Mit der „Kinderoase“ hat der aus Burkina Faso stammende Architekt und TUM-Professor Francis Kéré sein erstes dauerhaftes Bauprojekt in Europa fertiggestellt. Nach rund zweieinhalb Jahren Bauzeit wurde die neue Kindertagesstätte an die Technische Universität München (TUM) übergeben. Künftig können dort bis zu 60 Kinder von Universitätsangehörigen betreut werden.
Kéré, der mit dem renommierten Pritzker-Preis ausgezeichnet wurde, entwickelte den Entwurf gemeinsam mit einem emeritierten TUM-Professor für Holzbau.
Fünf Stockwerke als Spielraum
Der fünfgeschossige Bau aus Holz umfasst etwa 700 Quadratmeter und fällt durch seine gefaltete Lamellenfassade aus Cortenstahl auf. Auf dem Dach befindet sich eine „Himmelswiese“, die den Kindern in der dicht bebauten Innenstadt einen geschützten Ort zum Spielen bietet. TUM-Präsident Thomas F. Hofmann bezeichnete das Haus als architektonisch einzigartig im Münchner Museumsviertel.
Kéré, der seit 2017 an der TUM die Professur für Architectural Design and Participation innehat, betonte, das Gebäude sei vollständig aus Sicht der Kinder gedacht worden. Er erklärte, seine ersten Projekte habe er für Schulkinder entworfen, nun gestalte er Räume für die Jüngsten. Entstanden sei ein vertikaler Spielbereich, in dem Kinder zwischen den Ebenen laufen, klettern und rutschen können. Das Haus solle Neugier wecken und gemeinsames Spielen fördern.
Holzbau mit markanter Stahlhülle
Bis auf das notwendige Fluchttreppenhaus aus Beton wurde die Kita vollständig in Holz errichtet. Dabei kamen vor allem Fichten- und Eschenholz zum Einsatz. Charakteristisch für das Gebäude sind mehr als 2.000 Lamellen aus Cortenstahl, die der Fassade ihr unverwechselbares Aussehen verleihen. Insgesamt wurden rund 100 Tonnen Stahl verbaut.

Finanziert, gebaut und anschließend der Universität geschenkt wurde die Einrichtung von der Unternehmerin und TUM-Ehrensenatorin Ingeborg Pohl, die auch den Auftrag an Kéré vergeben hatte. Mit dem Neubau wurde zudem eine seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs brachliegende Baulücke geschlossen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber