Wirtschaft

IWF überrascht: Kommt jetzt der Deutschland-Aufschwung?

Überraschende Wende: Der IWF traut Deutschlands Wirtschaft 2026 plötzlich viel mehr zu – doch ein globales Risiko bleibt.

13.10.2026, 04:05 Uhr

Der Internationale Währungsfonds (IWF) blickt deutlich optimistischer auf die deutsche Wirtschaft als noch im Sommer. Für 2026 erwartet der Fonds nun ein Wachstum von 1,3 Prozent statt der im Juli prognostizierten 0,7 Prozent. Auch für 2027 wurde der Ausblick leicht verbessert: Statt 1,0 Prozent rechnen die Ökonomen jetzt mit 1,1 Prozent.

Damit liegt der IWF auf einer Linie mit der Bundesregierung, die erst vor wenigen Tagen dieselben Werte genannt hatte. Nach Einschätzung des Bundeswirtschaftsministeriums beruht der freundlichere Ausblick vor allem auf der überraschend robusten Verfassung der deutschen Wirtschaft.

Wirtschaftsministerin Katherina Reiche zufolge gehen rund zwei Drittel der besseren Perspektive auf staatliche Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung zurück. Das übrige Drittel wird dem Export zugeschrieben. Zeitweise habe der deutsche Außenhandel sogar von weltweiten Engpässen profitiert: Wegen des Konflikts in der Golfregion hätten viele Abnehmer ihre Lager bei energieintensiven Gütern wie Stahl, Dünger und Aluminium aufgestockt. Zusätzlich profitieren deutsche Zulieferer vom Boom rund um Künstliche Intelligenz.

Irland und Spanien stützen die Eurozone

Auch für die Eurozone fällt die neue IWF-Prognose günstiger aus. Für 2026 erwartet der Fonds nun ein Wachstum von 1,1 Prozent – das sind 0,2 Prozentpunkte mehr als im Juli. Für 2027 bleibt es bei 1,2 Prozent.

Nach einer Stagnation im ersten Quartal habe die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal wieder angezogen, teilte der IWF mit. Ausschlaggebend seien vor allem die kräftige Erholung in Irland und die anhaltend starke Entwicklung in Spanien gewesen.

In den übrigen Mitgliedsländern der Währungsunion sei die Wirtschaft dagegen weitgehend stabil geblieben. Als Bremsfaktoren nennt der IWF weiterhin hohe Energiepreise und eine schwache Konsumstimmung.

Vor gut einem halben Jahr hatten US-Präsident Donald Trump und Israel den Krieg gegen den Iran begonnen. In der Folge wurde die zuvor offene Straße von Hormus, eine zentrale Route für den Energiehandel, blockiert. Seitdem läuft nur noch ein Bruchteil des Rohstoffhandels durch die Meerenge – mit entsprechendem Druck auf die Preise.

Warum der Ölpreisschock die Weltwirtschaft nicht abwürgte

Dass die Weltkonjunktur trotz der Spannungen nicht eingebrochen ist, führt der IWF auf mehrere Faktoren zurück. Demnach ist die globale Wirtschaft heute widerstandsfähiger gegenüber Energieschocks. Hinzu kommen eine höhere Ölförderung außerhalb des Persischen Golfs, die Nutzung strategischer Reserven und eine schwächere Nachfrage aus China, die den Preisschub abgefedert haben.

Für die Weltwirtschaft rechnet der Fonds 2026 nun mit einem Wachstum von 3,1 Prozent statt zuvor 3,0 Prozent. Für 2027 bleibt die Prognose bei 3,4 Prozent.

KI als Stütze – aber auch als Risiko

Mit Blick auf Künstliche Intelligenz zeichnet der IWF ein gemischtes Bild. In einzelnen Branchen seien bereits deutliche Produktivitätseffekte sichtbar. In den gesamtwirtschaftlichen Daten, etwa bei den Löhnen, komme dieser Schub bislang jedoch nur langsam an.

Zugleich warnt der Fonds vor Risiken an den Finanzmärkten: Sollte sich die Euphorie um KI als überzogen erweisen, könnten enttäuschte Erwartungen einen kräftigen Ausverkauf bei Technologieaktien auslösen und damit auch das weltweite Wachstum belasten.

IWF-Chefökonomin Silvana Tenreyro sagte bei einer Pressekonferenz in Bangkok, der Handel mit KI-bezogenen Gütern habe einen wichtigen Anteil am Wachstum des Welthandels gehabt. Ohne diese KI-Güter wäre die Zunahme des Welthandels nur etwa halb so stark ausgefallen.

Tenreyro warnte außerdem, dass sowohl die Energiekrise als auch der KI-Boom den Preisauftrieb verstärken. Die weltweite Inflationsrate sieht der IWF für dieses Jahr weiter bei 4,7 Prozent. Für das kommende Jahr erwartet der Fonds 4,1 Prozent – und damit etwas mehr als bislang angenommen.

Für die USA bleibt der Ausblick nahezu unverändert

Für die Vereinigten Staaten ließ der IWF seine Wachstumsprognose für dieses Jahr bei 2,3 Prozent unverändert. Auch 2027 dürfte die US-Wirtschaft in ähnlicher Größenordnung wachsen, leicht stärker als bislang erwartet.

Als Stützen der US-Konjunktur nennt der Fonds die weiterhin hohe Konsumbereitschaft der privaten Haushalte, kräftige Investitionen der Unternehmen in neue Technologien, eine wirtschaftsfreundliche Politik, günstige Finanzierungskonditionen und eine hohe Produktivität.

Die direkten Folgen der Energiekrise infolge des Iran-Kriegs seien für die USA begrenzt, weil das Land unter dem Strich mehr Energie exportiert als importiert.

Deutlich stärker belastet werden dagegen viele ärmere Staaten und Länder, die auf Energieimporte angewiesen sind. Sie müssen wesentlich mehr für Öl, Gas und Lebensmittel bezahlen, während ihre Währungen zugleich unter Druck geraten. Das schmälert die Kaufkraft, verschärft Armut und erhöht das Risiko, dass sich mehr Menschen Grundbedürfnisse wie ausreichende Ernährung nicht mehr leisten können.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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