Mehrheit der Hausbesitzer spricht sich für Pflichtversicherung gegen Hochwasser aus
Fünf Jahre nach der Flutkatastrophe im Ahrtal befürwortet eine klare Mehrheit der Hausbesitzer in Deutschland eine verpflichtende Absicherung gegen Hochwasserschäden. Das geht aus einer Umfrage im Auftrag des Vergleichsportals Verivox hervor. Demnach unterstützen 81 Prozent der 1.054 befragten Eigentümer eine solche Regelung. 58 Prozent äußerten zudem die Sorge, dass eine ähnliche Flut auch ihre eigene Region treffen könnte.
Nach Flutkatastrophen trägt oft die Allgemeinheit die Kosten
Bei der Hochwasserkatastrophe in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 kamen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen mindestens 185 Menschen ums Leben. Die entstandenen Sachschäden werden auf 30 bis 40 Milliarden Euro geschätzt. Wie schon nach früheren Überschwemmungen wurde anschließend erneut über eine Pflichtversicherung diskutiert. Hintergrund ist, dass bei fehlendem Versicherungsschutz die finanziellen Folgen häufig vom Staat und damit letztlich von der Allgemeinheit mitgetragen werden.
Pflichtversicherung steht im Koalitionsvertrag, Entscheidung aber offen
Bislang ist die sogenannte Elementarversicherung für Naturgefahren nur als freiwillige Ergänzung zur Wohngebäudeversicherung erhältlich. Zwar haben Union und SPD in ihrem Koalitionsvertrag eine Versicherungspflicht angekündigt, die Bundesregierung will jedoch noch prüfen, ob Eigentümer sich dagegen entscheiden können. Eine endgültige Entscheidung gibt es bislang nicht. Verivox-Manager Aljoscha Ziller erklärte dazu, dass der Klimawandel derzeit in der öffentlichen Debatte weniger Aufmerksamkeit bekomme.
In Risikogebieten ist Versicherung oft schwer zu bekommen
Ein weiteres Problem besteht darin, dass Versicherer in besonders gefährdeten Regionen häufig gar keinen Schutz gegen Hochwasser anbieten. Dort gilt das Risiko von Überschwemmungen und hohen Schäden als besonders hoch. Gleichzeitig haben viele Kommunen in den vergangenen Jahrzehnten trotz entsprechender Warnungen neue Baugebiete in gefährdeten Lagen ausgewiesen.
Zustimmung endet oft bei den zusätzlichen Kosten
Bei den finanziellen Folgen einer möglichen Pflichtversicherung zeigt sich allerdings ein differenzierteres Bild. Rund 12 Prozent der befragten Hausbesitzer gaben an, keine weiteren Ausgaben für ihre Immobilie tragen zu können. Weitere 23 Prozent erklärten, sie wollten diese zusätzlichen Kosten nicht übernehmen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber