Thomas Kahlert gilt als von HIV geheilt
Thomas Kahlert, der als „zweiter Berliner Patient“ bekannt wurde, zählt zu den weltweit wenigen Menschen, die als von HIV geheilt gelten. Bei der Eröffnung des neuen HIV-Heilungsforschungszentrums BeCURE an der Charité sagte der langjährige Charité-Mitarbeiter, ihm gehe es heute „sehr gut“.
Bei dem heute 62-Jährigen wurde 2009 im Rahmen einer Routinekontrolle eine HIV-Infektion festgestellt. Sechs Jahre später kam die Diagnose akute myeloische Leukämie hinzu, also eine Form von Blutkrebs. Wegen dieser Erkrankung musste Kahlert zusätzlich zur Chemotherapie eine Stammzelltransplantation erhalten. Am 14. Oktober 2015 bekam er Stammzellen einer gesunden Spenderin übertragen – mitsamt ihrem Immunsystem. Seither konnten weder HIV noch Krebszellen bei ihm nachgewiesen werden.
HIV nutzt bestimmte Andockstellen auf Immunzellen, die sogenannten CCR5-Rezeptoren, um in den Körperzellen einzudringen. Nach Angaben der Charité besitzt etwa ein Prozent der Menschen europäischer Herkunft eine besondere Veränderung dieses Rezeptors, die Delta-32-Mutation. Diese Mutation erschwert dem Virus das Eindringen, wodurch die Betroffenen als auf natürliche Weise gegen HIV geschützt gelten.
Beim ersten „Berliner Patienten“ war ein Spender gefunden worden, dessen Gewebemerkmale passten und der diese schützende Mutation trug. Bei Kahlert verlief die Behandlung etwas anders: Eine vollständig HIV-resistente Spenderperson stand nicht zur Verfügung. Die Spenderin besaß jedoch neben der üblichen Variante des CCR5-Rezeptors auch die mutierte Form. Das ist der Fall, wenn die Delta-32-Mutation nur von einem Elternteil vererbt wird. Wie seine Spenderin ist auch Kahlert heterozygot.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber