Unterbrochene Getreidetransporte, wetterbedingte Risiken für die Ernten sowie hohe Kosten für Treibstoff und Dünger dürften Lebensmittel im kommenden Jahr weiter verteuern. Laut dem Rohstoffausblick der Weltbank werden Nahrungsmittelpreise nach einem erwarteten Anstieg von rund zehn Prozent in diesem Jahr 2027 nochmals um etwa sieben Prozent zulegen.
Noch kräftiger dürften der Weltbank zufolge die Energiepreise in diesem Jahr steigen: Hier wird ein Plus von fast einem Drittel im Vergleich zum Vorjahr erwartet. Als Hauptgrund nennt der Bericht den Krieg der USA gegen den Iran, durch den der Rohstoffhandel über die Straße von Hormus zeitweise fast zum Stillstand gekommen sei. Auch Monate nach Beginn des Konflikts liege der Transport durch die Meerenge weiterhin deutlich unter dem Niveau vor dem Krieg. Für 2027 rechnen die Fachleute allerdings mit nachlassenden Energiepreisen.
Insgesamt geht die Weltbank davon aus, dass die Rohstoffpreise im laufenden Jahr um 23 Prozent steigen. Für 2027 wird dann wieder ein Rückgang erwartet.
Warnung vor Nahrungsmittelkrise
Die Vorhersagen stünden unter der Annahme, dass sich bestehende Konflikte nicht deutlich verschärfen und die weltweiten Lieferketten für Rohstoffe nicht zusätzlich belastet werden, hieß es. Vor allem bei einer Eskalation des Kriegs mit dem Iran oder anhaltenden Schäden an der russischen Ölinfrastruktur könnten die Energiepreise noch stärker steigen.
Zugleich warnt die Weltbank, dass unerwartet hohe Energiepreise oder stärkere Folgen des Wetterphänomens El Niño eine globale Nahrungsmittelkrise auslösen könnten. Eine solche Entwicklung könnte – ähnlich wie zu Beginn der 2010er-Jahre – noch mehr Menschen in extreme Armut stürzen. Als extrem arm gelten nach Definition der Weltbank Menschen, die von weniger als drei US-Dollar pro Tag leben. Derzeit seien davon weltweit rund 811 Millionen Menschen betroffen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber