Knapp 30 Jahre nach dem Mord an US-Rapper Tupac Shakur ist der frühere Gang-Anführer Duane Davis in Las Vegas schuldig gesprochen worden. Zwölf Geschworene kamen zu dem Schluss, dass der 63-Jährige als Drahtzieher für den Tod des Musikers verantwortlich ist.
Nach den Schlussplädoyers zog sich die Jury am Montag (Ortszeit) zur Beratung zurück und fällte ihr Urteil nach rund drei Stunden. Davis, der in schwarzem Anzug vor Gericht erschien, nahm den Schuldspruch zunächst regungslos auf. Anschließend kündigte er gegenüber der Richterin an, in Berufung zu gehen. Das Strafmaß soll am 13. Oktober verkündet werden. Ihm droht lebenslange Haft.
Angehörige und Freunde Shakurs, die den dreiwöchigen Prozess verfolgten, reagierten nach dem Urteil sichtlich erleichtert. Einige umarmten sich, andere wischten sich Tränen aus den Augen.
Einer der prägenden Rapper der 1990er Jahre
Tupac Shakur zählt zu den einflussreichsten und erfolgreichsten Rappern der 1990er Jahre. Mit Songs wie „California Love“, „Changes“ und dem Album „All Eyez on Me“ wurde er weltweit bekannt und verkaufte Millionen Tonträger. Bis heute gilt er als eine der prägendsten Figuren des Hip-Hop, deren Einfluss weit über ihren Tod hinausreicht. 2017 wurde Shakur posthum in die Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen, 2023 erhielt er zudem eine Sternenplakette auf dem Hollywood Walk of Fame.
Der damals 25-Jährige wurde am 7. September 1996 in Las Vegas in einem Auto angeschossen. Sechs Tage später starb er im Krankenhaus an den Folgen der Attacke. Die Tat fiel in eine Zeit heftiger Spannungen zwischen Rappern und ihrem Umfeld an der Ost- und Westküste der USA.
Schüsse soll der Neffe abgegeben haben
Davis wurde nicht vorgeworfen, selbst geschossen zu haben. Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft organisierte der frühere Anführer der Straßengang South Side Compton Crips vielmehr die Vergeltungsaktion und beschaffte die Tatwaffe. Nach dem Recht des Bundesstaats Nevada kann auch wegen Mordes verurteilt werden, wer eine Tötung unterstützt oder ermöglicht.
Der Auslöser der Tat soll eine Schlägerei wenige Stunden vor den Schüssen gewesen sein. Nach einem Boxkampf von Mike Tyson in Las Vegas sollen Shakur und seine Begleiter Davis’ Neffen Orlando Anderson angegriffen haben. Videoaufnahmen aus einem Casino dokumentieren diese Auseinandersetzung. Anderson, der später im Alter von 23 Jahren bei einer Schießerei starb, soll wie Davis den South Side Compton Crips angehört haben.
Shakur war damals mit dem rivalisierenden Umfeld des Labels Death Row Records und dessen Mitgründer Suge Knight unterwegs. Nach Angaben der Anklage standen hinter dem Konflikt auch Verbindungen zwischen Plattenfirmen und verfeindeten Gangs: Death Row mit Mob Piru, Bad Boy Records mit den South Side Compton Crips um Davis.
Eigene Aussagen brachten die Ermittlungen voran
Davis war 2023 in Las Vegas festgenommen und unter anderem wegen Mordes mit Gebrauch einer tödlichen Waffe angeklagt worden. Vor Gericht plädierte er auf nicht schuldig.
Allerdings hatte er sich zuvor mehrfach öffentlich zu dem Fall geäußert. In Interviews und in seiner Autobiografie erklärte Davis, er habe in dem weißen Cadillac gesessen, aus dem auf Shakur geschossen worden sei. Er bezeichnete sich selbst als einzigen noch lebenden Insassen. In einem Verhör im Jahr 2008 sagte er zudem, die tödlichen Schüsse seien von seinem Neffen abgegeben worden.
Lange fehlten den Ermittlern ausreichende Beweise für eine Anklage. Nach Angaben der Polizei trugen am Ende unter anderem Davis’ eigene Aussagen entscheidend dazu bei, den Fall vor Gericht zu bringen.
Verteidigung stellte frühere Aussagen infrage
Sein Verteidiger Michael Sanft versuchte, diese Aussagen zu entkräften. Er schilderte Davis im Prozess als Lügner und Angeber, der viele Dinge erfunden habe, um daraus finanziellen Nutzen zu ziehen. Zudem warf er den Ermittlern Fehler bei der Untersuchung vor und kritisierte, dass es keine lückenlose Beweiskette gebe. Weder sei die Mordwaffe gefunden worden noch habe es physische Beweise dafür gegeben, dass Davis tatsächlich am Tatort war.
Im Laufe des Verfahrens sagten unter anderem Polizisten, Augenzeugen sowie Mitglieder der Rap- und Gangszene aus. Davis selbst sagte nicht aus. Auch Rap-Mogul Suge Knight, der in der Mordnacht am Steuer des Wagens neben Shakur saß, wurde nicht vorgeladen. Er verbüßt derzeit eine Haftstrafe wegen Totschlags.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber