Weltbank: Auslandsschulden der Entwicklungsländer auf Rekordniveau
Die Auslandsverschuldung der Entwicklungs- und Schwellenländer hat 2025 laut Weltbank einen neuen Höchststand erreicht. In ihrem International Debt Report berichtet die Institution, dass private Geldgeber in großem Umfang zurückgekehrt seien und selbst die ärmsten Staaten wieder Zugang zu den Anleihemärkten fänden. Gleichzeitig müssten diese Länder jedoch so hohe Finanzierungskosten tragen wie seit vielen Jahren nicht mehr.
Nach den Angaben stiegen die Verbindlichkeiten gegenüber ausländischen Gläubigern binnen eines Jahres um 5,5 Prozent auf 9,4 Billionen US-Dollar (rund 8,4 Billionen Euro). Das ist der stärkste Zuwachs seit 2021. Zwar habe sich der Zugang zu internationalem Kapital verbessert, doch die Kosten für neue Kredite blieben hoch. Besonders in den ärmsten Ländern könnte die schwere Schuldenlast wichtige Investitionen in die Versorgung der Bevölkerung verdrängen.
Vor allem die Aufnahme von Geldern bei privaten Investoren legte deutlich zu. Die Emission öffentlicher Anleihen kletterte laut Weltbank um mehr als ein Drittel auf 251 Milliarden US-Dollar und erreichte damit den höchsten Wert seit fünf Jahren.
„Dass private Kreditgeber wieder stärker an Länder mit niedrigen und mittleren Einkommen verleihen, ist grundsätzlich positiv. Gleichzeitig müssen diese Staaten mehr Schulden aufnehmen, höhere Zinsen zahlen und verfügen oft über weniger Spielraum für langfristige Entwicklung“, erklärte Haishan Fu, Direktor für Entwicklungsdaten bei der Weltbank.
Hohe Zinsen verschärfen die Belastung
Weltweit sind die Kapitalmarktzinsen zuletzt gestiegen. Als Gründe nennt die Weltbank Inflationssorgen im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg, höhere Leitzinsen und die zunehmende Staatsverschuldung. Die Renditen von Staatsanleihen liegen damit auf einem Niveau, das seit Jahren nicht mehr erreicht wurde. Das setzt nicht nur arme Staaten unter Druck, sondern verteuert auch für Industrieländer wie die USA, Frankreich oder Deutschland die Aufnahme neuer Schulden.
Viele Regierungen hätten neue Anleihen begeben, um alte Verbindlichkeiten zurückzuzahlen – häufig allerdings zu ungünstigeren Konditionen. Nach Daten vom Jahresbeginn 2026 sei die Nachfrage armer Länder nach frischer Finanzierung weiterhin hoch gewesen. Bis Mitte August hätten bereits mehr als zehn Staaten ein Emissionsvolumen erreicht, das über ihrem gesamten Ausgabenniveau des Jahres 2025 lag.
Auch beim Schuldendienst bleibt die Lage angespannt. Länder mit niedrigen und mittleren Einkommen überwiesen 2025 nach Weltbank-Angaben rund 1,4 Billionen US-Dollar für Tilgung und Zinsen. Damit stieg diese Belastung bereits das fünfte Jahr in Folge.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber