Ukraine

Schwarzes Meer: Wieder Drohnenangriffe auf Schiffe

Neue Attacken vor Bulgariens Küste: Sofia zitiert Russlands Botschafter – und setzt nun auf Hilfe aus Brüssel.

13.10.2026, 10:13 Uhr

Im Schwarzen Meer sind nach Angaben der Regierung in Sofia erneut zwei Handelsschiffe nahe der bulgarischen Küste mit Drohnen angegriffen worden. Die Vorfälle ereigneten sich nach Behördenangaben in der ausschließlichen Wirtschaftszone Bulgariens und in der Nähe des Staatsgebiets. Ministerpräsident Rumen Radew bezeichnete die Attacken laut der Nachrichtenagentur BTA als „absolut inakzeptabel“. Rettungskräfte leiteten eine Such- und Bergungsaktion ein.

Wie BTA weiter berichtete, wurde das ukrainische Schiff „Chelsea 3“ rund 33 Kilometer östlich des Küstenorts Bjala von drei Drohnen getroffen. Alle 15 Crewmitglieder konnten demnach in Sicherheit gebracht werden. Fünf von ihnen werden wegen leichter Verletzungen medizinisch versorgt.

Ein weiterer Angriff ereignete sich etwa 31 Kilometer vor Krapez nahe der rumänischen Grenze. Dort wurde ein Schiff getroffen und versenkt. Nach bisherigen Angaben konnte ein Besatzungsmitglied gerettet werden.

Russische Botschafterin einbestellt

Nach einer Sitzung des Sicherheitsrats beim Ministerrat in Sofia wurde die russische Botschafterin in Bulgarien, Eleonora Mitrofanowa, von Radew einbestellt. Bei dem weniger als eine Stunde dauernden Gespräch im Regierungssitz soll Mitrofanowa laut dem bulgarischen Fernsehen BNT nicht ausgeschlossen haben, dass es sich um eine „Provokation“ handeln könnte.

Radew erklärte dem Bericht zufolge, Bulgarien verfüge bislang über keine „zuverlässigen Beweise“ zur Herkunft der Drohnen. Zugleich gebe es „keine Logik“, dass die Ukraine ihre eigenen Schiffe angreife, während die Folgen der Attacken russischen Interessen nützten. Mitrofanowa sagte demnach, sie habe keine Informationen des russischen Verteidigungsministeriums zu dem Fall.

Sofia fordert Unterstützung von Nato und EU

Bulgarien will die Überwachung seines Luftraums und des Schwarzen Meeres weiter verstärken. In einem Telefonat mit Radew sagte Nato-Generalsekretär Mark Rutte zu, die Allianz werde mit ihren Verbündeten im Schwarzen Meer eng kooperieren. Die Nato habe ihre Präsenz an der Ostflanke bereits ausgebaut und werde die Sicherheitslage weiter beobachten, um Abschreckung und Verteidigung bei Bedarf anzupassen.

Radew rief nach Angaben der bulgarischen Regierung zu „gemeinsamen Bemühungen“ auf, um Angriffe auf Handelsschiffe im Schwarzen Meer zu stoppen. Er appellierte an Nato und EU, Bulgarien bei der besseren Überwachung seines Hoheitsgebiets im Schwarzen Meer und seines Luftraums technisch zu unterstützen. Ein ähnliches Telefongespräch führte er demnach auch mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.

Noch lasse sich nicht mit letzter Sicherheit feststellen, wer hinter den jüngsten Angriffen steckt. Nach Einschätzung der bulgarischen Regierung deutet jedoch alles darauf hin, dass die Attacken russischen Zielen in die Hände spielen.

Auch Thema in Brüssel

Von der Leyen verurteilte die Angriffe auf X als weitere Eskalation des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden. Zugleich sicherte sie Bulgarien die Unterstützung der Europäischen Union zu und dankte den Einsatzkräften vor Ort für ihr schnelles Handeln.

Wie die Regierung in Sofia weiter mitteilte, will Radew zudem Gespräche mit Rumänien und der Türkei anstoßen. Dabei soll es um Garantien für die Sicherheit der Schifffahrt im Schwarzen Meer gehen. Außerdem will er das Thema bei der Tagung des Europäischen Rates am 15. und 16. Oktober zur Sprache bringen.

Frühere Vorfälle

Bereits vor gut einer Woche waren im Schwarzen Meer vor der bulgarischen Küste Frachtschiffe durch Drohnen beschädigt worden; eines davon sank. Sofia wandte sich daraufhin an die EU und die Nato und bat um technische Unterstützung bei den Ermittlungen.

Die ukrainische Führung hatte Moskau für diese früheren Angriffe verantwortlich gemacht. Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach damals von einem weiteren Versuch Russlands, den westlichen Teil des Schwarzen Meeres für die zivile Schifffahrt praktisch unbrauchbar zu machen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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