Wirtschaft

Verband warnt: Im Februar drohen leere Gasspeicher

Reicht das Gas wirklich durch den Winter? Speicher nur mäßig gefüllt – doch diese Alternativen könnten die Lage retten.

08.09.2026, 06:00 Uhr

Verband warnt: Deutschlands Gasspeicher könnten bei strengem Winter schon Anfang Februar leer sein

Nach Einschätzung der Speicherbranche könnten die deutschen Gasspeicher bei einem außergewöhnlich kalten Winter bereits zu Beginn des Februars aufgebraucht sein. Das geht aus einer in Berlin vorgestellten Analyse des Branchenverbands Ines hervor, in der mehrere Wetter- und Verbrauchsszenarien durchgerechnet werden. Grundlage ist die Annahme, dass die Speicher am 1. November zu 77 Prozent gefüllt sein werden.

Fällt der Winter dagegen mild oder durchschnittlich aus, wäre die Versorgung laut den Berechnungen gesichert. Problematisch werde es erst dann, wenn die Temperaturen ähnlich niedrig ausfallen wie im sehr kalten Winter 2010. In diesem Fall würden die vorhandenen Reserven nicht ausreichen, warnt die Initiative Energien Speichern.

Allerdings sind die Gasspeicher nur ein Teil der deutschen Energieversorgung für Haushalte und Industrie. Zusätzliche Mengen könnten über LNG-Terminals an den Küsten beschafft werden, die nach dem russischen Angriff auf die Ukraine aufgebaut wurden. Hinzu kommen Pipeline-Lieferungen, etwa aus Norwegen. Sollte sich also abzeichnen, dass die Speicher kritisch leer werden, könnte Deutschland weiteres Gas auf dem Weltmarkt einkaufen – allerdings zu hohen Kosten.

Speicher aktuell nur etwas mehr als halb voll

Der Füllstand der Gasspeicher ist derzeit vergleichsweise niedrig. Am 6. September lagen die Reserven laut den Angaben bei rund 54 Prozent. Das sind etwa 19 Prozentpunkte weniger als zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr. Bis zum 1. November seien höchstens 77 Prozent erreichbar, mehr lasse sich technisch nicht realisieren. Um diesen Wert überhaupt zu schaffen, müsste sich das zuletzt schleppende Einspeichertempo deutlich erhöhen, teilte der Verband mit.

Zwar haben Gasunternehmen nach Verbandsangaben bereits Kapazitäten für 83 Prozent der Speicher gebucht. Dass dennoch ein Teil dieser bezahlten Lagerplätze leer bleibt, zeigt die angespannte Marktlage. Selbst in den Sommermonaten sind die Gaspreise derzeit so hoch, dass sich das frühere Geschäftsmodell – günstiger Einkauf im Sommer und Verkauf im Winter zu höheren Preisen – kaum noch rechnet. Als Gründe werden der Irankrieg und weitere internationale Krisen genannt.

Betreiber verlangen politische Unterstützung

Die Betreiber der Gasspeicher appellieren an die Politik, bessere Rahmenbedingungen und Anreize für das Einspeichern zu schaffen. Ines-Geschäftsführer Sebastian Heinermann betonte, die Befüllung der Speicher müsse wirtschaftlich darstellbar sein, damit Marktteilnehmer sie auch tatsächlich umsetzen.

Die Bundesnetzagentur verweist unterdessen darauf, dass die Versorgungssicherheit vom Zusammenspiel verschiedener Faktoren abhängt: Pipelineimporte, Speicher, LNG-Lieferungen, Infrastruktur und Nachfrage müssten ineinandergreifen. Zugleich macht die Behörde deutlich, dass vor allem die Gashändler für die Befüllung zuständig seien. Sie hätten Lieferverpflichtungen gegenüber Stadtwerken, Energieversorgern, Industriebetrieben und weiteren Kunden und müssten sich entsprechend absichern.

Nach Einschätzung der Bundesnetzagentur ist auf dem Weltmarkt ausreichend Gas verfügbar, und auch die Importmöglichkeiten seien vorhanden. Die Versorgungslage in Deutschland sei derzeit stabil, die Sicherheit der Gasversorgung aktuell gewährleistet.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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