Wirtschaft

E-Bus-Kürzung: Droht jetzt das Aus im Nahverkehr?

Dicker Geldregen für E-Busse – doch schon 2027 droht der Förder-Kahlschlag. Kippt damit die Verkehrswende?

15.10.2026, 04:30 Uhr

Kürzere Förderung gefährdet Umstieg auf E-Busse im Nahverkehr

Die Verkehrsbranche warnt vor einem deutlichen Rückschlag bei der Umstellung von Busflotten auf klimafreundliche Antriebe. Hintergrund ist die geplante Kürzung der Bundesmittel für den Kauf von Elektrobussen im kommenden Jahr. Laut Haushaltsentwurf der Bundesregierung für 2027 sollen die Fördergelder von derzeit rund 403 Millionen Euro auf etwa 130 Millionen Euro sinken.

Nach Einschätzung des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) und der Klima-Allianz Deutschland könnte Deutschland damit die europäischen Vorgaben zur Umrüstung von Dieselbussen auf emissionsfreie Modelle verfehlen. Zugleich sehen die Verbände Nachteile für den Industriestandort Deutschland.

Vor allem deutsche Hersteller profitieren

Eine im Auftrag der Verbände von PWC erstellte Analyse kommt zu dem Ergebnis, dass insbesondere Hersteller aus Deutschland und Europa von der Förderung profitieren. Demnach stammen fast drei Viertel der in Deutschland eingesetzten Elektrobusse von deutschen Produzenten. Als führend gelten Daimler Buses und MAN.

Nach Angaben der Untersuchung hängen am Markt für elektrische Stadtbusse in Deutschland bis zu 12.600 Arbeitsplätze. Eine geringere Förderung könnte daher die gesamte Wertschöpfungskette belasten.

Mögliche Folgen der Kürzung

Sollten die Mittel tatsächlich wie geplant sinken, sehen die Autoren der Analyse mehrere denkbare Reaktionen der Verkehrsunternehmen. So könnten bestehende Dieselbusse länger im Einsatz bleiben oder statt neuer E-Busse erneut Fahrzeuge mit Dieselantrieb beschafft werden. Möglich wäre zudem, vermehrt Elektrobusse aus Nicht-EU-Staaten zu kaufen, insbesondere aus China.

Elektrobusse
Die Umrüstung der Busflotten in Deutschland schafft einer Analyse zufolge Tausende Arbeitsplätze. (Archivbild) Quelle: Bernd Weißbrod/dpa

Hohe Kosten bleiben ein Hindernis

Ein zentrales Problem beim Umstieg sind weiterhin die hohen Anschaffungskosten. Zwar sind Elektrobusse im Betrieb wegen niedrigerer Energiekosten günstiger als Dieselbusse. Gleichzeitig treiben aber mehrere Faktoren die Gesamtausgaben nach oben: geringere Reichweiten, zusätzlicher Fahrzeugbedarf, der Aufbau von Ladeinfrastruktur und die höheren Kaufpreise.

Laut einer weiteren PWC-Auswertung aus dem Vorjahr kostet ein 2023 neu zugelassener Batteriebus, der im Depot geladen wird, über eine Lebensdauer von zwölf Jahren und bei 55.000 Kilometern pro Jahr rund 30 Prozent mehr als ein Dieselbus. Diese Differenz dürfte in den kommenden Jahren zwar kleiner werden, aber voraussichtlich nicht ganz verschwinden.

Anteil emissionsfreier Busse noch zu niedrig

VDV und Klima-Allianz zufolge fahren derzeit in Deutschland rund 6.000 emissionsfreie Busse im Nahverkehr. Das entspricht etwa zwölf Prozent der gesamten Linienbusflotte. Immerhin war im vergangenen Jahr fast jeder zweite neu angeschaffte Linienbus elektrisch unterwegs. Nach EU-Vorgaben muss dieser Anteil bis 2030 jedoch auf mindestens 65 Prozent steigen.

Große regionale Unterschiede

Auch die Deutsche Umwelthilfe (DUH) sieht beim Umbau der Flotten ein sehr uneinheitliches Bild. Einer aktuellen Auswertung zufolge bestehen die Busflotten in den 39 größten deutschen Städten noch zu rund 70 Prozent aus reinen Dieselbussen. Werden sogenannte Mildhybride mitgezählt, bei denen ein Elektromotor den Verbrenner unterstützt, steigt der Anteil sogar auf 77 Prozent.

Gleichzeitig gibt es Städte, die beim Einsatz batterieelektrischer Busse bereits deutlich weiter sind. Besonders weit vorne liegen laut DUH drei Städte aus Baden-Württemberg: Mannheim führt mit einem batterieelektrischen Anteil von 60,6 Prozent, gefolgt von Freiburg mit 51,7 Prozent und Karlsruhe mit 51,6 Prozent.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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