Politik

SPD will neue Schulden für Deutschlands Schulen

Bayerns Fetisch für die schwarze Null gerät unter Druck: Die SPD warnt vor teuren Folgen – und fordert Kurswechsel.

14.10.2026, 17:16 Uhr

Die bayerische SPD drängt angesichts deutlich steigender Zahlen von Schulabgängern ohne Abschluss und der erneut schwachen Pisa-Ergebnisse auf eine grundlegende Neuausrichtung der Bildungspolitik im Freistaat. Nach Ansicht der Partei erhalten ausgerechnet jene Kinder zu wenig Unterstützung, die sie am dringendsten benötigen. SPD-Landeschefin Ronja Endres erklärte in München, Bayern könne sich ein ungerechtes Bildungssystem nicht länger leisten. Nötige Ausgaben dürften nicht weiter am Ziel eines ausgeglichenen Haushalts scheitern.

Bildung im Mittelpunkt des SPD-Parteitags

Am Wochenende will die Bayern-SPD auf einem kleinen Parteitag in Regensburg sowie bei einem vorgeschalteten Fachkongress mit Expertinnen und Experten beraten, welche Reformen notwendig sind, damit weniger junge Menschen im Schulsystem verloren gehen. In den kommenden Wochen sollen die erarbeiteten Vorschläge zudem mit einem Finanzierungskonzept versehen werden.

Aus Sicht der SPD hat die Staatsregierung bislang nicht angemessen auf die steigende Zahl von Schulabbrüchen und die alarmierenden Pisa-Daten reagiert. Co-Landeschef Sebastian Roloff betonte, einige zusätzliche Unterrichtsstunden seien keine ausreichende Antwort – zumal vielerorts Lehrkräfte fehlten. Entscheidend sei, das Bildungssystem konsequent auf Chancengleichheit auszurichten. Bildungserfolg dürfe nicht davon abhängen, wie viel Geld, Zeit oder Rückhalt ein Elternhaus bieten könne.

Zwischen 2020 und 2024 ist die Zahl der Jugendlichen in Bayern, die nach der Vollzeitschulpflicht die allgemeinbildende Schule ohne Abschluss verlassen haben, laut Staatsregierung um fast 45 Prozent gestiegen. Im Jahr 2024 waren davon knapp 4.900 Schülerinnen und Schüler betroffen.

Auch die Pisa-Studie 2022 sieht die Bayern-SPD als klares Warnsignal. In Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften erzielten Deutschlands Schülerinnen und Schüler so schwache Ergebnisse wie noch nie seit Beginn der Erhebung.

Mangelnde Bildung hat Folgen für Gesellschaft und Wirtschaft

Die SPD fordert, bei der Debatte über Bildungsausgaben auch die Kosten fehlender Investitionen mitzudenken. Ohne Schulabschluss werde der Zugang zu Ausbildung, stabiler Beschäftigung und finanzieller Unabhängigkeit deutlich schwieriger. Gleichzeitig schadeten ungenutzte Talente und fehlende Qualifikationen langfristig auch Wirtschaft und Gesellschaft.

Roloff erklärte, die Kosten schlechter Bildung verschwänden nicht einfach, nur weil sie nicht direkt im Bildungsetat auftauchten. Junge Menschen zahlten mit geringeren Zukunftschancen, Unternehmen litten unter fehlenden Fachkräften, und am Ende müsse die Gesellschaft die Folgen tragen. Wer bei Bildung nötige Investitionen aufschiebe, spare daher nicht wirklich, sondern verschiebe lediglich die Rechnung.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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