Alexander Zverev hat bei den US Open überzeugend das Viertelfinale erreicht und dabei erstmals im Turnierverlauf konstant wie ein echter Titelkandidat gespielt. Der French-Open-Sieger setzte sich gegen den Italiener Luciano Darderi mit 6:2, 6:2, 7:6 (7:3) durch und geriet nur im dritten Satz etwas stärker unter Druck. Vor allem sein Aufschlag war einmal mehr ein entscheidender Faktor.
Um 23.47 Uhr Ortszeit in New York verwandelte Zverev nach 2:30 Stunden im Arthur Ashe Stadium seinen Matchball. Anders als in seinen drei vorherigen Abendpartien, die jeweils erst weit nach Mitternacht endeten, brachte der Deutsche diese Aufgabe deutlich zügiger hinter sich.
Im Siegerinterview zeigte sich Zverev fast ungläubig über die ungewohnt frühe Uhrzeit. „Ich weiß nicht, was ich mit mir anfangen soll. Ich könnte auf den Trainingsplatz oder in eine Bar gehen“, sagte er zunächst und schob mit Blick auf die johlenden Zuschauer sofort hinterher: „Leider war das ein Scherz, entspannt euch!“
Mit seiner Leistung war der Weltranglistenzweite sehr zufrieden. „Luciano hat einen fast perfekten dritten Satz gespielt und ich habe ihn trotzdem gewonnen“, sagte Zverev. „Das ist für mich ein super Zeichen.“ In dieser Form darf er sich berechtigte Hoffnungen auf sein erstes US-Open-Finale seit 2020 machen.
Großer Name droht erst im Endspiel
Im Viertelfinale wartet nun der Niederländer Botic van de Zandschulp. Auch mögliche Halbfinalgegner wie Karen Chatschanow aus Russland oder der Belgier Alexander Blockx gehen eher als klare Außenseiter in ein Duell mit Zverev. Ein echter Topstar könnte erst im Finale am Sonntag auf ihn warten – etwa Carlos Alcaraz aus Spanien.
Etwas überrascht reagierte Zverev allerdings auf die mögliche Anfangszeit des Endspiels. Auf die Frage nach einem Finale am frühen Nachmittag entgegnete er erstaunt: „Ist das Finale um 14.00 Uhr?“ Die späten Starts der vergangenen Tage seien nicht ideal, um in einen frühen Rhythmus zu finden. Zugleich bremste er die Diskussion sofort: „Bis zum Finale habe ich noch ein paar Matches.“
Das Viertelfinale gegen van de Zandschulp soll am Mittwoch nach Zverevs Wunsch wieder in der Nightsession stattfinden. Das Flutlicht im Arthur Ashe Stadium scheint ihm in diesem Jahr besonders zu liegen. „Das ist zwar nicht mein Court“, sagte er mit Verweis auf große Champions vergangener Jahre. „Aber es fühlt sich so an, als ob ich diesen Platz von elf bis zwei Uhr gemietet habe.“
Damit unterstreicht Zverev seine starke Saison: Halbfinale bei den Australian Open, der erste Titel bei den French Open, Finalniederlage in Wimbledon und nun die Runde der letzten Acht in New York. Insgesamt war es bereits sein 22. Sieg bei einem Grand-Slam-Turnier in diesem Jahr. Damit zog er mit Boris Beckers deutschem Rekord aus dem Jahr 1989 gleich. Zum ersten Mal in seiner Karriere erreichte Zverev zudem in allen vier Grand Slams eines Jahres das Viertelfinale.
Zverev schont Kräfte für die nächsten Aufgaben
Gegen van de Zandschulp geht Zverev nun als klarer Favorit in die Partie. Der Weltranglisten-70. musste in seinem Achtelfinale gegen den Franzosen Arthur Gea über fünf Sätze gehen – es war das viertlängste Match der US-Open-Geschichte. Schon in der Runde zuvor hatte der Niederländer die volle Distanz absolvieren müssen und dürfte entsprechend ausgelaugt sein. „Ich kann noch stehen“, sagte van de Zandschulp nach seinem Sieg hörbar erschöpft.
Zverev selbst hatte in den ersten beiden Runden ebenfalls jeweils fünf Sätze spielen müssen und dabei insgesamt rund neuneinhalb Stunden auf dem Platz gestanden. Inzwischen wirkt der körperlich robuste Hamburger davon aber bestens erholt und konnte gegen Darderi wichtige Energie sparen.
Schon der Beginn des Achtelfinals verlief nahezu perfekt. Mit sehr sicherem und druckvollem Tennis bestimmte Zverev die Partie gegen den Weltranglisten-22. klar, nahm ihm früh zweimal den Aufschlag ab und lag schon nach kurzer Zeit mit 4:0 vorne.
Diesmal keine Probleme wie in Rom
Darderi hatte zwar bereits im Vorjahr die dritte Runde der US Open erreicht, bei seinen nun insgesamt fünf Erfolgen in New York jedoch noch nie einen Spieler aus den Top 100 geschlagen. Dass er trotzdem unangenehm sein kann, hatte Zverev in dieser Saison bereits zu spüren bekommen: Beim Masters in Rom hatte der Hamburger trotz vier Matchbällen noch verloren und im dritten Satz sogar 0:6 abgegeben. Später erklärte Zverev, damals krank gewesen zu sein.
Diesmal ließ er sich jedoch nicht aus dem Konzept bringen. Im letzten Aufschlagspiel des ersten Satzes wehrte er noch einen Breakball ab und brachte den Durchgang souverän nach Hause. Rund drei Viertel seiner ersten Aufschläge kamen ins Feld – für den Sandplatzspezialisten Darderi gab es kaum Zugriff auf das Spiel.
Auch im zweiten Satz blieb Zverev sofort am Drücker und nahm seinem Gegner gleich wieder das Service ab. Darderi reagierte frustriert und schlug einen Ball auf die Tribüne. Das Publikum honorierte jeden gelungenen Punkt des Italieners und feierte selbst das zwischenzeitliche 1:4 lautstark. Wenig später führte Zverev dennoch bereits mit 2:0 Sätzen.
Im dritten Durchgang steigerte sich Darderi, kämpfte verbissen weiter und bejubelte nahezu jeden Punktgewinn mit erhobener Faust. Erstmals bekam Zverev nun ernsthafte Gegenwehr, behielt im Tiebreak aber die Nerven und machte den Viertelfinaleinzug perfekt.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber