Stahlindustrie im Saarland setzt auf Wasserstoff
Im Saarland läuft der Umbau der Stahlindustrie hin zu einer klimafreundlicheren Produktion. Künftig soll Wasserstoff an die Stelle von Kohle treten, um den CO2-Ausstoß deutlich zu senken. Für die Umstellung der Werke an der Saar sind Investitionen von rund 4,6 Milliarden Euro vorgesehen. Bund und Land unterstützen das Vorhaben mit 2,6 Milliarden Euro, den restlichen Anteil tragen die Unternehmen selbst.
Auch andere große Hersteller treiben ähnliche Projekte voran, darunter Thyssenkrupp in Duisburg und die Salzgitter AG in Niedersachsen. Weil die Stahlbranche zu den größten CO2-Verursachern in Deutschland zählt, gilt ihr Umbau als wichtiger Baustein für die Klimaziele.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) informiert sich heute im Saarland über die Transformation der Stahlindustrie. In der Dillinger Hütte in Dillingen nimmt er an einer Veranstaltung der Stahl-Holding-Saar teil und wird nach Angaben des Kanzleramts dort eine Rede halten.
Was unter grünem Stahl verstanden wird
Von grünem Stahl ist in der Regel die Rede, wenn bei der Herstellung statt Kohlenstoff möglichst klimafreundlich erzeugter Wasserstoff verwendet wird. Dieser stammt idealerweise aus erneuerbaren Energien wie Windkraft oder Solarstrom.
In Direktreduktionsanlagen kann Wasserstoff die Rolle von Kohle und Koks übernehmen, die in klassischen Hochöfen dem Eisenerz den Sauerstoff entziehen. Wenn dabei kein klimaschädliches Kohlendioxid entsteht, spricht man von grünem Stahl.
Warum Wasserstoff dabei so wichtig ist
Wasserstoff ist das Schlüsselelement dieser Produktionsweise, weil er fossile Energieträger ersetzt. Anders als im Hochofen entsteht in Direktreduktionsanlagen zunächst kein flüssiges Roheisen, sondern fester Eisenschwamm. Dieser muss anschließend eingeschmolzen und weiterverarbeitet werden, um Stahl herzustellen. Als Nebenprodukt fällt dabei vor allem Wasser statt CO2 an.
Welche Wirkung die Technik haben kann, zeigt das Saarland: Neue Anlagen in Dillingen und Völklingen sollen die Emissionen bis Anfang der 2030er Jahre um bis zu 55 Prozent senken. Das entspricht rund 4,8 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr. Langfristig wird Klimaneutralität bis 2045 angestrebt. In einer ersten Phase soll allerdings zunächst Erdgas genutzt werden, bevor später Wasserstoff vollständig übernimmt.
Wo die größten Hürden liegen
Ein zentrales Problem bleiben die Kosten. Wasserstoff ist derzeit deutlich teurer als fossile Alternativen. Fachleute erwarten zwar sinkende Preise, gehen aber davon aus, dass grüner Wasserstoff auch 2030 noch mindestens doppelt so teuer sein dürfte wie grauer Wasserstoff, der aus Erdgas hergestellt wird.
Dadurch bleibt auch grüner Stahl erheblich teurer als konventionell produzierter Stahl. Selbst mit staatlicher Förderung wird die Wirtschaftlichkeit einer CO2-armen Stahlproduktion von Experten infrage gestellt. Hinzu kommt, dass grüner Wasserstoff bislang noch nicht in ausreichender Menge verfügbar ist.
Zusätzlichen Druck verursachen günstige Stahlimporte aus Ländern außerhalb Europas, in denen häufig unter weniger strengen Umweltauflagen produziert wird.
Wie grüner Stahl konkurrenzfähig werden soll
Zum Schutz der europäischen Stahlindustrie hat die EU-Kommission mit Wirkung vom 1. Juli eine Verordnung auf den Weg gebracht. Sie soll den Markt besser vor Billigimporten abschirmen, indem solche Einfuhren begrenzt und teilweise verteuert werden.
Darüber hinaus fordert die Branche international wettbewerbsfähige Strompreise. Als weiterer Hebel gelten grüne Leitmärkte: Öffentliche Aufträge könnten gezielt die Nachfrage nach CO2-reduziertem Stahl stärken, etwa beim Bau im Schienennetz oder bei anderen Infrastrukturprojekten.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber