Der Fußball-Weltverband FIFA plant laut einem Medienbericht eine Anpassung seines Disziplinarkodexes, um Fälle wie die Diskussion um US-Angreifer Folarin Balogun bei der Weltmeisterschaft künftig zu vermeiden. Ein entsprechender Vorschlag soll dem FIFA-Council bei seiner ersten Sitzung seit der WM in Zürich vorgelegt werden, berichtete "The Athletic".
Kern der möglichen Regeländerung ist demnach, dass automatische Sperren von einem Spiel nicht mehr aufgehoben werden können. Damit wolle die FIFA mehr Klarheit darüber schaffen, wann Spieler einsatzberechtigt sind, und zugleich die Glaubwürdigkeit der Wettbewerbe stärken. Eine offizielle Stellungnahme des Weltverbands stand zunächst aus.
Streitfall Balogun
Balogun war im Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina beim 2:0 mit Rot vom Platz gestellt worden. Eigentlich hätte er dadurch das Achtelfinale gegen Belgien automatisch verpassen müssen. Die FIFA setzte diese Sperre jedoch überraschend aus.
Auslöser war Berichten zufolge ein Anruf von US-Präsident Donald Trump bei FIFA-Präsident Gianni Infantino. Nach Angaben der FIFA sei die Entscheidung allerdings von der formal unabhängigen Disziplinarkommission getroffen worden. Trump ließ seine Aussagen jedoch so klingen, als habe Infantino persönlich eingegriffen. Der Schweizer wies jede direkte Beteiligung zurück.
Sportlich änderte Baloguns Einsatz nichts mehr: Die USA verloren gegen Belgien mit 1:4 und schieden aus dem Turnier aus. Die UEFA reagierte damals scharf und bezeichnete die Aufhebung der Sperre als "unverständlich" sowie als "Überschreitung einer roten Linie".

Kritik am Vorgehen
Wie "The Athletic" weiter berichtet, soll es auch innerhalb des FIFA-Umfelds Kritik am Verfahren geben. Demnach bemängelten nicht namentlich genannte Quellen aus dem Kreis von Ratsmitgliedern, dass der exakte Text des Vorschlags erst am Dienstagabend und damit weniger als 48 Stunden vor der Sitzung verschickt worden sei.
Dies werde als Versuch gewertet, die Regeländerung kurzfristig durchzubringen und den Wirbel um Baloguns ausgesetzte Sperre nachträglich aufzuarbeiten. Nach Einschätzung dieser Quellen seien die bisherigen Bestimmungen für die meisten Beteiligten eigentlich eindeutig gewesen. Diskussionsbedarf habe vor allem die Entscheidung ausgelöst, Balogun trotz Platzverweises im Achtelfinale auflaufen zu lassen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber