Das Leben in Deutschland hat sich im August erneut verteuert. Nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamts lagen die Verbraucherpreise 2,9 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Im Juli hatte die Inflationsrate noch 2,8 Prozent betragen.
Wie schon im April erreichte die Teuerung damit wieder knapp die Drei-Prozent-Marke. Einen stärkeren Anstieg der Verbraucherpreise hatte es zuletzt im Dezember 2023 mit 3,7 Prozent gegeben.
Energie bleibt der wichtigste Preistreiber
Ausschlaggebend für die höhere Inflation waren erneut die Energiepreise. Für Tanken und Heizen mussten Verbraucherinnen und Verbraucher im August 10,5 Prozent mehr zahlen als ein Jahr zuvor.
Die Inflationsexpertin Silke Tober vom Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung erklärte, die etwas höhere Teuerung gehe – wie schon in den Vormonaten – vor allem auf kräftigere Preissteigerungen bei Kraftstoffen und Heizöl zurück.
Eine Rolle spielt dabei auch das Auslaufen des zeitlich befristeten Tankrabatts. Nachdem die Bundesregierung im Mai und Juni die Energiesteuer auf Benzin und Diesel vorübergehend um knapp 17 Cent je Liter gesenkt hatte, sprang die Inflationsrate nach dem Ende der Maßnahme im Juli um 0,5 Prozentpunkte auf 2,8 Prozent nach oben.
Drei Prozent Inflation im Herbst möglich
Nach Einschätzung von Elmar Völker, Analyst bei der LBBW, ist eine schnelle Entspannung vorerst nicht in Sicht. Er hält es für möglich, dass die Inflation im Herbst erneut über 3 Prozent steigt. Zugleich verweist er darauf, dass sich der stärkere Preisauftrieb bislang noch nicht flächendeckend im gesamten Warenkorb festgesetzt habe.
Lebensmittel kaum teurer, Kerninflation stabil
Während Energie deutlich teurer wurde, blieb der Preisauftrieb bei Lebensmitteln vergleichsweise gering. Nahrungsmittel kosteten im August nur 0,1 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. In den drei Monaten davor waren die Lebensmittelpreise jeweils um 0,4 Prozent gestiegen.
Im Vergleich zum Vormonat Juli zogen die Verbraucherpreise im August nach vorläufigen Angaben insgesamt um 0,2 Prozent an. Die Kerninflation ohne Energie und Nahrungsmittel lag unverändert bei 2,4 Prozent.
Bundesbank sieht Risiko weiterer Preissteigerungen
Nach Einschätzung der Bundesbank könnte sich das Leben in Deutschland in den kommenden Monaten vorübergehend noch weiter verteuern. Hintergrund ist der anhaltende Iran-Konflikt, durch den die für den globalen Energiehandel wichtige Straße von Hormus faktisch blockiert bleibt.
Für Autofahrer macht sich das bereits bemerkbar. Nach Einschätzung des ADAC könnte 2026 das bislang teuerste Tankjahr überhaupt werden. Bleiben Energiepreise länger hoch, steigt zudem das Risiko, dass auch andere Waren und Dienstleistungen teurer werden – etwa weil Transport, Kühlung und Produktion mehr kosten. Hinzu kommen Belastungen durch Hitze und Trockenheit, die Ernten schmälern können.
Experten sehen zähen Rückgang der Teuerung
Der Chefvolkswirt von Union Investment, Michael Herzum, geht zwar davon aus, dass der Höhepunkt der Inflation erreicht sein könnte. Der Rückgang werde jedoch nur langsam verlaufen, weil höhere Kosten in Teilen des Warenkorbs weiter spürbar seien – vor allem bei Nahrungsmitteln und Gütern mit hohen Transportkosten.
Auch Michael Heise, Chefvolkswirt bei HQ Trust, rechnet kurzfristig nicht mit einer deutlichen Entspannung bei den Dienstleistungen. Zudem sprächen steigende Erzeugerpreise dafür, dass auch bei Waren der Preisdruck hoch bleibe. Im August setzte sich bei Dienstleistungen zwar der Trend zu etwas schwächerem Preisauftrieb fort, sie lagen aber immer noch 2,8 Prozent über dem Vorjahresniveau.
Kaufkraft bleibt unter Druck – reale Löhne könnten dennoch leicht zulegen
Eine höhere Inflationsrate schmälert die Kaufkraft: Für einen Euro können sich Menschen weniger leisten, größere Anschaffungen werden häufiger aufgeschoben. Der private Konsum als wichtige Stütze der Konjunktur schwächelt deshalb seit Monaten.
Für viele Tarifbeschäftigte gibt es dennoch etwas Hoffnung. Nach Berechnungen des WSI-Tarifarchivs der Hans-Böckler-Stiftung könnte im laufenden Jahr unter dem Strich ein realer Lohnzuwachs von 0,7 Prozent bleiben. Ob das tatsächlich eintritt, werde sich aber erst zum Jahresende zeigen, da die Inflation noch steigen könnte und in einigen großen Branchen bisher keine berücksichtigten Tarifabschlüsse vorliegen.
Erwartet wird eine weitere Zinserhöhung der EZB
Auch mit Blick auf den Euroraum bleibt die Inflation ein wichtiges Thema. Dort war die Teuerungsrate im Juli ebenfalls auf 2,9 Prozent gestiegen. Volkswirte rechnen deshalb damit, dass die Europäische Zentralbank (EZB) bei ihrer nächsten Sitzung am 10. September die Leitzinsen zum zweiten Mal in diesem Jahr anheben wird.
Mit höheren Zinsen kann die Notenbank die Inflation dämpfen, weil Kredite teurer werden und die Nachfrage sinkt. Der für Banken und Sparer wichtige Einlagenzins liegt derzeit bei 2,25 Prozent. EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel hatte sich zuletzt erneut für weitere Zinsschritte ausgesprochen. Ziel der Notenbank ist es, die Inflation im Euroraum mittelfristig wieder auf 2,0 Prozent zu drücken.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber