Wirtschaft

Bauforscher: Diese Normen treiben Baukosten

Normen sollen Bauen erleichtern – doch treiben sie Kosten und Chaos hoch? Warum ausgerechnet Regeln jetzt zum Problem werden.

07.07.2026, 14:27 Uhr

Zu viele Baunormen? Forschungsinstitute sehen Kosten und Komplexität steigen

Normen sollen Abläufe vereinheitlichen und gerade am Bau für mehr Klarheit sorgen. Nach Einschätzung von zwei Bauforschungsinstituten hat sich das System jedoch verselbstständigt: Im Bauwesen gebe es inzwischen eine regelrechte Flut an Vorgaben. Die Fachleute machen dafür steigende Kosten und kompliziertere Prozesse verantwortlich – und schlagen Änderungen vor.

Was Normen grundsätzlich regeln

Normen sind schriftlich festgelegte Anforderungen an Produkte, Dienstleistungen oder Verfahren. DIN-Normen sorgen zum Beispiel dafür, dass Papierformate standardisiert sind oder Sicherheitsausrüstung nach einheitlichen Kriterien geprüft wird.

Auch beim Bauen spielen sie eine zentrale Rolle. Dort legen sie unter anderem fest, wie gebaut wird, welche Materialien verwendet werden und welche Abläufe einzuhalten sind. Ziel ist es, Baustandards vergleichbar, sicher und praktikabel zu machen.

Wie Normen zustande kommen

Nach Angaben des Bundesbauministeriums folgt die Entstehung von Normen selbst klaren Regeln. Ausgangspunkt ist meist ein konkreter Bedarf, der etwa von Branchenverbänden, Unternehmen oder anderen Interessengruppen in Form eines Entwurfs eingebracht wird.

Anschließend wird dieser Vorschlag mit beteiligten Verbänden sowie auch mit Verbraucherinnen und Verbrauchern beraten. Am Ende stehen Beschluss und Veröffentlichung der Norm.

Sind Normen verpflichtend?

Grundsätzlich nicht. Nach Darstellung des Deutschen Instituts für Normung sind Normen zunächst freiwillig anwendbar. Verbindlich werden sie erst dann, wenn Gesetze oder europäische Regelungen ausdrücklich auf sie Bezug nehmen. Im Baubereich betrifft das laut DIN ungefähr ein Fünftel aller Normen.

Wo sehen die Institute das Problem?

Die Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen (Arge) und das Institut für Bauforschung (IFB) kritisieren, dass die Zahl der Bauvorschriften immer weiter wachse. Aus ihrer Sicht verteuern neue und verschärfte Normen das Bauen erheblich und erschweren einfache Lösungen.

Den Instituten zufolge geht rund ein Fünftel des kräftigen Kostenanstiegs am Bau seit 2020 auf neue oder geänderte Normen zurück. Das habe auch Folgen für den Wohnungsbau insgesamt: Wenn Bauen teurer werde, werde am Ende auch weniger gebaut.

Besonders kritisch sehen Arge und IFB Vorgaben etwa zur Energieeffizienz und zum Schallschutz. Ihrer Ansicht nach führt die zunehmende Komplexität nicht automatisch zu besseren Gebäuden. Vielmehr nähmen Zahl und Kosten von Bauschäden zu, weil kompliziertere Anforderungen auch fehleranfälligere Bauabläufe mit sich brächten.

Welche Lösung vorgeschlagen wird

Als Ausweg plädieren die Institute für einen stärkeren Fokus auf den Gebäudetyp E. Dahinter steckt ein Planungsansatz, der auf verzichtbare Ausstattungsdetails und übermäßige Bürokratie verzichten soll.

Das Konzept setzt auf einfachere, wirtschaftlichere Gebäude ohne unnötige Extras. Häufig könne auf technisch aufwendige und wartungsintensive Systeme verzichtet werden. Selbst bei Details der Ausstattung – etwa der Zahl der Steckdosen in einzelnen Räumen – sehen die Fachleute Sparpotenzial, ohne den grundlegenden Nutzen eines Gebäudes infrage zu stellen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

Zurück zur Startseite →
Kommentare 0
Hinterlassen Sie Ihren Kommentar

TOP Neueste Meldungen