Braun kritisiert Dauer von Untersuchungshaft und Verfahren
Der frühere Wirecard-Vorstandschef Markus Braun, der sich wegen Betrugsvorwürfen vor Gericht verantworten muss, hat die lange Dauer seiner Untersuchungshaft scharf kritisiert. In einem Interview mit dem "Spiegel" sagte er, sechs Jahre U-Haft seien aus seiner Sicht in keiner Weise angemessen. Für Fälle, die keine schweren Gewalttaten betreffen, brauche es seiner Meinung nach eine klare Obergrenze — etwa von höchstens einem Jahr.
Auch die Länge von Gerichtsverfahren sollte nach Brauns Auffassung begrenzt werden. Als Beispiel nannte der Ex-Manager eine Dauer von 50 Verhandlungstagen. Der Wirecard-Prozess liegt inzwischen allerdings bei einem Vielfachen davon. Dazu trugen auch zahlreiche Anträge der Verteidigung bei.
Braun verteidigt Beweisanträge
Die vielen Anträge seiner Anwälte hält Braun dennoch für notwendig. Er argumentierte, neue Beweisanträge wären nicht erforderlich, wenn genügend Beweise vorlägen. Gemeinsam mit seiner Verteidigung arbeite er auf einen Freispruch hin.
Zugleich äußerte sich Braun skeptisch, was einen solchen Ausgang betrifft. Es sei "völlig vermessen", mit einem Freispruch zu rechnen, sagte er. Wer seit sechs Jahren in Untersuchungshaft sitze, könne kaum annehmen, dass das Gericht einen Freispruch überhaupt in Betracht ziehe.
Prozess läuft seit Jahren
Braun befindet sich seit dem Sommer 2020 in Untersuchungshaft. Kurz zuvor war der damalige Dax-Konzern Wirecard zusammengebrochen, nachdem angebliche Guthaben in Höhe von 1,7 Milliarden Euro in der Bilanz nicht nachgewiesen werden konnten. Nach Darstellung der Anklage sollen Braun und weitere Beteiligte über Jahre Umsätze erfunden haben, um Banken zu täuschen, die dem Unternehmen Kredite gewährten. Den entstandenen Schaden beziffert die Staatsanwaltschaft auf rund drei Milliarden Euro.
Braun weist die Vorwürfe seit Beginn des Verfahrens zurück. Der Prozess dauert mittlerweile etwa vier Jahre an, steuert jedoch auf seinen Abschluss zu.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber