Bayern

Jetzt vor Gericht: Axtangriff im ICE

Axt-Attacke im ICE schockte Niederbayern – jetzt muss sich der mutmaßliche Täter in Regensburg vor Gericht verantworten.

02.06.2026, 03:30 Uhr

Knapp ein Jahr nach der Axtattacke in einem ICE in Niederbayern hat vor dem Landgericht Regensburg der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter begonnen. Angeklagt ist ein 21-jähriger Syrer. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm versuchten Totschlag und gefährliche Körperverletzung vor. Nach Einschätzung der Anklage war der Mann wegen einer psychischen Erkrankung bei der Tat schuldunfähig. Zu Beginn des Verfahrens schwieg der Beschuldigte und verfolgte die Verhandlung meist mit gesenktem Blick.

Nach Darstellung der Ermittler eskalierte die Lage am 3. Juli 2025 kurz vor 14.00 Uhr im ICE 91 in Wagen 34 auf der Fahrt in Richtung Wien. Nahe Straßkirchen im Landkreis Straubing-Bogen soll der 21-Jährige zunächst einen ihm unbekannten 25 Jahre alten Landsmann angesprochen und ihn aufgefordert haben, mit seinen Freunden draußen zu warten. Anschließend habe er den Mann feindselig fixiert und sei mit Axt und Hammer durch das Abteil gelaufen.

Der 25-Jährige saß mit seiner 52 Jahre alten Mutter und seinen jüngeren Geschwistern in einer Vierer-Sitzgruppe. Weil die Mutter einen Angriff befürchtete, bat sie einen 29-jährigen Fahrgast, die Polizei zu rufen. Ihr Sohn hatte zuvor vergeblich versucht zu telefonieren, weil es keinen Handyempfang gab. Laut Anklage schlug der Beschuldigte dann plötzlich mit der Axt auf den Kopf des 29-Jährigen ein und ging anschließend auf die Familie zu. Die Mutter, die sich schützend vor ihren ältesten Sohn stellte, wurde demnach zweimal am Kopf getroffen. Sowohl sie als auch der 29-Jährige erlitten Schädelfrakturen.

Nach den Ermittlungen gelang es dem 25-Jährigen, dem Angreifer die Axt abzunehmen und ihn in Notwehr damit zu schlagen. Danach soll der Beschuldigte ihn noch gewürgt haben. Zusammen mit seinem jüngeren Bruder fixierte der Mann den Angreifer am Boden und rief andere Fahrgäste zur Hilfe. Zwei weitere Männer unterstützten schließlich. Der Beschuldigte wurde ebenfalls schwer verletzt, der 25-Jährige erlitt Schnittwunden.

Als erste Zeugin schilderte die 52-Jährige die dramatischen Minuten im Zug. Der Angeklagte habe auf sie einen merkwürdigen Eindruck gemacht, sehr langsam gesprochen, gerötete Augen gehabt und auf sie wie unter Drogeneinfluss gewirkt. Ihre Tochter habe dann bemerkt, dass der Mann bewaffnet sei. Kurz nachdem der 29-Jährige den Notruf abgesetzt hatte, sei dieser niedergeschlagen worden. Danach sei der Angreifer auf ihre Familie zugekommen. Um ihre Kinder zu schützen, habe sie sich erhoben und die Schläge abbekommen. Bis heute leide sie unter Kopfschmerzen, Schlafstörungen und Angstzuständen.

Auch ihr 25-jähriger Sohn berichtete vor Gericht von den Folgen der Tat. Die erneute Schilderung der Ereignisse belaste ihn stark. Er traue sich nicht mehr, allein zu reisen, reagiere bei Geschrei sofort in Abwehrhaltung und leide unter Albträumen sowie ständiger Angst.

Der 29-jährige Fahrgast, der die Polizei rief, sagte aus, ihm seien Axt und Hammer des Beschuldigten aufgefallen. Nach einem kurzen Gespräch mit der Mutter habe er den Notruf gewählt. Als der Angreifer plötzlich neben ihm stand, habe er noch gesagt, „jetzt ist er neben mir“, dann habe er aufgelegt. An den weiteren Ablauf habe er keine Erinnerung mehr. Während der abgespielten Notrufaufnahme verbarg der Beschuldigte sein Gesicht hinter der Hand. Später entschuldigte er sich bei dem Verletzten für das Geschehen.

Der 21-Jährige war kurz nach der Tat aus der Untersuchungshaft in eine psychiatrische Einrichtung gebracht worden, in der er seither untergebracht ist. Weil die Staatsanwaltschaft ihn weiterhin als gefährlich für die Allgemeinheit einstuft, beantragte sie seine dauerhafte Unterbringung in der Psychiatrie.

Für den Prozess sind weitere Verhandlungstage geplant. Ein Urteil könnte im Juli fallen.

Quelle: dpa/bearbeitet durch Topaktuell Redaktion

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