Wirtschaft

Batteriespeicher-Boom nimmt Fahrt auf

Deutschlands Speicherboom explodiert dank Großspeichern – doch ausgerechnet jetzt warnt die Solarbranche vor einer unsicheren Zukunft.

22.06.2026, 04:00 Uhr

Deutlich mehr Batteriespeicher in Deutschland installiert

In Deutschland wächst der Markt für Batteriespeicher rasant. Nach Angaben des Bundesverbands Solarwirtschaft (BSW-Solar) wurden in den ersten fünf Monaten dieses Jahres rund 225.000 neue Speicher mit zusammen 3,4 Gigawattstunden Kapazität in Betrieb genommen. Grundlage der Zahlen ist das Marktstammdatenregister. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht das einem Plus von 70 Prozent.

Besonders stark fiel der Zuwachs bei Großspeichern aus. Sie kamen auf 1,47 Gigawattstunden und legten damit im Vergleich zum Vorjahr um mehr als das Vierfache zu. Damit liegen sie inzwischen vor den klassischen Heimspeichern für Photovoltaikanlagen, die nur noch leicht zulegten.

Nach Einschätzung des BSW-Solar übernehmen Batteriespeicher eine wichtige Funktion im Energiesystem: Sie können überschüssigen Strom aus Wind- und Solaranlagen aufnehmen, Engpässe im Netz mindern und so teure Eingriffe zur Stabilisierung des Stromsystems verringern. Eine Gigawattstunde entspricht ungefähr dem täglichen Strombedarf von 300.000 Menschen in Deutschland.

BSW-Solar-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig bezeichnet Speicher als zentrale Technologie für die Einbindung erneuerbarer Energien und damit als entscheidend für das Gelingen der Energiewende. Gerade wegen des langsamen Netzausbaus seien neue Solarparks häufig kaum noch wirtschaftlich, wenn sie ohne Batteriespeicher geplant würden. Nach Verbandsangaben sollen etwa zwei Drittel der in den kommenden zwei Jahren vorgesehenen Solarparks gemeinsam mit Speichern entstehen.

Unklar, ob der Boom anhält

Trotz des derzeitigen Ausbaus ist nach Ansicht des Verbands offen, ob sich das starke Wachstum fortsetzt. Eine Untersuchung der Beratungsgesellschaft Enervis kommt zu dem Ergebnis, dass bis 2029 im ungünstigen Fall nur etwa 15 Gigawattstunden zusätzliche Großspeicherkapazität hinzukommen könnten. Zwar befänden sich bereits Projekte mit insgesamt 58 Gigawattstunden in Planung, ihre Umsetzung sei jedoch mit erheblichen Risiken verbunden.

Körnig verweist vor allem auf lange Verfahren beim Netzanschluss und auf unsichere regulatorische Rahmenbedingungen. Viele Investitionen stünden bereit, würden aber durch Bürokratie und fehlende Planungssicherheit ausgebremst. Aus Sicht des Verbands ist daher die Politik gefordert, Hindernisse abzubauen. Denn Batteriespeicher könnten die Systemkosten senken, Netzengpässe verringern und zugleich die Versorgungssicherheit stärken.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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