Die deutschen Exporte haben im Mai trotz neuer Belastungen durch den Iran-Krieg den vierten Monat in Folge zugelegt. Nach vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamts stiegen die Ausfuhren gegenüber April kalender- und saisonbereinigt um 0,9 Prozent auf 137,9 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahresmonat ergibt sich ein Plus von 6,1 Prozent.
Vor allem das Geschäft mit den USA sorgte für Rückenwind. Dorthin lieferten deutsche Unternehmen im Mai Waren im Wert von 14,1 Milliarden Euro. Das waren 23,1 Prozent mehr als im April und gut 15 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Ökonomen sehen darin ein Signal, das der zuletzt schwachen deutschen Konjunktur zumindest etwas Hoffnung gibt.
Auch der Außenhandelsverband BGA zeigt sich vorsichtig optimistisch. Präsident Dirk Jandura betonte, die Welt kaufe weiterhin deutsche Produkte. Gleichzeitig werde der Welthandel aber volatiler, politischer und härter umkämpft.
"Guter Monat für die deutsche Wirtschaft"
Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank, sprach von einem guten Monat für die deutsche Wirtschaft. Eine vielerorts befürchtete Delle im zweiten Quartal könnte seiner Einschätzung nach ausbleiben. Nach dem leichten Wachstum zu Jahresbeginn dürfte die deutsche Wirtschaft auch im zweiten Quartal etwas zulegen, sagte er mit Verweis auf zuletzt ebenfalls robuste Daten zur Industrieproduktion.
Zugleich warnte er davor, den kräftigen Anstieg der USA-Exporte als dauerhafte Wende im transatlantischen Handel zu deuten. Die von Donald Trump eingeführten Zölle hätten die Handelshemmnisse erhöht, zudem verlagerten viele Unternehmen ihre Produktion direkt in die Vereinigten Staaten. Dadurch dürfte das Exportvolumen über den Atlantik langfristig eher begrenzt bleiben.
Schwächeres Europa-Geschäft
Auch die Ausfuhren nach China legten im Mai zu – um 7,1 Prozent gegenüber April auf 6,2 Milliarden Euro. Die Exporte nach Großbritannien stiegen leicht auf 6,7 Milliarden Euro.
Weniger dynamisch verlief dagegen das Geschäft innerhalb Europas. In die Staaten der EU wurden im Mai Waren im Wert von 78,3 Milliarden Euro geliefert. Das entspricht einem Rückgang von 1,1 Prozent im Vergleich zum Vormonat.
Von einer echten Trendwende bei den deutschen Exporten will der BGA dennoch nicht sprechen. Jandura verwies darauf, dass die Impulse derzeit vor allem aus Drittstaaten kämen – insbesondere aus den USA, wo es nach mehreren schwachen Monaten Nachholeffekte gebe.
Bei den Importen zeigte sich ein gegenteiliger Trend: Die Einfuhren nach Deutschland sanken gegenüber April um 2,5 Prozent auf 118,8 Milliarden Euro. Im Jahresvergleich stand allerdings ein Plus von 6,9 Prozent.
Wichtigstes Herkunftsland blieb erneut China. Von dort wurden Waren im Wert von 15,1 Milliarden Euro nach Deutschland eingeführt, zwei Prozent mehr als im April. Auch die Importe aus den USA nahmen zu – und zwar um 11,5 Prozent auf 9,5 Milliarden Euro.
Unter dem Strich ergab sich in der deutschen Außenhandelsbilanz im Mai ein Überschuss von 19,1 Milliarden Euro. Im April hatte er noch bei 14,7 Milliarden Euro gelegen.
Iran-Krieg als neue Gefahr
Als zusätzliches Risiko für die exportabhängige deutsche Wirtschaft gilt der wieder aufgeflammte Iran-Krieg. Nachdem die Zeichen zunächst auf Deeskalation gestanden hatten, erklärte US-Präsident Donald Trump nach Angriffen auf Schiffe in der Straße von Hormus den vorläufigen Waffenstillstand für hinfällig und ließ erneut Ziele im Iran angreifen. Der Iran reagierte mit Attacken auf Kuwait und Bahrain. In der Folge zogen die Ölpreise zeitweise an.
Für deutsche Exporteure können steigende Energie- und Transportkosten schnell zur Belastung werden. Der Konflikt trifft eine Wirtschaft, die ohnehin nur schwach wächst und zusätzlich unter Konkurrenz aus China sowie US-Zöllen leidet. Der Sachverständigenrat rechnet in diesem Jahr lediglich mit einem Mini-Wachstum von 0,5 Prozent, der Internationale Währungsfonds ist mit 0,7 Prozent nur etwas optimistischer. Höhere Energiepreise und mehr Inflation verunsichern Verbraucher, während steigende Spritkosten sowohl Pendler als auch Unternehmen zusätzlich belasten.
Der BGA fordert deshalb, den Standort Deutschland wettbewerbsfähiger zu machen. Teure Energie, lange Genehmigungsverfahren, überbordende Regulierung und eine schleppende Digitalisierung wirkten laut Jandura bereits lange vor dem Grenzübertritt eines Produkts wie eine Exportbremse.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber