Wirtschaft

Werbepreise unfair? Jetzt droht Amazon Ärger in den USA

Milliarden mit Werbung: Hat Amazon bei Anzeigen heimlich abkassiert? US-Wettbewerbshüter erheben schwere Vorwürfe.

01.09.2026, 00:35 Uhr

Die US-Wettbewerbs- und Verbraucherschutzbehörde FTC geht gemeinsam mit mehreren Bundesstaaten juristisch gegen Amazon vor. Der Vorwurf: Der Konzern soll über einen Zeitraum von sieben Jahren die Preise bei Auktionen für Werbeplätze heimlich nach oben getrieben haben. Nach Angaben der Behörde könnte Amazon damit wahrscheinlich Einnahmen in zweistelliger Milliardenhöhe erzielt haben. An der Klage beteiligen sich die Generalstaatsanwälte von 22 Bundesstaaten.

FTC-Chef Andrew Ferguson erklärte, die zusätzlichen Kosten seien größtenteils an Verbraucherinnen und Verbraucher in den USA weitergegeben worden. Wenn ein Unternehmen von Amazons Größe unlautere Methoden anwende, könne das weitreichende und schwerwiegende Folgen haben. An der Börse reagierten Anleger negativ: Die Amazon-Aktie lag am Montag rund 2,5 Prozent im Minus. Eine Anfrage zu den Vorwürfen ließ Amazon zunächst unbeantwortet.

Vorwurf: Amazon wollte die Werbeeinnahmen steigern

Unternehmen können bei Amazon dafür zahlen, dass ihre Anzeigen in bestimmten Suchergebnissen erscheinen. Wer einen Werbeplatz erhält, wird üblicherweise in einem Auktionsverfahren bestimmt.

Nach Darstellung der FTC funktioniert das System eigentlich so, dass der Höchstbietende nicht den vollen Gebotspreis zahlen muss, sondern nur einen Cent mehr als der Zweitplatzierte. Bietet also ein Unternehmen 200 Dollar und ein anderes 190 Dollar, würde der Zuschlag normalerweise 190,01 Dollar kosten.

Genau davon soll Amazon bei Produktanzeigen jedoch häufig abgewichen sein. In nahezu vier von fünf Fällen habe der Konzern stattdessen den kompletten Betrag des höchsten Gebots verlangt. Die FTC wirft Amazon daher vor, gegen die eigenen Auktionsregeln verstoßen zu haben.

Als Beleg verweist die Behörde auf interne Unterlagen, in denen von einem „versteckten Aufschlag“ die Rede sei. Außerdem soll Amazon die Preise zusätzlich mit fiktiven Auktionsteilnehmern künstlich in die Höhe getrieben haben. Der Klage zufolge änderte das Unternehmen das Verfahren heimlich, weil es mit den bisherigen Erlösen aus den Werbeauktionen unzufrieden gewesen sei.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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