Bayern

Ammersee: Darum liegt die Gassuche plötzlich auf Eis

Paukenschlag am Ammersee: Ausgerechnet jetzt zieht ein Investor überraschend die Reißleine bei der Erdgas-Erlaubnis.

11.08.2026, 11:54 Uhr

In großen Teilen der Ammersee-Region darf seit dem 1. August 2026 vorerst nicht mehr nach Erdgas gesucht werden. Das kanadische Unternehmen MCF Energy, das hinter den Erkundungsplänen steht, hat seine bisherige Aufsuchungserlaubnis „Lech Ost“ nach eigenen Angaben auslaufen lassen. Das bayerische Wirtschaftsministerium bestätigte dies auf Anfrage. Zugleich teilte eine Sprecherin mit, dass bislang auch kein neuer Antrag eingegangen sei.

Unternehmen plant kleinere Konzessionsfläche

Warum MCF Energy auf die bisherige Erlaubnis verzichtet hat, ist derzeit nicht bekannt. Nach Angaben des Unternehmens soll nun eine kleinere Konzessionsfläche beantragt werden, die sich auf die vielversprechenden Zielgebiete konzentriert. Dadurch sollen die Belastungen für die betroffenen Gemeinden und das Wassereinzugsgebiet deutlich sinken und das Vorhaben insgesamt umweltverträglicher werden.

Greenpeace, das sich seit Jahren gegen die Gaspläne in der Region engagiert, sieht im Auslaufen der Konzession ein wichtiges Zeichen. Saskia Reinbeck von der Umweltorganisation sprach von einem klaren Signal und äußerte die Hoffnung, dass dies der Beginn vom Ende der aus ihrer Sicht überholten Gasbohrungspläne rund um den Ammersee sei.

Greenpeace spricht von Erfolg für die Region

Nach Einschätzung von Greenpeace ist der Rückzug von MCF ein Erfolg für die Menschen zwischen Lech und Ammersee, die sich seit mehr als zwei Jahren gegen das Projekt gewehrt hätten. Reinbeck betonte, der Schutz von Trinkwasser und Natur müsse wichtiger sein als kurzfristige Gewinne privater Investoren. Zugleich kritisierte sie die weitere Erschließung fossiler Rohstoffe als klimaschädlich.

In der Gegend um Reichling nahe dem Ammersee wird allerdings schon seit Jahren nach Erdgas gesucht. Dort endete im September 2025 die erste Probebohrung der Energieprojekt Lech Kinsau 1 GmbH. Aktuell wird noch ausgewertet, mit welchen Fördermengen gerechnet werden könnte. Diese Suche ist von der nun ausgelaufenen Konzession jedoch unabhängig.

Nach den bisher bekannten Planungen war eine Förderung über einen Zeitraum von zehn bis 15 Jahren vorgesehen. Vermutet werden Vorkommen von etwa 400 bis 500 Millionen Kubikmetern Erdgas. Das Projekt war von Anfang an von deutlicher Kritik aus der Bevölkerung begleitet worden.

Sorge um das Trinkwasser

Ein zentraler Streitpunkt war stets die mögliche Gefährdung des Trinkwassers. Messungen im Umfeld der Bohrstelle hatten zeitweise einen deutlichen Anstieg bei den Werten für Zink, Barium und BTEX ergeben. Teilweise lagen diese sogar klar über den sogenannten Geringfügigkeitsschwellenwerten (GFS).

Nach Angaben von Greenpeace ist wegen des Auslaufens der Konzession vorerst auch das Bohrvorhaben der MCF-Tochter Genexco im Reichlinger Ortsteil Gimmenhausen im Landkreis Landsberg am Lech gestoppt. Ohne gültige Aufsuchungserlaubnis könne das Unternehmen für die dort bereits gepachtete mögliche Bohrfläche keinen Betriebsplan einreichen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber

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