Rheinmetall will noch 2025 Marschflugkörper in Unterlüß bauen
Der Rüstungskonzern Rheinmetall plant, noch in diesem Jahr in seinem Werk in Unterlüß mit der Produktion von Marschflugkörpern für sogenannte Deep-Strike-Einsätze zu beginnen. Das geht aus dem Redemanuskript von Vorstandschef Armin Papperger hervor, das vor der Hauptversammlung des Unternehmens veröffentlicht wurde.
Unterlüß in Niedersachsen ist der größte Rheinmetall-Standort. Dort sind mehr als 4.000 Menschen beschäftigt. Für das neue Vorhaben setzt Rheinmetall auf eine Zusammenarbeit mit dem niederländischen Unternehmen Destinus. Dessen System Ruta 2 soll bei einer Nutzlast von 250 Kilogramm eine Reichweite von rund 700 Kilometern erzielen. Für die Zielerfassung kommt nach Unternehmensangaben Künstliche Intelligenz zum Einsatz. Das Vorgängermodell Ruta 1 sei laut Papperger bereits in der Ukraine gegen strategische russische Ziele verwendet worden.
Destinus produziert nach eigenen Angaben schon heute leichtere Marschflugkörper mit kürzerer Reichweite und fertigt davon jährlich etwa 2.000 Stück. Durch die Kooperation mit Rheinmetall könnte die Produktionsmenge deutlich wachsen.
Gemeinschaftsunternehmen für neue Raketensysteme geplant
Bereits im April hatten beide Unternehmen angekündigt, in der zweiten Hälfte des Jahres ein Joint Venture unter dem Namen Rheinmetall Destinus Strike Systems gründen zu wollen. Ziel des Gemeinschaftsunternehmens ist die Entwicklung, Vermarktung und Lieferung moderner Waffensysteme. Dazu zählen neben Marschflugkörpern auch Systeme der ballistischen Raketenartillerie.
Die geplanten deutsch-niederländischen Flugkörper könnten europäischen Nato-Staaten zusätzliche Möglichkeiten verschaffen, auf die militärische Bedrohung durch Russland zu reagieren. Gleichzeitig gilt als unsicher, ob Deutschland weiterhin auf die Stationierung amerikanischer Tomahawk-Systeme setzen kann. Entsprechende Vorhaben aus dem Jahr 2024 könnten unter US-Präsident Donald Trump wieder verworfen werden.
Die Reichweite der neuen von Rheinmetall und Destinus vorgesehenen Marschflugkörper läge allerdings deutlich unter der von US-Tomahawks. Diese können Berichten zufolge Entfernungen von bis zu 2.500 Kilometern überbrücken und damit wesentlich weiter wirken als das nun geplante europäische System.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion