Ein 79-jähriger Mann aus Oberbayern hat mit viel schauspielerischem Geschick erneut dazu beigetragen, mutmaßliche Betrüger auffliegen zu lassen. Wie Rentner Bruno Schmaus bei einer Pressekonferenz der Münchner Polizei berichtete, erhielt er am Montag einen Schockanruf von einem Unbekannten, der sich weinend als sein Sohn ausgab.
Kurz darauf übernahm ein angeblicher Polizist das Gespräch. Dieser behauptete, der Sohn habe einen tödlichen Verkehrsunfall verursacht und müsse ins Gefängnis, falls nicht umgehend 80.000 Euro Kaution gezahlt würden.
Schmaus erkannte die Betrugsmasche jedoch sofort. Er spielte die Situation mit und hielt die Anrufer so lange hin, bis die Polizei bei einer vorgetäuschten Geldübergabe in Pullach bei München einen 21 Jahre alten Abholer festnehmen konnte. Schmunzelnd sagte der Senior, er habe bei seinem Auftritt „richtig sauber Vollgas gegeben mit dem Theater“. Dennoch sei der Druck durch die Täter erheblich gewesen.
Markus Nothelfer, stellvertretender Leiter des in München für Callcenter-Betrug zuständigen Kommissariats, betonte, dass ein solches Mitspielen alles andere als einfach sei. Man müsse sehr viel wissen, auf zahlreiche Details achten und dürfe sich nicht verraten, weil die Täter schnell merkten, wenn man sie täuschen wolle.
Weil die professionell agierenden Banden gezielt massiven psychischen Druck aufbauen, rät die Polizei grundsätzlich dazu, sofort aufzulegen und den Vorfall anzuzeigen.
Dank der Hilfe von Schmaus kam es inzwischen zu fünf Festnahmen in vier Fällen. Dabei ging es um zwei Schockanrufe, einen Enkeltrick sowie einen Teppichbetrug, bei dem ihm an der Haustür überteuerte Teppiche verkauft werden sollten. In einem weiteren Fall scheiterte ein Zugriff lediglich daran, dass der Abholer bei einem Enkeltrick die richtige Adresse nicht fand.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber