Wirtschaft

Studie: Rentenpläne entlasten Staat – doch Sie zahlen drauf

Stützt die Rentenreform wirklich Deutschlands AAA-Rating? Scope sagt ja – doch für Verbraucher und Wirtschaft wird es erstmal teuer.

25.06.2026, 16:24 Uhr

Scope: Rentenreform stärkt Deutschlands Bonität, bremst aber das Wachstum

Nach Einschätzung der Ratingagentur Scope würden die Vorschläge der Rentenkommission die langfristige Stabilität des deutschen Rentensystems verbessern und damit auch die solide Kreditwürdigkeit des Landes stützen. In einer aktuellen Analyse heißt es, eine zügige und vollständige Umsetzung der Pläne könne zentrale Risiken für die Bewertung der Staatsfinanzen verringern.

Deutschland verfügt an den Kapitalmärkten weiterhin über die höchste Bonitätsnote. Neben Scope vergeben auch die großen US-Agenturen Standard & Poor’s, Fitch und Moody’s das Spitzenrating AAA. Für den Bund bedeutet das, dass er sich vergleichsweise günstig Geld leihen kann.

Scope betont, dass eine Reform der Rente dazu beitragen würde, die öffentlichen Finanzen auf Dauer tragfähig zu halten. Aus Sicht der Agentur ist es besonders wichtig, den Anstieg der Staatsverschuldung zu begrenzen, damit Deutschland trotz hoher Ausgaben etwa für Verteidigung und Infrastruktur finanziell handlungsfähig bleibt. Die Schuldenquote könnte demnach von zuletzt rund 63 Prozent bis 2036 auf 81 Prozent steigen und damit über den Vorgaben der EU-Stabilitätsregeln liegen.

Entlastung für den Bundeshaushalt

Die geplanten Änderungen würden laut Scope vor allem die jährlichen Bundeszuschüsse zur Rentenversicherung besser kontrollierbar machen. Für 2025 werden diese Zuschüsse auf 93,2 Milliarden Euro beziehungsweise 2,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts geschätzt. Bei vollständiger Umsetzung der Reformen könnten sie 2035 bei etwa 2,2 Prozent des BIP liegen. Ohne Änderungen wären es nach Scope rund 2,33 Prozent. In den 2040er Jahren dürfte der Unterschied sogar auf mehr als 0,2 Prozentpunkte anwachsen. Die Agentur spricht dabei von einer willkommenen, wenn auch eher begrenzten Entlastung für den Bundeshaushalt.

Gleichzeitig warnt Scope vor wirtschaftlichen Nebenwirkungen. Der geplante Aufbau einer kapitalgedeckten Rente, finanziert über zusätzliche Beiträge von Beschäftigten und Arbeitgebern, würde die verfügbaren Einkommen schmälern und die Lohnstückkosten erhöhen. Das könnte den privaten Konsum dämpfen und die Wirtschaftsleistung um etwa 0,15 Prozent des BIP verringern. Nach Einschätzung der Agentur würden die Belastungen also zunächst anfallen, während sich positive Effekte erst ab Mitte der 2030er Jahre deutlicher zeigen dürften.

Zu den Vorschlägen der Rentenkommission gehört unter anderem, das gesetzliche Rentenalter künftig stärker an die Lebenserwartung zu koppeln. Außerdem soll die abschlagsfreie Rente mit 63 nach 45 Versicherungsjahren wegfallen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) dringt darauf, die Reform noch bis zum Jahresende auf den Weg zu bringen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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