Wirtschaft

VW in der Krise? Was jetzt ans Licht kommt

VW vor dem Knall? Blume nennt die Lage dramatisch, verschärft den Sparkurs – und Zehntausende Jobs wackeln.

24.08.2026, 04:30 Uhr

Bei Volkswagen stehen in den nächsten Tagen gleich neun außerordentliche Betriebsversammlungen an. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie es mit dem Konzern und mehreren deutschen Standorten weitergeht. Das Management will die Ausgaben deutlich senken und die Wettbewerbsfähigkeit stärken. Beschäftigte, Gewerkschaften und Politiker sorgen sich derweil um viele Tausend Jobs sowie um Werke wie Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm.

Warum die Lage bei VW so angespannt ist

Volkswagen sieht sich mit hohen Kosten und einem schwierigen Marktumfeld konfrontiert. Konzernchef Oliver Blume bezeichnete die Situation in einem im Unternehmensintranet veröffentlichten Interview als äußerst ernst. Nach seiner Einschätzung erwirtschaftet VW derzeit nicht genug Gewinn, um die anstehenden Zukunftsinvestitionen aus eigener Kraft zu stemmen. Die bislang umgesetzten Sparmaßnahmen seien dafür nicht ausreichend.

Blume sprach zudem von zu großen Strukturen, die den Konzern oft langsam und kompliziert machten. Zugleich verwies er darauf, dass nicht nur Volkswagen unter Druck stehe, sondern die gesamte Autoindustrie. Als Belastungsfaktoren nannte er unter anderem US-Zölle, die Schwäche des chinesischen Marktes mit starkem Preisdruck, geopolitische Spannungen etwa im Persischen Golf, den härter werdenden Wettbewerb in Europa sowie umfangreiche regulatorische Vorgaben.

Bereits im Frühjahr hatte Blume angekündigt, ein neues strategisches Leitbild für 2030 zu entwickeln und den Sparkurs spürbar zu verschärfen.

Was in den kommenden Tagen passieren soll

Der Betriebsrat wirft der Konzernspitze vor, bisher nur unzureichende Informationen geliefert zu haben. Deshalb sind bis Ende August neun Betriebsversammlungen vorgesehen, bei denen der Vorstand den Beschäftigten Rede und Antwort stehen soll. Geplant sind Termine unter anderem in Hannover, Braunschweig, Salzgitter, Dresden, Chemnitz und Kassel-Baunatal.

Oliver Blume, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG
VW-Chef Oliver Blume sieht weiteren Handlungsbedarf. (Archivbild) Quelle: Johannes Neudecker/dpa

Den Auftakt bildet am Dienstag, 25. August, eine Versammlung in Wolfsburg. Einen Tag später folgen Veranstaltungen in Emden und Zwickau, den Schlusspunkt setzt Hannover am 31. August. In Wolfsburg wollen Oliver Blume und Markenchef Thomas Schäfer gemeinsam zur Belegschaft sprechen. Auch bei den Terminen in Zwickau und Emden treten beide zusammen auf. Gerade diese beiden Werke zählen zu den Standorten, deren Zukunft derzeit besonders kritisch diskutiert wird. Außerdem wird Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies am Montag im VW-Werk Hannover erwartet.

Blume rief die Belegschaft zuletzt zum Zusammenhalt auf. Er betonte, der Konzern habe den größten Umbauplan seiner Geschichte gestartet. Die kommenden Jahre seien entscheidend dafür, wer im Wettbewerb bestehen könne.

Drohen Werksschließungen?

In der Belegschaft ist die Sorge groß. Blume hatte erklärt, dass es für Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm derzeit noch keine wettbewerbsfähige Auslastung für die 2030er-Jahre gebe. Zudem müssten in Europa Überkapazitäten von mehr als 500.000 Fahrzeugen pro Jahr abgebaut werden.

Eine konkrete Entscheidung über Werksschließungen sei jedoch noch nicht gefallen, betonte der Konzernchef. Schließungen seien stets die teuerste und letzte Option. Falls sich trotz aller Bemühungen keine Anschlussproduktion finden lasse, müsse über neue Perspektiven für die betroffenen Standorte nachgedacht werden.

Wie viele Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel?

Wie stark der Stellenabbau am Ende ausfällt, ist bislang offen. Klar ist aber, dass erhebliche Einschnitte im Raum stehen. Blume verwies darauf, dass es seit Ende 2024 eine Verständigung gebe, bei Volkswagen, Audi, Porsche und Cariad bis 2030 in Deutschland rund 50.000 Stellen sozialverträglich abzubauen. Dies solle freiwillig geschehen, vor allem über Altersteilzeit.

Allerdings machte Blume zugleich deutlich, dass diese Größenordnung keine starre Zielmarke sei. Die häufig genannte Zahl ergebe sich aus dem angestrebten Kostenniveau im Vergleich zur Konkurrenz und diene eher als Hinweis darauf, wie groß der Anpassungsbedarf tatsächlich sei.

So reagieren Betriebsrat, IG Metall und Politik

Betriebsrat, IG Metall, die niedersächsische Landesregierung und Oberbürgermeister von VW-Standorten vertreten in dieser Frage weitgehend dieselbe Linie. Sie verlangen vom Vorstand möglichst rasch Klarheit über die Zukunftspläne. Besonders einschneidende Maßnahmen wie Werksschließungen müssten aus ihrer Sicht unbedingt vermieden werden.

Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies forderte, Vorstand und Anteilseigner müssten alles daransetzen, die Industriestandorte in Deutschland und insbesondere in Niedersachsen zu sichern. Wenn an einem Standort keine Autoproduktion mehr möglich sei, müsse Volkswagen andere Wachstumsbereiche prüfen. Lies nannte dabei etwa Rüstung, humanoide Robotik und Drohnentechnik. Auch Modelle, die bislang in China entwickelt und produziert würden, könnten seiner Ansicht nach in Deutschland gebaut werden.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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