Der Batteriehersteller Varta aus Ellwangen hat beim Amtsgericht Stuttgart ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Nach Unternehmensangaben soll damit die wirtschaftliche Zukunft gesichert und der Geschäftsbetrieb nachhaltig fortgeführt werden. Das Amtsgericht bestätigte den Eingang von vier Anträgen, die nun geprüft werden.
Von dem Antrag betroffen sind neben der Varta AG als Konzernmutter auch die operativen Gesellschaften Varta Microbattery GmbH, Varta Micro Production GmbH und Varta Storage GmbH.
Varta betonte zugleich, dass der Schritt nicht wegen einer akuten Zahlungsunfähigkeit im laufenden Geschäftsbetrieb erfolge. Außerdem sei das Geschäft mit Haushaltsbatterien von dem beantragten Insolvenzverfahren nicht betroffen.
Geldgeber sehen keine Gesamtlösung mehr
Hinter dem Schritt steht eine Ad-hoc-Gruppe wichtiger Gläubiger und Finanzierer, zu der unter anderem die Deutsche Bank sowie die Investoren RBC BlueBay, Blantyre und Whitebox gehören. Nach ihrer Einschätzung gibt es inzwischen keine tragfähige Gesamtlösung mehr.
Wie in dieser Woche bekannt wurde, wollen die Geldgeber das Geschäft mit Haushaltsbatterien aus dem Konzern herauslösen und dafür eine neue Eigentümerstruktur schaffen. Ein Sprecher der Gruppe erklärte, trotz intensiver Gespräche mit allen Beteiligten habe niemand zusätzliche Finanzmittel zugesagt.
Bereits zuvor war bekanntgeworden, dass Varta kurzfristig frisches Geld im mittleren zweistelligen Millionenbereich benötigt.
Apple-Aus und schwache Nachfrage belasten das Unternehmen
Als Hauptgründe für die erneute Krise nennt Varta deutlich schlechtere Marktbedingungen, schwächere Nachfrage, negative Wechselkurseffekte und die Entscheidung eines Ankerkunden, die Zusammenarbeit zu beenden. Dabei handelt es sich um Apple.
Der iPhone-Konzern war für Varta lange ein zentraler Abnehmer von Batterien für kabellose Kopfhörer. Schon 2022 zeigte sich, wie stark Varta von diesem Kunden abhängig war. Als Apple zusätzliche Zulieferer einband und später Aufträge wegbrachen, geriet das Geschäft zunehmend unter Druck.
Hinzu kamen die globale Konjunkturflaute, hohe Inflation bei Unterhaltungselektronik, Probleme in den Lieferketten sowie der Konkurrenzdruck aus Asien. Nach Angaben des Unternehmens wurden die finanziellen Spielräume dadurch in den vergangenen Monaten immer enger.
Sanierung reichte nicht aus
Bereits 2024 hatte sich Varta im Rahmen des Restrukturierungsgesetzes StaRUG neu aufgestellt, um eine Insolvenz zu vermeiden. Altaktionäre verloren dabei ihre Beteiligungen, Gläubiger verzichteten auf Teile ihrer Forderungen. Anfang April des vergangenen Jahres erklärte das Unternehmen die Restrukturierung noch für abgeschlossen.
Inzwischen hat sich die Lage jedoch erneut verschlechtert. So soll das Werk im bayerischen Nördlingen mit rund 350 Beschäftigten im Herbst geschlossen werden. Dort produziert Varta noch bis November Knopfbatterien für kabellose Kopfhörer von Apple. Künftig dürften diese wohl aus Asien bezogen werden.
Vom Börsenliebling zum Sanierungsfall
Varta blickt auf eine lange Geschichte zurück. Die Wurzeln des Unternehmens reichen bis 1887 zurück. Der Name Varta steht für „Vertrieb, Aufladung, Reparatur transportabler Akkumulatoren“. In den 1990er Jahren geriet das Unternehmen bereits einmal in eine Krise, wurde aufgespalten und in Teilen verkauft.
Der österreichische Investor Michael Tojner stieg 2007 bei der Mikrobatterie-Sparte ein und brachte sie zehn Jahre später an die Börse. Der Börsengang galt zunächst als Erfolg. Getrieben von der stark steigenden Nachfrage nach Lithium-Ionen-Batterien für Geräte wie kabellose Kopfhörer und Smartwatches wuchs das Unternehmen kräftig.
2019 holte Varta zudem das Geschäft mit Haushaltsbatterien zurück in den Konzern. Der Umsatz vervielfachte sich innerhalb weniger Jahre nahezu. Um das Wachstum zu finanzieren, investierte Varta hohe Summen und nahm Schulden auf. Gleichzeitig stieg das Unternehmen in die Entwicklung von Batteriezellen für E-Autos ein.
E-Auto-Batterie blieb Nischenprodukt
Diese Hoffnungen erfüllten sich jedoch nicht. Die von Varta entwickelte Batterie für den Autobereich blieb ein Nischenprodukt für Hybridfahrzeuge, das nur vergleichsweise wenig Energie speichern kann. Einziger bekannter Kunde war zeitweise Porsche.
Operative Probleme, hohe Schulden und anhaltende Verluste verschärften die Krise weiter. Beschäftigte mussten in Kurzarbeit, später wurden Hunderte Stellen abgebaut. Arbeitnehmer- und Aktionärsvertreter machen vor allem Fehlentscheidungen des Managements für die Entwicklung verantwortlich.
Auch Aufsichtsratschef Michael Tojner äußerte sich zuletzt selbstkritisch. Man habe sich zu viel vorgenommen, mehrere Projekte gleichzeitig gestartet, stark investiert und die Produktion ausgebaut. Rückblickend sei zu viel Geld zu leichtfertig investiert worden.
Tausende Beschäftigte betroffen
Varta beschäftigt nach eigenen Angaben rund 3.260 Menschen, viele davon am Stammsitz in Ellwangen. Zuletzt veröffentlichte der Konzern für 2024 einen Umsatz von rund 793 Millionen Euro und einen Verlust von 64,5 Millionen Euro. Neben Haushaltsbatterien produziert Varta unter anderem Mikrobatterien für Hörgeräte sowie Energiespeicher.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber