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Pisa-Studie: Was steckt?

Alle reden wieder über Pisa: Warum der OECD-Test seit dem Schock von 2000 Deutschlands Bildung bis heute prägt.

08.09.2026, 05:00 Uhr

Pisa-Studie: Was hinter dem internationalen Leistungsvergleich steckt – und wie Deutschland 2025 abgeschnitten hat

Die Pisa-Studie gilt in Deutschland als der bekannteste internationale Bildungscheck. Spätestens seit dem schwachen Abschneiden im Jahr 2000 und dem damaligen sogenannten Pisa-Schock steht sie besonders im Fokus. Nun zeigen die neuen Ergebnisse für Pisa 2025: Deutschlands 15-Jährige schneiden in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften so schlecht ab wie nie zuvor. Nach Angaben der Studienmacher wurden damit die niedrigsten Kompetenzwerte seit Beginn der Pisa-Erhebungen erreicht – sogar niedriger als im Jahr 2000.

Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Was ist die Pisa-Studie?

Pisa ist die Abkürzung für Programme for International Student Assessment. Getestet werden Jugendliche im Alter von 15 Jahren, weil in vielen Ländern in diesem Lebensabschnitt die Schulpflicht endet. Ziel der Untersuchung ist es, grundlegende Fähigkeiten zu messen.

Zu den festen Bereichen gehören:

  • Lesen
  • Mathematik
  • Naturwissenschaften

Eines dieser Felder wird jeweils besonders vertieft untersucht. Bei der aktuellen Runde liegt der Schwerpunkt auf den Naturwissenschaften.

Zusätzlich gibt es immer ein weiteres Spezialthema. Bei Pisa 2025 geht es um modellbasiertes Problemlösen als Bestandteil des Lernens in einer digitalen Welt. In Deutschland wurde außerdem die Englisch-Kompetenz erhoben. Diese Ergebnisse sollen allerdings erst 2027 veröffentlicht werden. Für die Durchführung des deutschen Studienteils ist das Zentrum für internationale Bildungsvergleichsstudien an der Technischen Universität München zuständig.

Wer wird wann und wie getestet?

An den jüngsten Pisa-Tests nahmen im April und Mai 2025 weltweit mehr als 760.000 Schülerinnen und Schüler in 91 Staaten und Regionen teil, darunter auch alle 38 OECD-Mitgliedsländer. Die Veröffentlichung erfolgt traditionell im Folgejahr. Deshalb trägt die aktuelle Erhebung zwar den Namen Pisa 2025, erscheint aber erst 2026.

In Deutschland waren rund 6.700 Jugendliche aus etwa 250 Schulen beteiligt. Nach Angaben der Verantwortlichen ist die Auswahl repräsentativ für die Altersgruppe der 15-Jährigen.

Die Prüfungen finden am Computer statt und dauern ungefähr zwei Stunden. Ein Teil der Aufgaben besteht aus Multiple-Choice-Fragen, ein anderer aus offenen Aufgaben, bei denen die Schülerinnen und Schüler eigene Antworten formulieren müssen. Zusätzlich werden sie zu ihren Lernbedingungen, Einstellungen und zur wirtschaftlichen Lage ihrer Familie befragt. Auch Lehrkräfte und Eltern werden in die Befragung einbezogen.

Wie hat Deutschland bei Pisa 2025 abgeschnitten?

Die Ergebnisse fallen für Deutschland so schwach aus wie noch nie in der Geschichte der Studie. Studienleiter Samuel Greiff von der Technischen Universität München spricht von historisch niedrigen Kompetenzständen.

Im Durchschnitt erreichten die in Deutschland getesteten Jugendlichen:

  • 486 Punkte in den Naturwissenschaften
  • 465 Punkte im Lesen
  • 464 Punkte in Mathematik

Zum Vergleich: Bei Pisa 2022 waren es noch 492 Punkte in den Naturwissenschaften, 480 Punkte im Lesen und 475 Punkte in Mathematik. Damit hat sich das Leistungsniveau erneut verschlechtert.

Besonders alarmierend ist laut Studie der Blick auf die Basiskompetenzen:

  • In den Naturwissenschaften fehlten sie etwa jedem vierten Jugendlichen.
  • In Lesen und Mathematik galt das sogar für rund ein Drittel der 15-Jährigen.

