Der britische Prinz Harry und sechs weitere Prominente sind mit ihrer Klage gegen den Verlag der Boulevardzeitung „Daily Mail“ gescheitert. In einem 436 Seiten langen schriftlichen Urteil kam der zuständige Richter zu dem Schluss, dass die Kläger ihre Vorwürfe einer unrechtmäßigen Informationsbeschaffung nicht ausreichend beweisen konnten. Die Klage wurde deshalb abgewiesen.
Zu den Klägern gehörten neben Prinz Harry (41) auch Musiker Elton John (79) und dessen Ehemann David Furnish. Sie hatten den Verlag Associated Newspapers Limited (ANL) beschuldigt, Reporter der „Daily Mail“ hätten über Jahre hinweg mit illegalen Methoden Informationen beschafft, um exklusive Geschichten und Schlagzeilen zu produzieren. ANL hatte die Vorwürfe von Anfang an entschieden zurückgewiesen. Der viel beachtete Bespitzelungsprozess hatte im Januar begonnen und war Ende März abgeschlossen worden.
Nach dem Urteil sprach ANL von einem „überwältigenden Sieg für die ,Daily Mail‘ und ihre Journalisten sowie für die Pressefreiheit im Allgemeinen“. Harry war am Montag zu einem mehrtägigen Aufenthalt nach London gereist. Obwohl das Urteil nur schriftlich verkündet wurde, dürfte der Besuch für ihn erneut belastend sein. Bei einem Auftritt im Londoner Chatham House wenige Minuten nach Bekanntwerden der Entscheidung äußerte sich der Prinz zunächst nicht dazu.
Worum es im Verfahren ging
Im Mittelpunkt standen Vorwürfe wie das mögliche Abhören von Telefonaten und Voicemails sowie der Zugriff auf private Unterlagen. Harry war im Januar persönlich vor Gericht erschienen und hatte ausgesagt. Dabei wurde er emotional: Gegen Ende seiner Aussage brach ihm die Stimme, als er über die Presse sagte: „Sie haben das Leben meiner Frau vollkommen zur Hölle gemacht, Euer Ehren.“
Auch Elton John fand bei seiner Aussage im Februar drastische Worte. Er bezeichnete die mutmaßlichen Praktiken des Verlags als „abscheulich und jenseits jeglicher Standards menschlichen Anstandes“. Er und Furnish warfen der Zeitung unter anderem vor, Gespräche und Mailbox-Nachrichten ausgespäht sowie über Privatdetektive intime Dokumente wie Krankenakten beschafft zu haben.
Harrys weiterer Kampf gegen Boulevardmedien
Prinz Harry, der sich 2020 aus dem engeren Kreis der Royals zurückzog und inzwischen mit seiner Frau Herzogin Meghan (44) sowie den beiden gemeinsamen Kindern in den USA lebt, geht seit Jahren juristisch gegen britische Boulevardmedien vor. Er spricht dabei von einem regelrechten Kampf gegen die britische „Tabloid Press“.
Dass ein Mitglied des Königshauses dabei regelmäßig selbst vor Gericht aussagt, gilt als ungewöhnlich. Nach eigenen Angaben will Harry damit deutlich machen, dass hinter den mutmaßlich illegalen Methoden ein System steckte. Es war bereits seine dritte Klage dieser Art.
Neue Spannungen mit König Charles?
Für zusätzliche emotionale Belastung könnte in dieser Woche auch Harrys schwieriges Verhältnis zu seinem Vater König Charles III. (77) sorgen. Zunächst hatte es den Anschein, als könnte es während des Besuchs zu einer Annäherung kommen. Inzwischen wirken die Fronten jedoch wieder verhärtet. Das Verhältnis zwischen Vater und Sohn gilt seit Jahren als zerrüttet.
Berichten zufolge hieß es zunächst, Harry könne mit seiner Familie für den fünftägigen Aufenthalt anreisen und im Buckingham-Palast wohnen. Charles soll seine Enkel seit Jahren nicht mehr gesehen haben. Hintergrund der Spannungen ist unter anderem der Streit über den Polizeischutz für Harry und seine Familie in Großbritannien.
Kurzfristig stellte der Palast jedoch klar, dass Harry nicht im Buckingham-Palast übernachten werde. Das entsprechende Angebot sei abgelaufen, hieß es. Über einen Sprecher ließ Harry daraufhin seinen Ärger mitteilen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber