Wirtschaft

Klimakrise frisst Ernte: Wer findet die Super-Kartoffel?

Hitze, neue Schädlinge, erste Ernteverluste: Steckt die Kartoffel in der Krise? Züchter suchen fieberhaft Lösungen.

09.09.2026, 04:30 Uhr

Mehr Hitzewellen und die Ausbreitung der Schilf-Glasflügelzikade aus südlicheren, wärmeren Regionen setzen den Kartoffelanbau zunehmend unter Druck. Für Züchter wächst damit die Aufgabe, Sorten zu entwickeln, die Wetterextreme besser verkraften. Jörg Renatus, Geschäftsführer der Europlant Pflanzenzucht GmbH in Lüneburg, betont, dass der Klimawandel die Branche dauerhaft beschäftige.

Besonders gefragt seien Kartoffeln, die Trockenheit und Stress standhalten. Bis eine neue Sorte marktreif ist, vergehen meist rund zehn Jahre. Mit der Sorte Jelly sei bereits eine vorwiegend festkochende Kartoffel verfügbar, die hohe Temperaturen vergleichsweise gut vertrage. Nach Einschätzung von Renatus reicht das jedoch nicht aus. Auch Glorietta, Belana und Regina zählen zu neueren Sorten, die unter anderem mit dünnerer Schale und verbesserten Lagereigenschaften punkten.

Große Sorgen bereitet der Branche die Schilf-Glasflügelzikade. Das Insekt überträgt Krankheiten wie Stolbur und das sogenannte Syndrom des niedrigen Zuckergehalts (SBR). In der Pfalz habe der Schädling bereits massive Schäden verursacht: Die Kartoffeln würden weich und verlören deutlich an Qualität. Betroffen seien nicht nur Kartoffeln, sondern auch Zwiebeln und Zuckerrüben. Niedersachsen und Schleswig-Holstein seien bislang noch weitgehend verschont geblieben. Dass sich der Schädling weiter nach Norden ausbreitet, zeige laut Renatus, wie wichtig die Pflanzenzüchtung inzwischen geworden ist.

Kartoffelbranche zeigt Innovationen auf der „PotatoEurope 2026“

Diese Entwicklungen stehen auch im Mittelpunkt der Fachmesse „PotatoEurope 2026“ in Springe bei Hannover. Dort geht es unter anderem um den Umgang mit der Schilf-Glasflügelzikade, um den verringerten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sowie um wirtschaftlich tragfähige Anbausysteme. Bis Donnerstag werden außerdem aktuelle Versuchsergebnisse und praxisorientierte Lösungen für den Kartoffel- und Zuckerrübenanbau vorgestellt.

Klimaherausforderungen für Kartoffelzüchter
Zunehmende Hitze, Blattläuse und neue Insekten stellen Kartoffelzüchter vor vielfältige Probleme. Quelle: Philipp Schulze/dpa

Die „PotatoEurope“ gehört zu den bedeutendsten Fachtreffen des europäischen Kartoffelsektors. Erstmals wird sie gemeinsam mit der „SugarBeet“ Expo veranstaltet, die den professionellen Zuckerrübenanbau in den Mittelpunkt rückt.

Ein zentrales Thema ist dabei erneut die Schilf-Glasflügelzikade. Der Schädling wurde bereits auf niedersächsischen Flächen nahe der Grenze zu Sachsen-Anhalt nachgewiesen. Die daraus entstehenden Einbußen bei Ertrag und Qualität bringen viele landwirtschaftliche Betriebe wirtschaftlich unter Druck.

Darüber hinaus werden verschiedene Herbizidkonzepte präsentiert, darunter auch Ansätze, die chemische und mechanische Verfahren kombinieren. Sowohl bei Kartoffeln als auch bei Zuckerrüben soll gezeigt werden, wie robuste und weniger krankheitsanfällige Sorten helfen können, den Bedarf an Pflanzenschutzmitteln zu senken.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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