Wirtschaft

Warum der Nahost-Krieg Chemie-Riesen freut

Krise der Konkurrenz, Hamsterkäufe, Rekordplus: Warum die deutsche Chemie plötzlich profitiert – und trotzdem Alarm schlägt.

03.09.2026, 08:30 Uhr

Chemie- und Pharmabranche legt im zweiten Quartal zu

Die deutsche Chemie- und Pharmaindustrie hat im Zuge des Nahostkonflikts vorübergehend Rückenwind bekommen. Nach Angaben des Branchenverbands VCI kletterte der Umsatz im zweiten Quartal erstmals seit drei Jahren wieder deutlich – um 7,3 Prozent.

Ausschlaggebend dafür waren eine etwas höhere Produktion, die gegenüber dem Vorquartal um 2,4 Prozent zunahm, sowie steigende Preise von 5,7 Prozent. Der Verband führt dies vor allem auf kriegsbedingte Störungen in den Lieferketten von Wettbewerbern aus Asien und dem Nahen Osten zurück. Diese seien stärker auf Transporte durch die Straße von Hormus angewiesen als europäische Anbieter. Hinzu komme, dass viele Kunden wegen des Iran-Kriegs ihre Lagerbestände aufgestockt hätten.

Verband warnt vor dauerhafter Entwarnung

Trotz der besseren Zahlen spricht der VCI lediglich von einer kurzen Erholung. Die Produktionsanlagen seien mit 73,2 Prozent weiterhin nur unterdurchschnittlich ausgelastet. Zudem seien Bestellungen und Umsätze bereits im Juni wieder gesunken. VCI-Präsident Markus Steilemann betonte, Vorratskäufe und geopolitische Sonderfaktoren bedeuteten keine echte Trendwende. Die grundlegenden Probleme bestünden weiter, und die deutsche Industrie brauche dringend einen klaren Kurs für mehr Wettbewerbsfähigkeit.

Ausblick bleibt schwach

Für das Gesamtjahr hat der Verband seine Prognose bereits vor einigen Wochen nach unten korrigiert. Statt einer zunächst erwarteten Stagnation rechnet der VCI nun mit einem Produktionsrückgang von 1,5 Prozent. Die höheren Erzeugerpreise dürften immerhin dazu beitragen, dass der Branchenumsatz im Gesamtjahr um 2,5 Prozent wächst. Gleichzeitig dürften die schwache Auslastung, anhaltend hoher Kostendruck und die verhaltene Industriekonjunktur das Geschäft in der zweiten Jahreshälfte weiter belasten.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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