Bayern

Hat Bayern keinen Plan gegen Ewigkeitschemikalien?

Unsichtbare Giftstoffe aus Jacken, Pfannen & Kosmetik belasten Bayern – jetzt wächst der Druck auf die Regierung.

09.09.2026, 04:00 Uhr

Opposition fordert PFAS-Strategie für Bayern

SPD und Grüne im bayerischen Landtag werfen der Staatsregierung beim Umgang mit den sogenannten Ewigkeitschemikalien PFAS fehlende Klarheit vor. Weil immer mehr Kommunen von Belastungen betroffen seien, drängt die SPD-Fraktion mit einer Reihe parlamentarischer Anträge auf ein verbindliches Vorgehen des Freistaats. Gefordert werden klare Regeln, mehr Hilfe für Städte und Gemeinden sowie ein schlüssiges Konzept für Sanierung und Entsorgung.

Die umweltpolitische Sprecherin der SPD, Anna Rasehorn, bezeichnete PFAS als massives Umweltproblem, das bei weiterem Zögern immer größer und teurer werde. Es brauche endlich einen belastbaren Plan für den Umgang mit den gefährlichen Stoffen. Kommunen dürften mit den Folgen nicht länger allein gelassen werden, belastete Böden müssten saniert und betroffene Orte finanziell unterstützt werden.

SPD-Landeschef Sebastian Roloff verwies darauf, dass Bayern zwar die Sanierung vor Ort organisieren könne, zentrale Regeln aber auf EU- und Bundesebene entschieden würden. Dort brauche es aus seiner Sicht eine PFAS-Regulierung mit Augenmaß: Verbote dort, wo Alternativen vorhanden seien, und verlässliche Übergangsfristen in Bereichen, in denen Ersatzstoffe noch fehlten. Zugleich müsse verhindert werden, dass Chemieproduktion aus Europa abwandere und neue Importabhängigkeiten von Asien entstünden.

Grüne kritisieren fehlenden Überblick

Auch die Grünen sehen große Defizite. Laura Weber, Sprecherin ihrer Fraktion für Verbraucherschutz, kritisierte, die Staatsregierung wisse nicht einmal genau, welche PFAS-haltigen Pflanzenschutzmittel tatsächlich auf Bayerns Feldern eingesetzt würden. Unklar sei außerdem, welchen Anteil die Landwirtschaft an den Einträgen habe und wie hoch die Kosten für die Beseitigung alter Belastungen seien. Besonders problematisch sei, dass es im Freistaat derzeit keine belastbaren Daten zur tatsächlichen PFAS-Belastung gebe.

Umweltministerium weist Kritik zurück

Das bayerische Umweltministerium wies die Vorwürfe der Opposition zurück. Eine Sprecherin erklärte, die Staatsregierung nehme das Thema PFAS sowie die Sorgen von Bürgern und Verantwortlichen sehr ernst. Bereits seit 2006 würden in Bayern PFAS-Untersuchungen durchgeführt, und jedem Verdachtsfall werde vor Ort nachgegangen.

Nach Angaben des Ministeriums wurde zudem 2019 als erstes Bundesland eine strategische Koordinierungsstelle für PFAS im Umweltministerium eingerichtet. Außerdem erscheint demnach alle zwei Jahre ein Bericht über bekannte und vermutete PFAS-Hotspots, der auch den Stand der Altlastenbearbeitung aufführt. Die jüngste Erfassung stammt aus dem Jahr 2024.

Mit Blick auf teils hohe Belastungen im Umfeld von Militärliegenschaften des Bundes betonte das Ministerium außerdem, Bayern habe den Bund in mehreren Schreiben als verantwortlichen Verursacher zu einer zügigen Schadensbeseitigung aufgefordert, um betroffene Kommunen zu unterstützen.

PFAS stecken in zahlreichen Alltagsprodukten

Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen, kurz PFAS, kommen in vielen Alltagsprodukten vor – etwa in Outdoorjacken, beschichteten Pfannen, Zahnseide oder Verpackungen. Wegen ihrer wasser- und fettabweisenden Eigenschaften werden sie außerdem in Feuerlöschschäumen und in der Chipindustrie eingesetzt.

Gelangen die Stoffe in die Umwelt, werden sie kaum abgebaut. Stattdessen reichern sie sich in Böden sowie in Grund- und Oberflächengewässern an. Menschen können PFAS über Lebensmittel, Trinkwasser oder die Luft aufnehmen. Für einzelne Stoffe gibt es Hinweise auf gesundheitliche Risiken.

Zahlreiche Regionen im Freistaat bereits betroffen

In Bayern gelten inzwischen mehrere Regionen als stark belastet, darunter Altötting, Manching, Grafenwöhr, Burgkirchen und Friedberg. In besonders betroffenen Gebieten wurden teils extrem hohe PFAS-Konzentrationen in Böden und im Grundwasser festgestellt.

Nach Darstellung der SPD lassen sich PFAS inzwischen aber nicht mehr nur in der Nähe bekannter Quellen wie Industrieanlagen, Flughäfen oder Brandübungsplätzen nachweisen, sondern praktisch überall in der Umwelt.

Fischereiverband warnt vor Folgen für Gewässer

Seit Jahren mahnt auch der Landesfischereiverband Bayern vor den Konsequenzen der PFAS-Belastung. Sollten für belastete Fische Verzehrwarnungen ausgesprochen werden, könnte dies nach Einschätzung des Verbands zu einem ernsten Problem für die Fischerei im Freistaat werden.

Johannes Schnell vom Landesfischereiverband betonte, es brauche Strategien, um Gewässer besser vor Schadstoffen wie PFAS zu schützen. Gleichzeitig seien Maßnahmen nötig, damit in belasteten Regionen eine weitere Bewirtschaftung überhaupt möglich bleibe.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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