TSMC erzielt erneut Rekordgewinn – KI-Boom treibt Chipfertiger weiter an
Der weltweit größte Auftragsfertiger für Halbleiter, TSMC, hat im dritten Quartal erneut einen Rekordgewinn eingefahren und die Erwartungen übertroffen. Getrieben von der starken Nachfrage nach Chips für künstliche Intelligenz stieg der Gewinn im Vergleich zum Vorjahr um 69 Prozent auf rund 763 Milliarden Taiwan-Dollar. Das entspricht etwa 21 Milliarden Euro.
Auch beim Umsatz legte der Konzern kräftig zu. Die Erlöse kletterten auf rund 41,6 Milliarden Euro. Ein Ende des Booms ist aus Sicht des Unternehmens vorerst nicht absehbar: Für das laufende vierte Quartal erwartet TSMC einen Umsatz von bis zu 48,5 Milliarden Euro und liegt damit weiter leicht über vielen Markterwartungen.
Weiterhin kräftiges Wachstum erwartet
TSMC fertigt unter anderem Chips für Nvidia, AMD und Apple. Vor allem die großen Investitionen in KI-Rechenzentren sorgen derzeit für hohe Bestellungen. Konzernchef Che-Chia Wei sprach mit Blick auf künstliche Intelligenz von sehr positiven jüngsten Entwicklungen für die langfristigen Nachfrageaussichten.
Auch bei der Profitabilität bleibt TSMC stark. Für das vierte Quartal stellt der Konzern eine Bruttomarge zwischen 65 und 67 Prozent in Aussicht. Im dritten Quartal lag sie bei 66,4 Prozent. Damit blieb nach Abzug der reinen Herstellungskosten mehr als zwei Drittel des Umsatzes als Bruttogewinn übrig.
Die Fabrik hinter den großen Technologiekonzernen
Außerhalb der Technologiebranche ist TSMC vielen Verbrauchern vergleichsweise wenig bekannt. Das Unternehmen entwickelt die meisten Chips nicht selbst, sondern produziert vor allem Halbleiter, die von anderen Konzernen entworfen wurden.
So entwickelt Nvidia etwa besonders leistungsfähige Prozessoren für das Training und den Betrieb von KI-Anwendungen, lässt diese aber in großem Stil von TSMC fertigen. Auch Apple bezieht dort zentrale Prozessoren für seine iPhones. Je stärker die Nachfrage nach solchen Hochleistungschips steigt, desto mehr profitiert der taiwanische Hersteller.
Warum TSMC so schwer einzuholen ist
Die Produktion moderner Computerchips gehört zu den anspruchsvollsten Aufgaben der Industrie. Auf engstem Raum müssen Milliarden elektronischer Schaltelemente mit höchster Präzision gefertigt werden. Dafür braucht es extrem teure Anlagen, jahrelange Forschung und viel Erfahrung.
TSMC hat diese Technologie über Jahrzehnte perfektioniert und sich vor allem bei den modernsten Chips einen deutlichen Vorsprung erarbeitet. Andere Hersteller versuchen zwar aufzuholen, doch viele Chipdesigner können ihre neuesten Produkte nicht ohne Weiteres bei einem anderen Produzenten in vergleichbarer Qualität und in großen Stückzahlen herstellen lassen.
Viele neue Fabriken gleichzeitig im Bau
Um die anhaltend hohe Nachfrage bedienen zu können, investiert TSMC weiterhin massiv in zusätzliche Kapazitäten. Für das laufende Jahr sind Investitionen von bis zu 64 Milliarden US-Dollar in neue Anlagen geplant. Nach früheren Angaben baut oder modernisiert der Konzern derzeit gleichzeitig 20 Fabriken.
TSMC produziert inzwischen auch in den USA und errichtet dort weitere Werke. Zudem entsteht in Dresden gemeinsam mit Partnern eine Fabrik, die vor allem die Autoindustrie und andere Industriezweige beliefern soll. Der Produktionsstart dort ist für 2027 geplant.
KI-Boom stärkt auch Taiwans Wirtschaft
Der Aufschwung durch künstliche Intelligenz wirkt sich nicht nur auf TSMC aus, sondern auch auf die taiwanische Wirtschaft insgesamt. Im zweiten Quartal stieg das Bruttoinlandsprodukt des Landes um 12,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die taiwanische Zentralbank rechnet für das Gesamtjahr mit einem Wachstum von 11,5 Prozent. Das wäre das stärkste Plus seit fast vier Jahrzehnten.
Boom mit Chancen – aber auch mit Risiken
Trotz der starken Dynamik gibt es auch Zweifel daran, ob sich die enormen Investitionen in KI für alle Beteiligten auszahlen werden. Gerade bei den teuren Rechenzentren ist noch offen, wann und in welchem Umfang sich die Ausgaben rechnen. Sollten große Technologiekonzerne ihre Investitionen später deutlich zurückfahren, könnte das auch TSMC belasten.
Hinzu kommt ein geopolitisches Risiko: Ein großer Teil der modernsten Chips wird weiterhin in Taiwan produziert. China betrachtet die demokratisch regierte Insel als Teil seines Territoriums und schließt eine gewaltsame Vereinigung nicht aus. Ein militärischer Konflikt könnte daher die weltweite Versorgung mit wichtigen Halbleitern massiv stören. Zwar baut TSMC seine Produktion in anderen Ländern aus, doch bis sich die Herstellung modernster Chips breiter über mehrere Standorte verteilt, dürfte noch einige Zeit vergehen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber