Der seit Jahren umstrittene Ausbau des Nürnberger Frankenschnellwegs steht vor einer wichtigen Entscheidung: Am Sonntag können rund 380.000 Wahlberechtigte in einem Bürgerentscheid darüber abstimmen, ob die Stadt das Großprojekt im Wert von mehr als einer Milliarde Euro weiterverfolgen oder die Planungen beenden soll.
Nach Angaben der Stadt sind die Wahllokale von 8.00 bis 18.00 Uhr geöffnet. Viele Bürgerinnen und Bürger dürften ihre Stimme jedoch bereits per Briefwahl abgegeben haben, da die Unterlagen automatisch an alle Wahlberechtigten versandt wurden. Mit dem Ergebnis wird noch am Sonntagabend gerechnet. Es hat nach der bayerischen Gemeindeordnung dieselbe Wirkung wie ein Beschluss des Stadtrats.
Streit um den Frankenschnellweg
Der Frankenschnellweg ist der innerstädtische Abschnitt der Autobahn 73 und gilt in Nürnberg als besonders stauanfällig. Grund dafür sind mehrere ampelgeregelte Kreuzungen, die den Verkehr immer wieder abbremsen. Die Stadt plant deshalb, den Durchgangsverkehr künftig durch einen rund 1,8 Kilometer langen Tunnel zu leiten. Zudem sollen zusätzliche Lärmschutzwände entstehen und im Westen eine dritte Fahrspur gebaut werden. Die derzeit veranschlagten Kosten liegen bei mehr als einer Milliarde Euro, wovon der Freistaat den größten Anteil übernehmen soll.
Kritiker des Vorhabens sehen darin jedoch eine teure und wenig nachhaltige Lösung. Ihrer Ansicht nach würde das Projekt die Verkehrsprobleme nicht beseitigen, sondern eher noch mehr Fahrzeuge, insbesondere Lastwagen, anziehen. Nutzen hätten demnach vor allem Durchreisende. Außerdem weisen die Gegner darauf hin, dass laufende Ausgaben für den Unterhalt des Tunnels und die Begrünung in der aktuellen Kalkulation nicht enthalten seien. Diese Kosten müsste die Stadt selbst tragen – Geld, das dann aus ihrer Sicht an anderer Stelle, etwa für Bildung, Kultur oder soziale Angebote, fehlen würde.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber