Wirtschaft

Wirtschaft drängt: EU-Deal mit UK wackelt

Zehn Jahre nach Brexit wächst der Druck: Was Firmen jetzt von London und Berlin fordern, könnte den Handel spürbar ändern.

15.10.2026, 09:01 Uhr

Unternehmen drängen auf Erleichterungen im Handel nach dem Brexit

Zehn Jahre nach dem Brexit-Referendum setzen zahlreiche deutsche und britische Firmen auf spürbare Verbesserungen bei den Wirtschaftsbeziehungen. Anlass ist die anstehende Überprüfung des Handels- und Kooperationsabkommens zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich. Das geht aus einer Befragung von KPMG und der British Chamber of Commerce in Germany (BCCG) hervor.

Demnach erwarten 71 Prozent der Unternehmen von der britischen Regierung stärkere Fortschritte bei den Handelsbeziehungen. Von der Bundesregierung wünschen sich 73 Prozent vor allem weniger bürokratische Hürden.

BCCG-Präsident Michael Schmidt erklärte, jetzt sei die Zeit gekommen, aus einer engeren Zusammenarbeit neues Wachstum zu schaffen. Unternehmen bräuchten verlässliche Rahmenbedingungen, praktikable Regeln im Alltag, einfachere Grenzabwicklungen und planbare Visa-Verfahren.

Das seit 2021 geltende Handels- und Kooperationsabkommen, das nach dem Brexit zwischen der EU und Großbritannien vereinbart wurde, wird turnusmäßig alle fünf Jahre gemeinsam überprüft.

Wunsch nach mehr Mobilität und schnelleren Grenzverfahren

Für 53 Prozent der befragten Firmen hat eine größere Bewegungsfreiheit für Geschäftsreisende und Beschäftigte Priorität. 49 Prozent sprechen sich für reibungslosere Zoll- und Grenzprozesse aus. Daneben nennen Unternehmen die gegenseitige Anerkennung von Produktstandards (32 Prozent) sowie einen besseren Zugang zum Dienstleistungsmarkt (31 Prozent) als wichtige Themen.

Andy Burnham
Der britische Premierminister Andy Burnham steuert auf einen deutlich pro-europäischeren Kurs zu. (Archivbild) Quelle: Stefan Rousseau/PA Wire/dpa

Handel bleibt unter dem Niveau von vor dem EU-Austritt

Trotz weiterhin solider Geschäfte liegt der Warenhandel noch immer deutlich unter dem Stand vor dem Brexit. Zwischen 2015 und 2025 verringerte sich das Handelsvolumen trotz teils deutlich gestiegener Preise um sieben Prozent auf 118,4 Milliarden Euro pro Jahr.

Zugleich wollen 61 Prozent der befragten Unternehmen in diesem Jahr nicht im Vereinigten Königreich investieren. Als zentrales Hindernis gilt für 35 Prozent die politische Unsicherheit im Land.

Nächstes EU-UK-Treffen im November

Der britische Premierminister Andy Burnham hatte zuletzt mehrfach betont, dass der Brexit dem Vereinigten Königreich wirtschaftlich eher geschadet habe. Am 20. November ist in Brüssel das nächste Treffen der britischen Regierung mit der EU vorgesehen. Dort werden weitere Schritte für eine Annäherung erwartet.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen