Wirtschaft

Cohere-Chef verrät: Aleph-Alpha-Talente bleiben hier

Europa hat alles für den KI-Sieg – warum es trotzdem hakt, liegt laut Cohere-Chef an einem einzigen entscheidenden Problem.

01.06.2026, 14:23 Uhr

Cohere will Deutschland nach Aleph-Alpha-Übernahme als zweiten Hauptstandort stärken

Nach der angekündigten Fusion mit dem Heidelberger KI-Unternehmen Aleph Alpha plant der kanadische Anbieter Cohere, seine Aktivitäten in Deutschland nicht nur zu sichern, sondern weiter auszubauen. Deutschland solle auch künftig als zweiter Hauptsitz neben Kanada fungieren, sagte Cohere-Chef Aidan Gomez am Rande der Tech-Konferenz in Heilbronn.

Aleph Alpha und Cohere hatten die Verbindung Ende April als „transatlantische Fusion“ vorgestellt. Tatsächlich läuft der Schritt jedoch auf eine Übernahme des deutschen Start-ups durch den kanadischen Konzern hinaus. Mit dem Zusammenschluss entsteht eines der größten KI-Unternehmen außerhalb der USA.

Im Mittelpunkt steht nach Angaben beider Firmen der Aufbau einer sicheren KI-Lösung für stark regulierte Bereiche. Zielgruppen sind nicht private Endkunden, sondern vor allem Behörden sowie Betreiber kritischer Infrastruktur, etwa in den Bereichen Finanzen, Verteidigung, Energie, Telekommunikation und Gesundheit. Bundesdigitalminister Karsten Wildberger sprach zuletzt von der Entstehung eines „globalen KI-Champions“.

Gomez betonte, Cohere wolle die Fachkräfte von Aleph Alpha in Deutschland halten und zusätzliche Kapazitäten vor Ort schaffen. Von Deutschland aus solle künftig auch der internationale Markt bedient werden. Unterstützung erwarte das Unternehmen sowohl von der kanadischen als auch von der deutschen Regierung. Beide Länder zählten innerhalb der G7 zu den wichtigsten Akteuren.

KI / AI
Europa ist laut Gomez nicht chancenlos. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa

Nach Ansicht des Cohere-Chefs ist Europa im weltweiten KI-Wettbewerb keineswegs chancenlos. Das eigentliche Problem sei weniger ein Mangel an Talenten, Unternehmen oder Kapital, sondern vielmehr fehlender Mut und zu wenig Vertrauen in die eigene Stärke. Diese Zurückhaltung habe die Entwicklung in den vergangenen Jahrzehnten gebremst.

„Es braucht einen kulturellen Wandel“, sagte Gomez. Europa müsse bereit sein, gezielt Ressourcen in ehrgeizige Projekte zu investieren und diese konsequent zu vergrößern. Cohere wolle genau mit diesem Anspruch weltweit konkurrenzfähig sein.

Aleph Alpha war 2019 in Heidelberg gegründet worden und galt über Jahre als eines der vielversprechendsten deutschen KI-Unternehmen. Bei der kostenintensiven und schnellen Entwicklung großer Sprachmodelle geriet die Firma zuletzt jedoch gegenüber Wettbewerbern wie ChatGPT, Google und Meta ins Hintertreffen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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