Gleichzeitig ist der Anteil der Jugendlichen mit besonders hohen Kompetenzen gesunken und liegt nun in allen drei Bereichen unter zehn Prozent.

Wo steht Deutschland im internationalen Vergleich?

Trotz der gesunkenen Werte liegt Deutschland insgesamt weiterhin etwa im OECD-Durchschnitt. Allerdings betonen die Studienmacher, dass der Negativtrend hierzulande besonders deutlich ausfällt.

In 14 OECD-Staaten waren die Ergebnisse klar besser als in Deutschland, darunter Estland, Kanada, die Schweiz und Österreich. Länder wie die Niederlande oder Frankreich lagen ungefähr auf deutschem Niveau.

Greiff betont zwar, Deutschland sei nicht dramatisch abgehängt. Zugleich werde das Land seinem eigenen Anspruch als Bildungsnation aber nicht gerecht und spiele nicht in der Spitzengruppe mit.

Welche Rolle spielt das Elternhaus?

Pisa 2025 bestätigt erneut, dass der schulische Erfolg in Deutschland stärker als in vielen anderen Ländern vom Elternhaus abhängt. Seit 2015 hat sich diese Kluft laut Studie sogar wieder vergrößert.

Nach Angaben der Studienleitung ist der Zusammenhang zwischen sozioökonomischem Status und Bildungserfolg in Deutschland etwa dreimal so stark wie in Kanada. Besonders deutlich wird das beim Anteil leistungsstarker Jugendlicher:

  • Unter sozial benachteiligten Schülerinnen und Schülern sind nur 2 von 100 besonders leistungsstark.
  • Unter sozial privilegierten Jugendlichen sind es 25 von 100.

Damit zeigt die Studie, dass Bildungsungleichheit in Deutschland weiterhin ein zentrales Problem bleibt.

Welche Gründe nennen die Studienmacher für den Abwärtstrend?

Als Ursachen nennen die Verantwortlichen mehrere Faktoren. Ein Punkt ist, dass nach den Reformen infolge des Pisa-Schocks von 2000 zunächst deutliche Verbesserungen erreicht wurden, das Thema Bildung später aber wieder an Priorität verloren habe.

Hinzu kommt laut Greiff eine veränderte und heterogenere Schülerschaft. Dabei gehe es nicht nur um Zuwanderung, sondern vor allem um größere soziale Unterschiede und mehr psychosoziale Problemlagen. Die entscheidende Trennlinie verlaufe weniger zwischen Jugendlichen mit und ohne Zuwanderungsgeschichte, sondern stärker zwischen sozial privilegierten und sozial benachteiligten Familien.

Außerdem stellt sich laut Studie die Frage, wie gut das deutsche Bildungssystem mit unterschiedlichen Lernvoraussetzungen umgehen kann. Als besondere Baustellen werden genannt:

  • frühkindliche Bildung
  • Lehrkräftemangel
  • Digitalisierung

Was gilt als Rezept zur Verbesserung?

Als besonders wichtige Hebel nennt Studienleiter Greiff:

  • eine stärkere frühkindliche Bildung
  • eine datengestützte Entwicklung des Unterrichts

Auch Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) sieht das Bildungssystem vor großen Herausforderungen. Wichtig seien aus ihrer Sicht bereits angestoßene Maßnahmen für:

  • bessere frühkindliche Bildung
  • einen besseren Übergang zwischen Kita und Schule
  • die Stärkung basaler Kompetenzen wie Lesen, Schreiben und Rechnen

Warum sind die Ergebnisse so brisant?

Die neuen Werte liegen nicht nur unter denen von 2022, sondern sogar unter dem Niveau der ersten Pisa-Studie von 2000. Gerade deshalb dürfte die Debatte über Bildungsreformen in Deutschland neuen Schub bekommen.

Ob man schon von einem neuen Pisa-Schock sprechen müsse, wollte Studienleiter Greiff zwar nicht ausdrücklich bewerten. Klar ist für ihn aber: Deutschland erlebt bei Pisa 2025 einen historischen Tiefstand.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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