Opposition fordert PFAS-Strategie für Bayern
SPD und Grüne im bayerischen Landtag werfen der Staatsregierung vor, beim Umgang mit den sogenannten Ewigkeitschemikalien PFAS ohne klare Linie zu handeln. Weil immer mehr Kommunen von Belastungen betroffen seien, drängt die SPD-Fraktion mit mehreren parlamentarischen Initiativen auf ein verbindliches Vorgehen des Freistaats. Gefordert werden eindeutige Vorgaben, stärkere Hilfe für Städte und Gemeinden sowie ein schlüssiges Konzept für Sanierung und Entsorgung.
Die umweltpolitische Sprecherin der SPD, Anna Rasehorn, bezeichnete PFAS als gravierendes Umweltproblem, das bei weiterem Zögern sowohl größer als auch teurer werde. Nötig sei endlich ein belastbarer Fahrplan für den Umgang mit den gefährlichen Stoffen. Kommunen dürften mit den Folgen nicht länger alleine bleiben, zudem müssten kontaminierte Böden saniert und die betroffenen Orte finanziell unterstützt werden.
SPD-Landeschef Sebastian Roloff verwies darauf, dass Bayern zwar die Sanierung im Land organisieren könne, zentrale Regeln aber auf EU- und Bundesebene entschieden würden. Dort brauche es aus seiner Sicht eine ausgewogene PFAS-Regulierung: Verbote dort, wo Ersatzstoffe vorhanden seien, und Übergangsfristen in Bereichen, in denen Alternativen noch fehlten. Zugleich müsse verhindert werden, dass die Chemieproduktion aus Europa abwandere und Abhängigkeiten von Importen aus Asien entstünden.
Grüne bemängeln fehlende Daten
Auch die Grünen sehen erhebliche Defizite. Laura Weber, Sprecherin ihrer Fraktion für Verbraucherschutz, kritisierte, die Staatsregierung habe bislang keinen ausreichenden Überblick über das Problem. So sei etwa unklar, welche PFAS-haltigen Pflanzenschutzmittel tatsächlich auf Bayerns Äckern eingesetzt würden, welchen Anteil die Landwirtschaft an den Einträgen habe und in welcher Größenordnung die Kosten für die Beseitigung alter Belastungen lägen. Besonders problematisch sei, dass es im Freistaat derzeit keine verlässlichen Daten zur tatsächlichen PFAS-Belastung gebe.
PFAS stecken in zahlreichen Alltagsprodukten
Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen, kurz PFAS, kommen in vielen Alltagsprodukten vor – etwa in Outdoorbekleidung, beschichteten Pfannen, Zahnseide oder Verpackungen. Wegen ihrer wasser-, fett- und schmutzabweisenden Eigenschaften werden sie außerdem in Löschschäumen und in der Halbleiterindustrie eingesetzt. Gelangen sie in die Umwelt, bleiben sie dort über sehr lange Zeit, da sie kaum abgebaut werden. Stattdessen sammeln sie sich in Böden sowie in Grund- und Oberflächengewässern an. Menschen können PFAS über Nahrung, Trinkwasser oder die Atemluft aufnehmen. Bei einzelnen Stoffen gibt es Hinweise auf gesundheitliche Risiken.
Zahlreiche Regionen im Freistaat bereits betroffen
In Bayern gelten inzwischen mehrere Regionen als stark belastet, darunter Altötting, Manching, Grafenwöhr, Burgkirchen und Friedberg. In besonders betroffenen Gebieten wurden teils sehr hohe Konzentrationen in Böden und im Grundwasser festgestellt. Nach Darstellung der SPD lassen sich PFAS inzwischen jedoch nicht mehr nur in der Nähe bekannter Quellen wie Industrieanlagen, Flughäfen oder Brandübungsplätzen nachweisen, sondern praktisch flächendeckend in der Umwelt.
Fischereiverband warnt vor Folgen für Gewässer
Seit Jahren mahnt auch der Landesfischereiverband Bayern vor den Konsequenzen der PFAS-Belastung. Sollten für belastete Fische Verzehrwarnungen ausgesprochen werden, könnte dies nach Einschätzung des Verbands zu einem ernsten Problem für die Fischerei im Freistaat werden. Johannes Schnell vom Landesfischereiverband betonte, es brauche Konzepte, um Gewässer besser vor Schadstoffen wie PFAS zu schützen. Gleichzeitig seien Maßnahmen erforderlich, damit in belasteten Regionen eine weitere Bewirtschaftung überhaupt möglich bleibe.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber