Nach dem Fährunglück vor Zypern, bei dem mehrere Menschen ums Leben kamen, soll nun ein Tauchgang zum Wrack in rund 500 Metern Tiefe vorbereitet werden. Dafür wird am Dienstag in Nordzypern ein türkisches Spezialschiff erwartet.
Medienberichten zufolge erklärte Nordzyperns Präsident Tufan Erhürman, dass nach den weiterhin vermissten Menschen sowie nach dem Schiffsdatenschreiber gesucht werden solle. Am Montagabend galten noch 20 Personen als vermisst, unter ihnen mindestens zwei Kinder.
Der Datenschreiber dokumentiert fortlaufend wichtige Informationen wie Position, Kurs, Geschwindigkeit, Radardaten, den Zustand der Maschinen sowie Warnmeldungen. Die Auswertung dieser Daten soll helfen, die Ursache des Unglücks genauer zu klären.
Spezialtechnik für die Suche in großer Tiefe
Wie die nordzyprische Zeitung Zypernpost berichtet, ist das türkische Rettungs- und Bergungsschiff TCG IŞIN (A-583) mit Technik für Einsätze in tiefem Wasser ausgerüstet. Dazu zählen unter anderem ein ferngesteuertes Unterwasserfahrzeug sowie ein Panzertauchanzug.
Die Schnellfähre „Filo Jet“ war am Sonntag kurz nach dem Auslaufen aus der Hafenstadt Kyrenia (türkisch: Girne) im Norden Zyperns auf dem Weg nach Mersin in der Südtürkei gekentert. Aus bislang ungeklärter Ursache drang Wasser ein, der Katamaran füllte sich, neigte sich zur Seite und sank schließlich wenige Kilometer vor der Küste. Nach offiziellen Angaben starben acht Menschen, 239 weitere konnten gerettet werden.
Kapitän und weitere Verdächtige in Haft
Mehrere gerettete Passagiere erhoben schwere Vorwürfe gegen die Besatzung. Gegen den Kapitän und acht weitere Verdächtige wurde am Montag zunächst für drei Tage Untersuchungshaft angeordnet. Ihnen wird fahrlässige Tötung durch Unachtsamkeit vorgeworfen.
Zypern ist seit 1974 faktisch geteilt. Damals folgten auf einen Putsch nationalistischer griechischer Zyprer eine türkische Militärintervention und die spätere Ausrufung der Türkischen Republik Nordzypern im Jahr 1983. International wird sie bis heute ausschließlich von der Türkei anerkannt.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber