Bayern

Hollywood flippt aus: Bayern-Kulisse, St. Sebald stiehlt alles

England auf der Leinwand, Bayern am Set: Wie Andrew Garfields neuer Film heimlich Hollywood nach Franken brachte.

09.09.2026, 04:00 Uhr

Nürnbergs Altstadt wird im Kino zu England

Die Nürnberger Altstadt spielt im Historienfilm „The Uprising – Für die Freiheit“ eine zentrale Rolle – auch wenn sie auf der Leinwand nicht als Nürnberg zu erkennen ist. Die Geschichte ist in England angesiedelt, gedreht wurde jedoch vor rund einem Jahr komplett in Bayern: vor allem in Nürnberg und in den Penzing Studios bei München, außerdem in Bad Windsheim und Lichtenau. Regisseur Paul Greengrass, Hauptdarsteller Andrew Garfield und viele Beteiligte erinnern sich noch immer begeistert an die Dreharbeiten, obwohl diese an den Schauplätzen teils tagelang für Ausnahmezustand sorgten.

Nach Angaben von Berlind Bernemann, Filmbeauftragte der Stadt Nürnberg, war anfangs nur geplant, eine Kirche für höchstens zwei Drehtage zu nutzen. Am Ende wurden daraus zwölf Drehtage an mehreren Orten in der Altstadt. Besonders oft ist St. Sebald, Nürnbergs älteste Pfarrkirche, im Film zu sehen. Pfarrer Martin Brons sagte, Greengrass sei regelrecht „schockverliebt“ in die Sebalduskirche gewesen. Je nach Szene diente sie als Kathedrale von Canterbury, als Schloss Windsor, als Schlafgemach des Königs oder als Schreibstube.

Team wusste, wo jede einzelne Kerze hingehört

Für die Aufnahmen wurden Kirchenbänke und weiteres Inventar zeitweise ausgeräumt, erinnerte sich Brons. Das Filmteam habe dabei äußerst professionell gearbeitet. Jeder habe genau gewusst, wo selbst einzelne Kerzen hingehörten, sodass nach langen Drehtagen bis in den Abend hinein am nächsten Morgen alles wieder rechtzeitig für den Gottesdienst an seinem Platz gewesen sei.

Produzent Philipp Kreuzer betonte, dass an den historischen Räumen nichts umgebaut worden sei. Wo größere Räume nötig gewesen seien, habe man diese digital erweitert – immer auf Grundlage dessen, was tatsächlich vor der Kamera gestanden habe.

Pfarrer Brons ist in einer kurzen Szene sogar selbst als Statist zu sehen. Die Aufnahme dieser kleinen Sequenz habe sich über mehrere Stunden an zwei Tagen hingezogen. Für ihn zeigt das, wie groß und aufwendig eine solche Produktion ist.

Tausende Komparsen und ein Dorf wie in England

Laut dem FilmFernsehFonds Bayern waren insgesamt rund 5.000 Komparsen beteiligt, verteilt auf 50 Drehtage. Ein Teil davon fand im Fränkischen Freilandmuseum in Bad Windsheim statt. Dort wurden die historischen Gebäude mit rund 200 Darstellerinnen und Darstellern in englische Bauerndörfer verwandelt.

Museumssprecherin Lisa Baluschek sagte, bei einer Produktion dieser Größe sei man zunächst natürlich vorsichtig. Letztlich sei aber alles sehr gesittet und geordnet abgelaufen. Das Team habe Rücksicht auf Wünsche und Bedenken genommen, der Umgang sei sehr wertschätzend gewesen.

Einer der Komparsen war René Ohnemüller, der im Freilandmuseum einen aufständischen Bauern verkörperte. Zur Preview wenige Tage vor dem Kinostart am Donnerstag erschien er sogar in einem dem Film nachempfundenen Kostüm – mit schmutzigem Gesicht und strähnigem Haar. Er sprach von einem einmaligen Erlebnis und lobte besonders den herzlichen und respektvollen Umgang am Set.

Für Garfield war es eine tolle Zeit

Auch Hauptdarsteller Andrew Garfield äußerte sich sehr positiv über die Zeit in Deutschland. In einem Interview mit dem US-Branchenmagazin „Deadline“ sagte der 43-Jährige, der Dreh in Bayern sei wunderbar gewesen. Man habe dort gemeinsam mit einem starken deutschen Team und einigen Kräften aus Budapest eine großartige Zeit erlebt.

Bei der Preview in Nürnberg meldeten sich Garfield und Regisseur Greengrass mit einer Grußbotschaft aus den USA. Garfield bedankte sich darin besonders bei den Nebendarstellern, die jeden Tag viel Herzblut und Talent gezeigt hätten. Mit einem Augenzwinkern spielte er darauf an, dass viele Komparsen im Film stark verschmutzt wirken und in Kampfszenen im Schlamm landen: Er hoffe, sie hätten sich inzwischen wieder sauber machen können und müssten eine Weile keinen Schlamm mehr sehen.

Warum nicht in England gedreht wurde

Produzent Kreuzer erklärte, man hätte den Film grundsätzlich auch in England drehen können. Dort wäre die Umsetzung aber komplizierter gewesen. Eine so hohe Dichte an erhaltener mittelalterlicher Bausubstanz sei selbst dort kaum noch zu finden.

Auch die Außenaufnahmen mit Pferden, Märschen und Kampfszenen auf weiten Wiesen seien tatsächlich real gedreht worden. Nur bei einem Detail half die Technik nach: den Bäumen. Kreuzer erklärte mit einem Lächeln, die deutschen Bäume wirkten etwas zu dünn – deshalb seien sie digital ergänzt beziehungsweise „gebaut“ worden.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen