Deutsche Bank setzt beim Altersvorsorgedepot nicht auf Billiglockangebote
Die Deutsche Bank will sich beim künftigen staatlich geförderten Altersvorsorgedepot im Wettbewerb nicht über besonders aggressive Einstiegspreise profilieren. Raffael Gasser, Manager des Instituts, sagte in Frankfurt, kurzfristige Lockangebote gehörten ausdrücklich nicht zur Strategie des Hauses. Entscheidend sei vielmehr, dass Kundinnen und Kunden von Anfang an nachvollziehen könnten, welche Konditionen gelten – ohne später von geänderten Regeln enttäuscht zu werden.
Ab 2027 soll das neue Altersvorsorgedepot Bürgerinnen und Bürgern ermöglichen, privat fürs Alter über ETFs, Aktienfonds und Anleihen Vermögen aufzubauen. Die Idee dahinter: Wer stärker auf Kapitalmarktprodukte setzt, geht zwar mehr Risiko ein, hat langfristig aber auch bessere Ertragschancen für den Ruhestand.
Fördermodell mit Spielraum für spätere Preiserhöhungen
Kritisch gesehen wird, dass das zugrunde liegende Gesetz Anbietern erlaubt, ihre Preise auch nachträglich anzuheben. Voraussetzung ist lediglich eine Ankündigung vier Monate im Voraus. Deshalb gibt es bereits Sorgen, dass ein harter Preiskampf am Anfang später zulasten der Kundschaft ausgehen könnte.
Der Staat unterstützt das Altersvorsorgedepot mit Zuschüssen von bis zu 540 Euro im Jahr. Für jedes Kind kommen bis zu 300 Euro hinzu. Gefördert werden jährliche Einzahlungen zwischen 120 und 1.800 Euro. Während der Ansparphase bleiben Kapitalerträge steuerfrei. Auch ein Wechsel aus einem bestehenden Riester-Vertrag in das neue System soll möglich sein, inklusive Übertragung des angesparten Kapitals.

Digitales Standarddepot und Beratung gegen Aufpreis
Zum Start plant die Deutsche Bank mehrere Varianten. Das Standarddepot, entwickelt von der Fondstochter DWS, soll ausschließlich digital angeboten werden. Die jährlichen Kosten liegen in den ersten beiden Jahren bei 0,1 Prozent, danach bei 0,28 Prozent.
Zusätzlich will Deutschlands größtes Geldhaus ein umfangreicheres Vorsorgedepot mit persönlicher Beratung auflegen. Dafür sollen jährlich 0,99 Prozent anfallen. Daneben sind zwei gemeinsam mit der Zurich-Versicherung entwickelte Versicherungsprodukte vorgesehen – eines mit Garantie und eines ohne. Auch hier soll Beratung Teil des Angebots sein.
Dominik Hennen, verantwortlich für das Privatkundengeschäft von Deutscher Bank und Postbank mit zusammen 19 Millionen Kundinnen und Kunden, hält den wachsenden Stellenwert der Altersvorsorge für richtig. Er geht aber nicht davon aus, dass plötzlich Millionen Menschen solche Produkte komplett eigenständig abschließen werden. Gerade bei der Ruhestandsplanung gebe es viele, die Beratung wollten oder benötigten.
Konkurrenz über den Preis
Den Wettbewerb um das günstigste Standardangebot hatte im August Scalable Capital angeheizt. Der Neobroker kündigte an, bei seinem Standarddepot weder Gebühren für die Depotführung noch für Sparpläne, Ein- und Auszahlungen oder Käufe und Verkäufe zu verlangen. Die laufenden Kosten sollen dort maximal 0,15 Prozent pro Jahr betragen.
Auch andere Anbieter legten nach. So verlangt die Dekabank, die Produkte für die Sparkassen bereitstellt, für ihr Standarddepot 0,1 Prozent jährlich.
Langfristige Chancen am Kapitalmarkt – trotz Skepsis
Das Deutsche Aktieninstitut verweist regelmäßig darauf, dass sich langfristiges Investieren in Aktien historisch ausgezahlt habe. Nach dessen Berechnungen erzielte ein Sparplan auf einen Dax-Fonds in den vergangenen 20 Jahren im Schnitt fast 9 Prozent Rendite pro Jahr – trotz Krisen und zwischenzeitlicher Rückschläge. Wer monatlich 50 Euro investiert habe, wäre demnach aus insgesamt 12.000 Euro Einsatz auf mehr als 32.000 Euro gekommen.
Gleichzeitig bleibt die Skepsis vieler Menschen groß. In einer Ipsos-Umfrage im Auftrag der ING erklärte im Sommer mehr als ein Drittel der 1.000 befragten Erwachsenen in Deutschland, Geldanlage gleiche einem Glücksspiel im Kasino. Selbst unter Personen, die bereits in Wertpapiere investieren, stimmte mehr als jede fünfte dieser Aussage zu.
Soll die Rentenreform die Aktienkultur stärken?
Nach Einschätzung von Dekabank-Vertriebschef Dirk Peters darf die steigende Zahl an Wertpapierdepots nicht darüber hinwegtäuschen, dass große Teile der Bevölkerung weiterhin nicht am Kapitalmarkt beteiligt sind. Derzeit investierten nur rund 20 Prozent der Menschen über 14 Jahre in Deutschland in Aktien, Fonds, Anleihen oder ETFs.
Raffael Gasser erwartet, dass das Altersvorsorgedepot der Aktienkultur in Deutschland neuen Schwung geben kann. Auch sein Kollege Hennen sieht darin eine große Chance und fragt sinngemäß: Wenn nicht jetzt ein Umdenken beginne, wann dann?
Ähnlich hatte sich bereits im Sommer ING-Deutschland-Chef Lars Stoy geäußert. Die Rentenreform könne ein wichtiger Impuls sein, damit mehr Menschen tatsächlich aktiv etwas für ihre Altersvorsorge tun. Am Bewusstsein für die Notwendigkeit mangele es vielen nicht – eher daran, den nächsten Schritt auch wirklich zu gehen.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber