Die italienische Großbank Unicredit treibt ihren Vorstoß zur Übernahme der Commerzbank trotz massiver Widerstände aus Deutschland weiter voran. Das Angebot zum Erwerb aller Aktien des Frankfurter Dax-Konzerns bleibt nun bis einschließlich 3. Juli bestehen. Das endgültige Ergebnis der Offerte will Unicredit voraussichtlich am 8. Juli veröffentlichen.
Nach Angaben der Bank wurden während der bisherigen Annahmefrist vom 5. Mai bis 16. Juni insgesamt 12,51 Prozent der Commerzbank-Aktien angedient. Zusammen mit dem bereits zuvor gehaltenen Anteil von 26,77 Prozent käme Unicredit damit rechnerisch auf 39,28 Prozent an Deutschlands zweitgrößter börsennotierter Bank.
Darüber hinaus hat sich das Mailänder Institut über Kaufoptionen Zugriff auf mehr als drei Prozent weiterer Commerzbank-Anteile gesichert und hält zusätzliche Finanzinstrumente. Nach eigener Darstellung steigt der gesicherte Einfluss damit auf 42,50 Prozent. Sollte die Commerzbank wie angekündigt eigene Aktien zurückkaufen, würde sich dieser Wert laut Unicredit auf 44,33 Prozent erhöhen.
Nahezu den gesamten Bestand an Commerzbank-Aktien sowie die zugehörigen Finanzinstrumente hat Unicredit nach eigenen Angaben gegen Kursverluste abgesichert, falls ein Verkauf erforderlich werden sollte.
Für jede Commerzbank-Aktie bietet Unicredit 0,485 eigene Aktien. Über weite Strecken lag dieser Tauschwert allerdings unter dem Börsenkurs der Commerzbank-Papiere.
Commerzbank rät weiter von Annahme ab
Die Commerzbank empfiehlt ihren Aktionärinnen und Aktionären weiterhin, das Angebot nicht anzunehmen. Nach Darstellung des Instituts enthält die Offerte unverändert keine angemessene Prämie.
Zugleich signalisiert die Bank Gesprächsbereitschaft. Voraussetzung sei jedoch, dass Unicredit die von der Commerzbank benannten Punkte ernsthaft diskutiere. Aus Sicht des Frankfurter Instituts braucht es dafür sowohl eine attraktive Prämie für die Aktionäre als auch einen Plan, der die Erfolgsfaktoren des bestehenden Geschäftsmodells angemessen berücksichtigt.
Commerzbank spricht von feindlichem Vorgehen
Die Commerzbank stemmt sich seit fast zwei Jahren gegen das aus ihrer Sicht feindliche Vorgehen von Unicredit-Chef Andrea Orcel. Das Frankfurter Institut wirft der italienischen Bank vor, ihre Aktienposition womöglich künstlich aufzublähen. Zur Klärung wurde die Finanzaufsicht Bafin eingeschaltet. Außerdem erstattete der Gesamtbetriebsrat der Commerzbank Strafanzeige wegen des Verdachts auf Marktmanipulation.
Unicredit weist diese Vorwürfe weiterhin zurück. Zugleich machte die Bank zuletzt deutlich, dass sie bei ausreichender Unterstützung auf der Hauptversammlung Einfluss auf die Besetzung des Aufsichtsrats nehmen könnte. Dieser entscheidet wiederum über die Bestellung des Vorstands.
Nach Auffassung von Unicredit lenkt die Kritik der Commerzbank vom wirtschaftlichen Nutzen einer Übernahme ab. Die Bank ist in Deutschland bereits über die Hypovereinsbank präsent und sieht bei einem Zusammenschluss Einsparpotenzial in Milliardenhöhe. Dazu könnten auch der Abbau von Tausenden Stellen gehören.
Bundesregierung stellt sich weiter gegen die Übernahme
Auch der Bund lehnt eine Übernahme weiterhin ab. Nachdem der Teilverkauf staatlicher Commerzbank-Aktien im September 2024 Unicredit den Einstieg erleichtert hatte, bekräftigte die Bundesregierung erneut, ihren verbliebenen Anteil von gut zwölf Prozent nicht abgeben zu wollen.
Zur Begründung heißt es, das Angebot enthalte keine angemessene Prämie auf den aktuellen Börsenkurs der Commerzbank-Aktie. Zudem werde das aggressive Vorgehen der Unicredit zurückgewiesen.
Die Bundesregierung verweist außerdem auf die Bedeutung der Commerzbank für die Finanzierung der deutschen Wirtschaft und insbesondere des Mittelstands. Zugleich sei das Institut ein wichtiger Arbeitgeber und ein zentraler Bestandteil des Finanzplatzes Frankfurt. Beides müsse auch künftig gesichert bleiben.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion