Wirtschaft

Porsche-Verkäufe stürzen ab – das steckt dahinter

Porsches Absatz bricht weiter ein – vor allem in China. Doch auch anderswo verlieren Luxus-SUVs und Sportwagen spürbar an Reiz.

09.07.2026, 09:00 Uhr

Porsche verkauft im ersten Halbjahr deutlich weniger Fahrzeuge

Porsche hat seinen Absatz in den ersten sechs Monaten des Jahres erneut spürbar verringert. Wie der Stuttgarter Sportwagenhersteller mitteilte, wurden von Januar bis Juni weltweit etwas mehr als 122.300 Fahrzeuge ausgeliefert. Das entspricht einem Rückgang von 16 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2025. Damit hat sich die Lage im Vergleich zum Jahresauftakt leicht weiter eingetrübt.

Als Ursachen nennt das Unternehmen unter anderem den Wegfall steuerlicher Vorteile für Elektro- und Hybridautos in den USA. Zudem war die Nachfrage nach dem vollelektrischen Macan im Vorjahreszeitraum besonders hoch, weil das Modell damals neu auf den Markt kam. Belastend wirkte sich außerdem aus, dass die Verbrenner-Versionen von Cayman und Boxster seit Oktober 2025 nicht mehr produziert werden. Hintergrund dafür war unter anderem das Auslaufen der Baureihe wegen neuer Cybersicherheitsvorgaben. Direkte Nachfolgemodelle gibt es bislang nicht.

Vertriebsvorstand Matthias Becker erklärte, Porsche liege im ersten Halbjahr zwar unter dem Vorjahresniveau, bewege sich aber im Rahmen der eigenen Erwartungen. Seit Ende Juni werde der Cayenne Electric an erste Kundinnen und Kunden ausgeliefert, aus dem Handel gebe es dazu positive Rückmeldungen. Wie sich der Absatz im Gesamtjahr 2026 entwickeln dürfte, ließ Becker offen. Stattdessen verwies er auf den Kapitalmarkttag im Oktober, bei dem der neue Porsche-Chef Michael Leiters seine künftige Strategie für den Konzern und die Modellpalette vorstellen will.

Automobilhersteller Porsche
Vor allem in China sanken die Zahlen deutlich. (Archivbild) Quelle: Marijan Murat/dpa

Rückgänge in sämtlichen Regionen

Am stärksten brach der Absatz erneut in China ein. Dort lieferte die VW-Tochter rund 14.500 Fahrzeuge aus und damit 32 Prozent weniger als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Porsche begründet das mit einem weiterhin schwierigen Marktumfeld sowie mit dem Fokus auf wertorientierte Verkäufe. Das bedeutet nach Unternehmensangaben auch, dass man sich in China nicht an Preisnachlässen und Rabattschlachten beteiligt.

Doch auch außerhalb Chinas verlief das Halbjahr schwach. Besonders kräftig fiel das Minus in den Übersee- und Wachstumsmärkten aus, zu denen etwa Afrika, Lateinamerika, Australien, Südkorea und Japan zählen. Dort sank der Absatz um 18 Prozent. In Nordamerika, der größten Vertriebsregion des Unternehmens, gingen die Auslieferungen um 13 Prozent auf gut 37.700 Fahrzeuge zurück. Auch in Deutschland sowie im übrigen Europa lagen die Zahlen unter dem Vorjahr: in Deutschland um 6 Prozent, im Rest Europas um 14 Prozent.

Nur der 911 legt zu

Das meistverkaufte Modell war im ersten Halbjahr weiterhin der Cayenne. Trotz eines Rückgangs von 9 Prozent verkaufte Porsche mehr als 38.100 Einheiten des SUV. Das Minus dürfte auch mit der laufenden Einführung der elektrischen Version zusammenhängen, die derzeit an erste Kunden ausgeliefert wird.

Bei den übrigen Baureihen zeigte sich überwiegend ebenfalls ein klarer Rückgang:

  • Macan: rund 35.300 Fahrzeuge, minus 22 Prozent
  • Panamera: rund 9.300 Fahrzeuge, minus 38 Prozent
  • 718 (Boxster und Cayman): rund 2.800 Fahrzeuge, minus 73 Prozent
  • Taycan: rund 6.200 Fahrzeuge, minus 25 Prozent

Eine Ausnahme bildete lediglich der 911. Der traditionsreiche Sportwagen kam auf ein Plus von 19 Prozent. Insgesamt wurden mehr als 30.500 Exemplare an Kunden ausgeliefert. Den Anteil reiner Elektrofahrzeuge am Gesamtabsatz wies Porsche diesmal nicht gesondert aus.

Abwärtstrend hält an

Die sinkenden Verkaufszahlen setzen einen Trend fort, der bereits 2024 und 2025 sichtbar war. Im vergangenen Jahr verkaufte Porsche weltweit gut 279.400 Sport- und Geländewagen. Das waren rund 10 Prozent weniger als 2024 und zugleich der niedrigste Wert seit dem Corona-Jahr 2020.

Besonders problematisch bleibt der chinesische Markt. Dort haben sich die Verkaufszahlen zwischen 2021 und 2025 mehr als halbiert. Viele Marktbeobachter gehen derzeit nicht von einer schnellen Erholung aus. Im Gegenteil: Porsche dürfte seine Strukturen weiter anpassen und verkleinern müssen. Für Ende Juli wird ein zweites Sparprogramm erwartet, das voraussichtlich auch zusätzlichen Stellenabbau beinhalten wird.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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