Tankrabatt senkt Spritpreise deutlich – ADAC sieht Entlastung weitgehend im Preis, Kritik bleibt
Der zum Monatsbeginn gestartete Tankrabatt hat vielerorts sofort für spürbar niedrigere Kraftstoffpreise gesorgt. Schon kurz nach Mitternacht wurden Benzin und Diesel deutlich billiger. Bis in den späten Vormittag hinein setzten sich die Rückgänge fort.
Nach Angaben des ADAC kostete Super E10 um 8.00 Uhr bundesweit im Schnitt 2,062 Euro je Liter. Das waren 14,5 Cent weniger als zur gleichen Zeit am Vortag. Diesel lag bei durchschnittlich 2,209 Euro pro Liter und damit 15,2 Cent unter dem Vergleichswert vom Mittwoch.
Bis 11.45 Uhr sanken die Preise weiter: E10 lag dann im Schnitt bei 2,052 Euro pro Liter, Diesel bei 2,197 Euro. Der Abstand zum Vortag fiel zu diesem Zeitpunkt zwar etwas kleiner aus. Dennoch sieht der ADAC die Steuersenkung in den Spritpreisen „zumindest weitgehend abgebildet“ – trotz eines zuletzt leicht gesunkenen Ölpreises. Zugleich forderte der Club die Mineralölkonzerne auf, die volle Energiesteuersenkung von rund 17 Cent zeitnah weiterzugeben.
Kurz nach Mittag zogen die Preise dann wieder spürbar an. Bis 12.15 Uhr verteuerten sich E10 und Diesel um rund 20 Cent je Liter. Damit zeigte sich erneut das bekannte Muster: Am späten Vormittag ist Tanken oft am günstigsten, zur Mittagszeit folgt ein deutlicher Preissprung.
E10 oft unter 2 Euro
An zahlreichen Tankstellen wurde E10 am Morgen und Vormittag wieder für weniger als 2 Euro pro Liter angeboten. Laut ADAC gab es dabei aber deutliche regionale Unterschiede. In München, Stuttgart und Leipzig fanden sich besonders viele solcher Angebote, in Berlin ebenfalls zahlreiche. In Hamburg und Köln waren sie dagegen nur vereinzelt oder kaum zu finden.
Beim zuletzt besonders teuren Diesel lagen die Preise hingegen meist weiterhin klar über der Marke von 2 Euro je Liter. Nach dem kräftigen Mittagsanstieg gab es zumindest vorübergehend praktisch keine Angebote mehr unter 2 Euro pro Liter.
Der ADAC sieht in der Entwicklung auch einen Hinweis darauf, dass die bisherigen Preismuster trotz Tankrabatt zunächst erhalten geblieben sind: morgens und vormittags vergleichsweise günstig, mittags dann ein starker Aufschlag.
Vereinzelte Schlangen an Tankstellen
Viele Autofahrerinnen und Autofahrer griffen schon vor dem Mittagsanstieg zum Zapfhahn. An zahlreichen Tankstellen war am späten Vormittag reger Betrieb zu beobachten, vereinzelt bildeten sich sogar Schlangen.
Seit Mitternacht gilt für Benzin und Diesel, die Raffinerien und Tanklager verlassen, ein Steuerabschlag von 16,7 Cent je Liter. Wie vollständig diese Entlastung tatsächlich an der Zapfsäule ankommt, dürfte sich aber erst in den kommenden Tagen genauer zeigen.
Eine direkte Verpflichtung für Tankstellen, die Steuersenkung an Kundinnen und Kunden weiterzugeben, gibt es nicht. Zudem gelten die Berechnungen wegen der Marktmechanismen als komplex. Der ADAC mahnte deshalb, dass die Preissenkungen nicht durch spätere Aufschläge wieder aufgezehrt werden dürften.
Bereits am Dienstag und Mittwoch waren die Preise gefallen. Laut ADAC kostete ein Liter E10 am Mittwoch im bundesweiten Tagesdurchschnitt 2,242 Euro und damit 3,4 Cent weniger als am Montag. Diesel lag im Schnitt bei 2,390 Euro pro Liter, also 3,5 Cent unter dem Niveau zu Wochenbeginn.
Schon beim vorherigen Tankrabatt war umstritten, wie vollständig die Entlastung tatsächlich weitergereicht wurde. Auch damals war direkt in der Nacht zum Start ein deutlicher Preisrückgang zu beobachten. Forscher des Ifo-Instituts haben angekündigt, die Weitergabe des aktuellen Rabatts erneut genau zu untersuchen.
September bisher teuerster Tankmonat
Die Bundesregierung hatte den Tankrabatt als Reaktion auf die zuletzt extrem hohen Kraftstoffpreise beschlossen. Der September war bislang mit Abstand der teuerste Tankmonat. Die hohen Spritkosten wirkten sich sogar auf die Inflationsrate aus.
Die Maßnahme bleibt dennoch umstritten. Der Vorsitzende der Monopolkommission, Tomaso Duso, kritisierte, aus dem ersten Tankrabatt sei nichts gelernt worden. Schon damals sei nicht die komplette Steuersenkung an der Zapfsäule angekommen. Trotzdem gäben Bund und Länder erneut rund 2,5 Milliarden Euro aus, ohne dass das Geld gezielt bei denjenigen lande, die es am dringendsten bräuchten. Wer viel tanke und ein großes Auto fahre, profitiere besonders stark.
Duso sprach sich stattdessen dafür aus, direkte Hilfen für einkommensschwache Haushalte und kleine Betriebe vorzubereiten. Auch Ifo-Präsident Clemens Fuest hält den Tankrabatt für die falsche Antwort. Unter den Vielfahrern mit großen Autos seien viele, die sich die hohen Preise leisten könnten. Eine solche Umverteilung sei daher schwer zu rechtfertigen.
Vertreter der Mineralölwirtschaft weisen den Vorwurf zurück, dass der Steuernachlass nicht vollständig bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern ankomme. Befürworter des Rabatts verweisen wiederum darauf, dass es derzeit kaum ein wirksameres Mittel gebe, um Autofahrer kurzfristig zu entlasten.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber