Handelsgastronomie in Deutschland wächst kräftig
Ob Hähnchenschenkel aus dem Supermarkt, Hotdogs im Möbelhaus oder Currywurst mit Pommes vor dem Baumarkt: Solche Angebote werden bei vielen Kunden zunehmend beliebter – auch, weil sie oft günstiger sind als ein klassischer Restaurantbesuch. Laut einer Studie des Handelsforschungsinstituts EHI verzeichnet die Handelsgastronomie in Deutschland weiterhin Rekordwerte.
Im Jahr 2025 erzielten Händler hierzulande demnach rund 13,3 Milliarden Euro Umsatz. Das entspricht einem Anstieg von 7,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr und markiert zugleich einen Höchststand. Seit 2019 legten die Erlöse um nahezu ein Drittel zu. Nach Einschätzung des EHI ist das vor allem auf mehr Kundschaft sowie höhere Preise zurückzuführen. Für 2026 rechnet das Institut mit weiterem Wachstum. Grundlage der Untersuchung ist eine Befragung von 29 Handelsunternehmen mit knapp 6.100 Standorten, deren Ergebnisse auf die gesamte Branche übertragen wurden.
Zur Handelsgastronomie zählen fertig zubereitete Speisen, Snacks und Getränke, die im Umfeld des Einzelhandels angeboten werden. Dazu gehören unter anderem Bäckereien, Cafés, Imbisse, heiße Theken, Restaurants und Delis in Supermärkten, Einkaufszentren, Tankstellen sowie Möbel- und Baumärkten.
Diese Speisen verkaufen sich besonders gut
Laut EHI gehören Frikadellen, Currywurst, belegte Brötchen und Schnitzel zu den meistverkauften Produkten. Besonders wichtig ist dabei das Mittagsgeschäft. Die meisten Speisen werden zum Mitnehmen angeboten. Mehr als drei Viertel der Händler betreiben ihre Gastronomieangebote in Eigenregie.

Ikea setzt neben seinen Restaurants weiterhin stark auf Hotdogs in der Kassenzone. Nach Unternehmensangaben wurden in den vergangenen zwölf Monaten in den deutschen Filialen rund 20 Millionen Stück zubereitet und verkauft. Auch Supermärkte bauen ihre Angebote aus – etwa mit Salatbars, asiatischen Imbissen oder warmen Speisen zur Selbstbedienung. Rewe etwa bietet in inzwischen 100 Märkten entsprechende Theken an. Andere Händler arbeiten mit Foodtrucks, vereinzelt werden auch Kochroboter getestet.
Globus verkauft an seinen heißen Theken Fleischkäsebrötchen für einen Euro und kommt nach eigenen Angaben auf rund 30 Millionen Stück pro Jahr. Seit dem Ende der Corona-Pandemie beobachte das Unternehmen ein deutliches Wachstum in diesem Bereich, sagte Gastronomieleiter Michael Christmann. In den 57 Restaurants der Kette würden inzwischen täglich rund 60.000 Mittagessen verkauft.
Preisvorteil als wichtiger Treiber
Nach Einschätzung des EHI profitiert die Branche von einem sogenannten Trading-Down-Effekt. Wegen der starken Preissteigerungen der vergangenen Jahre – auch in der klassischen Gastronomie – weichen viele Verbraucher auf günstigere Alternativen aus. Gerade hier habe die Handelsgastronomie einen spürbaren Vorteil, erklärt Studienautorin Paulina Ullrich.
Zahlen des Marktforschungsunternehmens YouGov stützen diese Entwicklung. Im ersten Halbjahr 2026 zahlten Kunden für Steak- und Fleischgerichte in der Handelsgastronomie durchschnittlich 9,17 Euro. Im übrigen Außer-Haus-Markt, also etwa in Restaurants, lag der Durchschnittspreis dagegen bei 13,16 Euro. Bei Pasta betrugen die Preise 5,87 Euro gegenüber 10,60 Euro. Auch bei anderen Hauptgerichten zeigten sich deutliche Unterschiede.
Klassische Gastronomie bleibt unter Druck
Restaurants, Kneipen und Cafés kämpfen derweil weiter mit schwierigen Rahmenbedingungen. Nach Angaben des Branchenverbands Dehoga lag der Umsatz im ersten Halbjahr zwar fast 15 Prozent über dem Niveau von 2019. Preisbereinigt fiel das Ergebnis jedoch deutlich schwächer aus: Real lagen die Erlöse mehr als 23 Prozent unter dem Vorkrisenniveau.
Viele Menschen verzichten auf Restaurantbesuche
YouGov-Marktforscher Sebastian Walter beobachtet, dass Verbraucher inzwischen genauer überlegen, wofür sie ihr Geld ausgeben. Ein Restaurantbesuch werde dabei häufiger infrage gestellt. Laut einer repräsentativen YouGov-Umfrage vom März halten 72 Prozent der Verbraucher Essen im Restaurant für zu teuer. 38 Prozent gaben an, zu Jahresbeginn seltener auswärts gegessen zu haben als im Vorjahr.
Aus Sicht von Walter bietet die Handelsgastronomie deshalb eine attraktive Alternative – besonders für Menschen, die sich einen klassischen Restaurantbesuch nicht regelmäßig leisten können.
Dass die Nachfrage steigt, hängt laut EHI außerdem damit zusammen, dass viele Händler ihr gastronomisches Angebot in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut haben. Ziel ist nicht nur, mehr Kunden in die Läden zu holen und sie an das Unternehmen zu binden, sondern auch, ihre Aufenthaltsdauer im Geschäft zu verlängern.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber