Kühle Rückzugsorte in Deutschland: Wo man der Sommerhitze entkommt
Wenn draußen der Asphalt flimmert, muss es für eine Abkühlung nicht gleich in den hohen Norden gehen. Auch in Deutschland gibt es selbst an heißen Hochsommertagen Orte, an denen überraschend niedrige Temperaturen herrschen – tief im Fels, unter der Erde, zwischen Kunstwerken oder in alten Kirchen.
Tropfsteinhöhlen: Frische Luft im Inneren des Bergs
In Tropfsteinhöhlen bleibt das Klima nahezu unabhängig vom Wetter draußen. Die über sehr lange Zeit entstandenen Hohlräume reagieren nur langsam auf Hitzewellen. Deshalb liegen die Temperaturen in Höhlen wie der Atta-Höhle in Attendorn in Nordrhein-Westfalen oder der Iberger Tropfsteinhöhle im Harz meist ganzjährig bei rund 10 Grad Celsius.
Neben der angenehmen Kühle gibt es dort auch eindrucksvolle Gesteinsformationen zu sehen: Stalaktiten hängen von der Decke, Stalagmiten wachsen vom Boden nach oben. Eine besondere Variante des Höhlenbesuchs bietet die Wimsener Höhle auf der Schwäbischen Alb, wo Besucher mit flachen Booten durchs Wasser fahren können.
Ehemalige Bergwerke und Stollen: Abstieg in die Kühle
Auch stillgelegte Bergwerke und Stollen sind an heißen Tagen ideale Zufluchtsorte. Das umgebende Gestein sorgt dafür, dass die Temperaturen unter Tage das ganze Jahr über relativ konstant bleiben – unabhängig davon, ob draußen Schwüle, Gewitter oder Hochdruckwetter herrschen.
So herrschen im Salzbergwerk Berchtesgaden, in dem seit dem Jahr 1517 Salz gewonnen wird, etwa 12 Grad Celsius. In mehreren historischen Anlagen der Unesco-Welterberegion Erzgebirge in Sachsen ist es mit rund 8 Grad sogar noch kühler. Wer dort unterwegs ist, kann nebenbei auch viel über Bergbau und Industriegeschichte erfahren.

Museen und Galerien: Kultur genießen bei angenehmen Temperaturen
Museen und Ausstellungshäuser achten nicht nur aus Rücksicht auf ihre Gäste auf ein ausgewogenes Raumklima. Vor allem empfindliche Exponate wie Gemälde, Papier oder historische Objekte benötigen konstante Temperaturen und möglichst geringe Schwankungen. Davon profitieren Besucher gleich mit.
Ein Beispiel ist die Hamburger Kunsthalle: Dort wird für die Werke eine gleichbleibende Temperatur von etwa 18 bis 22 Grad Celsius eingehalten. Gegenüber sommerlichen 35 Grad auf der Straße wirkt das fast wie eine kleine Erholungsoase.
Kirchen: Dicke Mauern statt Klimaanlage
Kirchen und Kathedralen bieten oft ganz ohne technische Kühlung Schutz vor großer Hitze. Massive Steinwände, hohe Räume und wenig direkte Sonneneinstrahlung sorgen dafür, dass sich die Gebäude nur langsam aufheizen. Die in der Nacht gespeicherte Kühle bleibt tagsüber lange erhalten.
Besonders frisch kann es in Krypten sein, also in tiefer liegenden Bereichen unter dem Kirchenraum. Viele Gotteshäuser stehen tagsüber offen und laden auch Menschen ohne religiösen Hintergrund zum Verweilen ein. Nicht selten ist es im Inneren rund 10 Grad kühler als draußen.
Im Ulmer Münster in Baden-Württemberg wird es nach Angaben der dortigen Pfarrerin sogar niemals wärmer als 18 Grad Celsius. Das macht die Kirche mit ihrem weltberühmten Turm auch im Sommer zu einem angenehmen Rückzugsort.
Eisflächen und Skihallen: Wintergefühl mitten im Sommer
Wer nicht nur Abkühlung, sondern echte Kälte sucht, wird bei Wintersportanlagen fündig. Dort liegen die Temperaturen häufig um den Gefrierpunkt oder sogar darunter.
Zwar schließen viele Eishallen in den Sommermonaten, doch einige Anlagen bleiben geöffnet. In der Skihalle Neuss in Nordrhein-Westfalen herrschen das ganze Jahr über etwa minus 3 Grad Celsius, in Hamburg rund minus 1 Grad. Auch Indoor-Eisflächen für Schlittschuhläufer werden mancherorts durchgehend betrieben, etwa in Willingen in Hessen, Bad Sachsa in Niedersachsen oder Oberstdorf in Bayern.
Fazit
Ob Höhle, Bergwerk, Museum, Kirche oder Eishalle: Wer der Sommerhitze kurz entfliehen möchte, findet in Deutschland viele ungewöhnliche Orte mit deutlich angenehmeren Temperaturen. Manche davon liegen tief unter der Erde, andere mitten in der Stadt – kühl sind sie auf ganz unterschiedliche Weise.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion