Nach den jüngsten Diskussionen um die Wasserqualität der Seine hat Isabel Gose bei der Freiwasser-EM Gold gewonnen. Die 24 Jahre alte Schwimmerin sicherte sich im Knockout Sprint mit einem souveränen Start-Ziel-Sieg ihren ersten Einzel-Titel im Freiwasser. In Paris ließ die Athletin vom SC Magdeburg die Ungarin Bettina Fabian und die Italienerin Ginevra Taddeucci hinter sich.
Für das deutsche Team ist es ein weiterer Erfolg bei den Titelkämpfen in der französischen Hauptstadt. Auch ohne die zwischenzeitlich mögliche perfekte Ausbeute steht vor dem letzten Rennen eine starke Bilanz mit drei Goldmedaillen und einer Bronzemedaille. Florian Wellbrock sagte: „Ich glaube mit drei Goldmedaillen und einer Bronzemedaille können wir so weit erstmal happy sein. Es ist ein Mega-Auftakt.“
„Ich bin so froh, dass ich da anknüpfen konnte, wo die Jungs aufgehört haben – und hoffentlich heute weitermachen“, sagte Gose nach ihrem Sieg. Nach Ungewissheit über ihre Form und dem Wirbel um das Wasser zeigte sie sich bei strahlendem Sonnenschein und eindrucksvoller Kulisse hoch überlegen.
Wellbrock geht im Finale leer aus
Für Florian Wellbrock blieb der erhoffte Titel-Hattrick diesmal aus. Der Magdeburger belegte im Knockout-Rennen über insgesamt drei Kilometer Rang sieben – direkt vor seinen Teamkollegen Johannes Liebmann und Oliver Klemet. Wellbrock hatte zuvor bereits Gold über zehn und fünf Kilometer gewonnen, Klemet sicherte sich auf der olympischen Distanz Bronze.
„Es war natürlich ein bisschen anders als erhofft“, sagte Wellbrock nach dem Rennen, nahm das Ergebnis aber dennoch gelassen und mit einem Lächeln. Den Sieg bei den Männern holte sich der Ungar David Betlehem, Silber und Bronze gingen an die Franzosen Marc-Antoine Olivier und Logan Fontaine.
Dabei hatte nach den Vorläufen und Halbfinals zunächst vieles für die deutschen Männer gesprochen. Das Trio um Wellbrock dominierte die ersten Runden, alle drei in Magdeburg trainierenden Athleten gewannen einen Lauf und gingen mit guten Chancen ins Finale. Im entscheidenden Rennen lief es taktisch dann aber nicht wie erhofft.
Vor allem auf den abschließenden 500 Metern wurde es im Feld hektisch und eng. Oliver Klemet schilderte: „Bei den 500 Metern war ein bisschen das Problem, dass alle gefühlt übereinander hergefallen sind, keiner Platz hatte.“ Schon an der ersten Wende kamen die Deutschen nicht in die gewünschte Position und wurden ausgebremst. Wellbrock sprach vom wohl stärksten 500-Meter-Sprintfinale, das es in diesem Format bisher gegeben habe.
Gose: Kein Öl-Geschmack im Mund
Schon vor den Rennen hatte es erneut Bedenken wegen der Sauberkeit des Flusses gegeben. Das Training am Vortag fiel aus, nachdem im Wasser Öl oder Kraftstoff entdeckt worden war. Die jüngsten Messungen ergaben jedoch keine Überschreitung der erlaubten Grenzwerte. Nach einer zusätzlichen Sichtkontrolle am frühen Morgen gab es schließlich grünes Licht für die Wettbewerbe.
Öl habe sie beim Rennen nicht geschmeckt, sagte Gose. „Ich habe heute relativ viel Wasser geschluckt“, erklärte sie und ergänzte mit Blick auf mögliche Folgen für ihre Gesundheit: „Positiv denken und dann passiert auch nichts.“
Gose auch in den Läufen davor klar vorne
Das Format des Knockout Sprints besteht aus drei Rennen über 1500, 1000 und 500 Meter, die in kurzer Folge ausgetragen werden. Nach jeder Runde scheiden Athletinnen und Athleten aus. Gose beschrieb das Format als besonders spannend: „Es ist super aufregend, weil man nach jeder Strecke wieder die Spannung hochbekommen muss. Dann kommt die Nervosität wieder.“
Sie setzte früh ein Zeichen, gewann zunächst ihren Heat in der ersten Runde und anschließend auch das Halbfinale. Auch im Finale schwamm sie schnell an die Spitze und demonstrierte ihre Stärke. Weil sie als Schwimmerin mit Wurzeln im Beckenschwimmen körperlich harte Zweikämpfe eher vermeiden will, kam ihr die offensive Taktik entgegen – und sie hielt die Konkurrenz damit konsequent auf Distanz.
Weitere Medaillenchance in der Staffel
Zum Abschluss der Freiwasser-Wettkämpfe in der Seine bietet sich dem deutschen Team an diesem Samstag die nächste Chance auf Edelmetall. Dann steht ab 10.00 Uhr die Mixed-Staffel auf dem Programm, übertragen im ZDF-Livestream.
Quelle: dpa/bearbeitet durch Julian Weber