Wirtschaft

Trotz Flaute: Warum KI und Cloud jetzt explodieren

KI und Cloud treiben Rekordumsätze – doch ausgerechnet jetzt fällt Deutschland digital international zurück. Woran liegt’s?

07.07.2026, 15:41 Uhr

Die deutsche Digitalwirtschaft legt trotz der schwachen Konjunktur weiter zu. Nach Angaben des Branchenverbands Bitkom soll der Markt für Informationstechnik und Telekommunikation (ITK) in diesem Jahr um 4,1 Prozent wachsen und ein Volumen von 246,4 Milliarden Euro erreichen. Gegenüber dem Vorjahr, als noch ein Plus von 4,7 Prozent erzielt wurde, fällt das Wachstum damit etwas geringer aus.

Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst sieht in der Digitalisierung weiterhin einen wichtigen Impulsgeber für die deutsche Wirtschaft. Sowohl Unternehmen als auch Behörden investieren demnach weiter in Software, IT-Dienstleistungen, Künstliche Intelligenz und Cybersicherheit. Gleichzeitig würden Investitionsentscheidungen angesichts der angespannten wirtschaftlichen Lage vorsichtiger getroffen.

Software und KI treiben den Markt an

Am dynamischsten entwickelt sich innerhalb der Branche der IT-Bereich. Hier rechnet Bitkom mit einem Umsatzanstieg von 5,4 Prozent auf 170,8 Milliarden Euro. Besonders stark wächst das Softwaregeschäft, das voraussichtlich um 9,9 Prozent auf 58,1 Milliarden Euro zulegt.

Ein großer Teil dieses Wachstums entfällt auf Cloud-Software. Für 2026 werden in diesem Segment Umsätze von rund 42,5 Milliarden Euro erwartet, was einem Zuwachs von 21,9 Prozent entspräche.

Noch rasanter entwickelt sich der Markt für KI-Plattformen. Laut Bitkom sollen die Erlöse hier 2026 um 75,8 Prozent auf 3,1 Milliarden Euro steigen. Bereits im Vorjahr hatte dieser Bereich ein Wachstum von 50 Prozent verzeichnet.

Mehr Umsatz bei Hardware vor allem wegen höherer Preise

Bei IT-Hardware wird ein Plus von durchschnittlich 3,3 Prozent erwartet. Dieses Wachstum ist jedoch vor allem auf gestiegene Preise zurückzuführen. Teurere RAM-Bausteine und Chips sorgen für höhere Erlöse, obwohl in einzelnen Produktgruppen wie Desktop-PCs, Tablets und Smart-Home-Geräten weniger verkauft wird.

Deutlich stärker gefragt ist dagegen Cloud-Infrastruktur, die um 22,3 Prozent zulegen soll.

Telekommunikation wächst langsamer

Die Telekommunikationsbranche kommt unterdessen auf ein vergleichsweise moderates Wachstum von 1,4 Prozent und dürfte damit 75,6 Milliarden Euro umsetzen. Den größten Posten bilden weiterhin die Telekommunikationsdienste mit 53,9 Milliarden Euro.

Auch bei der Infrastruktur wird investiert: Die Ausgaben für den Ausbau der Telekommunikationsnetze steigen voraussichtlich um 4,2 Prozent auf 8,3 Milliarden Euro. Wintergerst mahnte in diesem Zusammenhang an, den Netzausbau stärker zu unterstützen – etwa durch bevorzugte Stromanschlüsse für Mobilfunkstandorte.

Im internationalen Vergleich fällt Deutschland zurück

Trotz der positiven Entwicklung im Inland sieht Bitkom Deutschland im globalen Wettbewerb unter Druck. Weltweit soll der ITK-Markt 2026 um 8,5 Prozent auf 5,9 Billionen Euro wachsen. Die USA dominieren dabei mit einem Anteil von 41 Prozent und einem Wachstum von 12,7 Prozent. Deutschland erreicht dagegen nur einen weltweiten Marktanteil von 3,8 Prozent.

Wintergerst warnte, der Abstand zwischen den USA und China auf der einen sowie Deutschland und vielen europäischen Ländern auf der anderen Seite werde größer. Sein Ziel: Deutschland müsse zumindest bei den Wachstumsraten näher an die USA herankommen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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