nüsken als Kapitänin: Wieder ein Schritt nach vorn

Auch ihre Mitspielerinnen zeigten sich hochzufrieden. Innenverteidigerin Kathrin Hendrich hob die stabile Defensive, die starke Kulisse in Köln und die große Freude über das Ergebnis hervor. Sjoeke Nüsken, die die Mannschaft erstmals als Kapitänin aufs Feld führte, sah in der vorzeitigen WM-Qualifikation einen Beleg für die positive Entwicklung des Teams in diesem Jahr.

Mit 13 von 15 möglichen Punkten ist die Qualifikation zugleich ein weiterer Erfolg für Bundestrainer Christian Wück. Der Coach setzte erneut auf die Breite des Kaders — und wurde durch Debütantin Müller bestätigt. Wück lobte die 25-Jährige für ihre Ballsicherheit, ihr gutes Stellungsspiel und ihre starke Technik. Es zahle sich aus, immer wieder neue Spielerinnen einzubauen.

Deutschland - Norwegen
Es «müllert» wieder beim DFB: Marie Müller krönte ihr Debüt mit dem Tor zum 1:0. Quelle: Rolf Vennenbernd/dpa

Müller nach Bilderbuch-Premiere: Erst einmal alles sacken lassen

Für Marie Müller, die in den USA bei den Portland Thorns spielt, war es ein besonderer Abend. Seit dem Start der Wück-Ära Ende Oktober 2024 beim spektakulären 4:3 in England ist sie bereits die zwölfte Debütantin im Nationalteam. Die Außenverteidigerin sprach von einem unglaublichen Gefühl und wollte nach dem Spiel zunächst in Ruhe in der Kabine alles verarbeiten.

Dabei hatte das Jahr für Müller alles andere als leicht begonnen. Im DFB-Training zog sich die frühere Freiburgerin Anfang 2025 einen Kreuzbandriss zu. Nun krönte sie ihr Comeback mit einem Tor bei ihrer Länderspielpremiere: In der 18. Minute traf sie zum 1:0 und schrieb damit eine fast filmreife Geschichte. Hendrich lobte besonders, wie schnell sich Müller zurechtfand und oft genau wusste, wo sie stehen musste.

Mit Gwinns Nummer auf dem Rücken

Vor dem Anpfiff sei sie nervös gewesen, gab Müller zu. Mit dem Spielverlauf habe sie den Moment dann aber genießen können. Eine besondere Rolle spielte auch ihre Rückennummer: Sie lief mit der Sieben auf, die normalerweise Giulia Gwinn trägt, die wegen einer Schulteroperation fehlt. Für Müller war das eine besondere Ehre, schließlich sei Gwinn eine herausragende Spielerin und die Kapitänin der Mannschaft.

Dass Deutschland auch ohne Gwinn sowie weitere wichtige Kräfte wie Franziska Kett oder Abwehrchefin Janina Minge überzeugend auftreten kann, wertete Nüsken als Zeichen der großen Tiefe im Kader. Spielerinnen, die zurückkommen oder neu dazustoßen, seien sofort präsent. Auch Hendrich unterstrich die enorme Qualität des Teams in der Breite.

Keine klaren Aussagen im Fall Freigang

Getrübt wurde die gute Stimmung beim DFB nur durch die Nachrichten rund um Laura Freigang. Während der Partie hatte die Nationale Anti Doping Agentur mitgeteilt, dass die 44-malige Nationalspielerin von Eintracht Frankfurt, die diesmal nicht zum Aufgebot gehörte, gegen Aufenthaltsauflagen im Anti-Doping-System verstoßen haben soll. Weder Wück noch der Verband wollten sich nach dem Spiel konkret dazu äußern.

Nach Angaben der NADA soll die 28-Jährige innerhalb von zwölf Monaten dreimal bei Kontrollen nicht an dem Ort gewesen sein, den sie zuvor angegeben hatte. Wegen dieser verpassten Tests droht der Offensivspielerin nun eine längere Sperre.

Diese sogenannten Strikes gelten als Verstoß gegen die Meldepflicht und führen laut NADA in der Regel zu einer Sperre von zwei Jahren. Ein konkreter Dopingverdacht besteht gegen Freigang jedoch nicht. Medienberichten zufolge fielen alle bislang abgegebenen Proben negativ aus.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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